BAAR: Ein Neubau wirft Fragen auf

In der Ägeristrasse 34 soll anstelle der alten Schumacher-Villa ein neues Mehrfamilienhaus gebaut werden. Interessant ist dabei, dass die Bauherrin die Sozialvorsteherin der Gemeinde ist. Und nicht nur das.

Wolfgang Holz
Drucken
Teilen
Wird abgerissen und durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt: das 1946 erbaute Haus an der Ägeristrasse 34. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 2. Dezember 2016))

Wird abgerissen und durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt: das 1946 erbaute Haus an der Ägeristrasse 34. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 2. Dezember 2016))

Die Baubewilligung für das Neubauprojekt ist eigentlich längst erteilt: Alfred und Berta Zeiter lassen das bestehende Gebäude an der Ägeristrasse 34 in Baar abbrechen. Auf der Liegenschaft soll ein Mehrfamilienhaus gebaut werden. So weit, so gut. Wäre da nicht die Tatsache, dass es sich bei Berta Zeiter um die Sozialvorsteherin des Baarer Gemeinderats – Berty Zeiter – handelt, die seit 2011 dieses Amt bekleidet und für die Alternative-die Grünen Baar politisiert.

Denn obwohl der Gemeinderat die Baubewilligung für den Neubau vergangenen Sommer erteilte, rumort es in Baar. Fragen tauchen auf, die so manchen alt eingesessenen Baarer beschäftigen. Fragen etwa, wie sich eine Sozialvorsteherin mit einem 50-Prozent-Pensum und einem jährlichen Lohn von rund 90000 Franken so ein neues Mehrfamilienhaus leisten kann – angesichts dessen, dass ihr Ehemann seit Jahren nicht mehr arbeite.

Vier-Familien-Haus mit Mietwohnungen geplant

Baars Sozialvorsteherin Berty Zeiter sagt zu dieser Frage: «Wir bezahlen das neue Haus selbst. Wir haben unser Leben lang gespart und einfach gelebt.»

Doch warum soll die geräumige Schumacher-Villa überhaupt abgerissen werden, und was soll eigentlich als Neubau auf der Liegenschaft an der Ägeristrasse entstehen? Gemäss der früheren Kantonsrätin, Katechetin und Kommunionhelferin Zeiter ist «Villa wohl nicht das passende Wort für unser einfaches Haus mit Stube, Küche, vier kleinen Schlafzimmern und einer Einzelgarage». Dafür sei der Garten umso grösser und gebe viel Arbeit, «die auf das Alter hin immer schwieriger zu bewältigen wird», sagt die 60-Jährige, die in einer Bergbauernfamilie im Sankt Gallischen aufgewachsen ist. Zukünftig wollen Berty Zeiter und ihr Ehemann Alfred in eine der neuen Mietwohnungen einziehen, die in dem geplanten Vier-Familien-Haus vorgesehen sind. «Projektiert sind drei 41/2-Zimmer-Wohnungen und eine 31/2-Zimmer-Wohnung in dem Haus, das Mietwohnungen im einfacheren Mietsegment anbieten soll», so Zeiter.

Doch – wenn alles so klar ist – warum hat man dieses Neubauprojekt dann just in den Ferien als Baugesuch aufgelegt, als viele in den Sommerferien weilten, fragen sich im Nachhinein einige. Gab es da womöglich etwas zu vertuschen? Berty Zeiter winkt ab. «Unser ursprüngliches Ziel war es, das Baugesuch bereits im April oder Mai einzureichen. Durch Projektanpassungen wegen der Kantonsstrasse gab es Verzögerungen, sodass das Baugesuch erst im Juli eingereicht werden konnte.» Vor der Auflage habe man jedoch alle direkt betroffenen Nachbarn zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, bei dem diesen das Projekt vorgestellt worden sei.

«Wir haben das Haus 1990 gekauft»

«Alle wussten im Voraus, dass unser Bauprojekt erst Ende Juli ausgeschrieben wird», versichert Baars Sozialvorsteherin. Bleibt noch zu wissen, wie sich manche Baarer fragen, wie die Zeiters überhaupt in den Besitz der Schumacher-Villa gekommen sind. Denn bekannt ist, dass Doktor Schumacher seine frühere Haushaltshilfe Rosa – «s Rösli» – adoptiert hatte. Und dieser hatte er offensichtlich testamentarisch nach seinem Tod das Haus als Erbe vermacht. «S Rösli» selbst kam später in ein Pflegeheim.

Baars Sozialvorsteherin und Gemeinderätin Berty Zeiter sagt heute dazu: «Wir haben das Haus im Jahre 1990 von Rosa Schumacher gekauft.»

Wolfgang Holz

Weitere Lesermeinungen

Weitere Meinungen zur Berichterstattung über ein Baarer Bauprojekt finden Sie auf www.zugerzeitung.ch/leserbriefe

Klarstellung

Es war weder mein Ziel noch meine Absicht, Frau Berty Zeiter zu diffamieren. Es ging mir in dem Artikel nur darum, Fragen, die bei uns aufgetaucht und von alteingesessenen Baarern geäussert und eingereicht worden sind, nachzugehen. Ich kenne diese Baarer alle mit Namen. Leider wollten diese ihren Namen nicht in der Zeitung nennen. Gleichzeitig ist es natürlich sehr wohl von öffentlichem Interesse, wenn eine Gemeinderätin als öffentliche Person ein Baugesuch auflegt und dafür eine Baubewilligung erhält von dem politischen Gremium, in dem sie ja selbst mitwirkt. Da lohnt es sich nachzufragen, zumal es ja vielen Baarern gar nicht bekannt gewesen ist, dass Frau Zeiter und ihr Ehemann ein Haus bauen wollen – wegen des Auflagetermins in den Ferien. Wir haben in unserem Artikel nur die Fragen gestellt, die Frau Zeiter von vorneherein bekannt waren und die sie im Übrigen bereitwillig, klar, nüchtern, transparent und sehr speditiv beantwortet hat. Dass der Auflagetermin des Baugesuchs in den Ferien gelegen hat, hat wohl bei manchen den Verdacht geweckt, dass etwas vertuscht werden sollte. Auch dies hat Frau Zeiter in ihrem Statement klar entkräftet. Ohne diese Stellungnahme hätte ich den Artikel selbstverständlich gar nicht geschrieben. Damit sind alle offenen Fragen beantwortet.

Wolfgang Holz