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BAAR: Er ist Herr über Licht und Projektion

Martin Kuhn bereichert so manche Show. Angefangen hat er im Zuger Burgbachkeller. Heute Abend beschert er einem Weltstar in Las Vegas ganz spezielle Effekte.
Susanne Holz
Martin Kuhn im KKL Luzern vor der Kulisse zu «A Pirates Symphony». Der Baarer konzipiert Projektionen für Grossevents auf der ganzen Welt. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Martin Kuhn im KKL Luzern vor der Kulisse zu «A Pirates Symphony». Der Baarer konzipiert Projektionen für Grossevents auf der ganzen Welt. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

In der amerikanischen Presse war schon öfter die Rede von ihm als in den Zeitungen der Schweiz. Gerade mal dreissig Jahre alt, ist er beteiligt an den Videoeffekten der «Piece of Me»-Show von Britney Spears, die heute, 27. Dezember, in Las Vegas startet. Und im KKL dinieren die Gäste der «Pirates of the Caribbean»-Konzerte seit 2012 in einem Ambiente, das er erst technisch möglich macht. Die Rede ist von Martin Kuhn, der mit seiner Firma Moodbox in der Baarer Lättichstrasse ansässig ist. Tür an Tür mit dem K-wer-K von Roger Krütli und der Schreinerei von Jürg Odermatt. Alle drei arbeiten gerne zusammen.

Von der Pike auf gelernt

Während Martin Kuhn seinen engen Freund und Kollegen Roger Krütli als kreativen Kopf und dessen K-wer-K als Fantasiewerkstatt bezeichnet, sieht er sich selbst als Medientechniker, als Herr über Licht und Projektion – doch eine genaue Berufsbezeichnung gibt es für sein Metier im Prinzip noch gar nicht. Und eigentlich auch keine Ausbildung: Diejenige zum Veranstaltungstechniker, die in Zürich seit einiger Zeit angeboten wird, sei sehr allgemein gehalten, so Kuhn.

Der Dreissigjährige hat seinen Job von der Pike auf gelernt, mehr oder weniger als Autodidakt. «Ich bin nah dran an Daniel Düsentrieb», sagt Martin Kuhn und lacht. Die technisch versierte Ente aus den lustigen Taschenbüchern begleitete ihn durch seine Kindheit – heute vergleicht er sich mit ihr. Kuhn wurde 1983 in Luzern geboren, besuchte die Primarschule in Steinhausen und machte in Zug die Matura. Er studierte Jura bis zum 1. Lizenziat und wagte dann den Sprung in die Selbstständigkeit.

Im Casino Zug als Beleuchter tätig

Seit er 15 Jahre alt war, hatte der Baarer unter anderem im Theater Casino Zug als Beleuchter gejobbt. «Ich entdeckte dort meine Leidenschaft für das Licht», erzählt der Selfmademan. Der Einstieg in die Branche der Medientechnik war naheliegend – verfügte er doch bereits über viele Kontakte. Und viel Wissen: «Ich habe bei jeder Show von Menschen aus der ganzen Welt dazugelernt», erzählt Martin Kuhn. Auf über 1000 Vorführungen hat er es inzwischen wohl gebracht.

Was beim klassischen Theater im Burgbachkeller mit 50 Zuschauern anfängt und beim Eurovision Song Contest 2013 in Schweden mit 165 Millionen Fernsehzuschauern europaweit aufhört. Unprätentiös, wie er ist, erklärt der Baarer dazu: «Der Song Contest war ein sehr schönes Erlebnis, bei dem ich ein kleines Zahnrad in einem riesigen Team war.» Genauer gesagt, war Kuhn in Malmö für interaktive Projektionen in Echtzeit zuständig. Will heissen, er sorgte dafür, dass die Lichteffekte immer gerade dort waren, wo jemand tanzte oder auch mit dem Velo über die Bühne fuhr. Eurovision Song Contest, Las-Vegas-Show von Britney Spears – wie kommt man an diese grossen Jobs, wenn man seit 13 Jahren als Martin Kuhn im Raum Zug selbstständig ist und seit 2010 mit der eigenen Firma Moodbox von Baar aus operiert?

Mundpropaganda

«Ich arbeite in einer internationalen Nischenbranche», erklärt der Baarer. «Unser Fachwissen ist grenzüberschreitend. Es treffen sich oftmals die gleichen Leute, das macht es einfacher.» Die Aufträge bekomme man über Mundpropaganda, über persönliche Kontakte. «Man wird empfohlen», sagt Kuhn, «es ist eine ehrliche Form des Arbeitens, ohne Titel oder Diplome, nur das Können und das Machen zählen.» Martin Kuhn findet das erfrischend und dynamisch. Stichwort Dynamik: Der Dreissigjährige mag es kreativ, er liebt den Wandel, die Veränderung. Und findet: «Das hat durchaus Suchtpotenzial.» Er arbeite in einer Branche, die in den letzten fünf Jahren eine Riesenentwicklung erlebt habe.

Martin Kuhn blickt zurück und erzählt von einer «Othello»-Aufführung im Theater Casino Zug vor rund 13 Jahren. Klassisches Theater mit klassischer Kulisse und Beleuchtung. «Es kamen Lastwagen aus Weissrussland, gefüllt nur mit bemalten Stoffen, 20 Meter breit und hoch. Sie zeigten den Szenenhintergrund, mal den Mond, mal ein Schloss. Und wurden von uns ausgeleuchtet. Heute würde man den gleichen Effekt mit einem Projektor erzielen.» Ein Quantensprung. Und trotzdem ist in Kuhns Branche Demut gefragt. «Ein Tunnelblick ist Gift. Wenn 100 000 Leute eine Show schauen, dann ist das Publikum die Instanz, diese Show zu bewerten. Es wäre beispielsweise komplett anmassend zu sagen, Schlager ist schlecht – nur weil es einem persönlich vielleicht nicht so gefällt.»

Sozialkompetenz wichtig

Ebenfalls wichtig in der Welt der Medientechnik: technisches Know-how und Sozialkompetenz. «Wir arbeiten in einer hektischen Umgebung», so der Baarer, «Welten treffen aufeinander. Da braucht es Feingefühl und Empathie.» Aus Kollegen würden aber oftmals Freunde. Beides hat Kuhn auch in der Baarer Lättichstrasse: Zusammen mit Roger Krütli hat er die riesigen videobespielten Segel an den Wänden des Luzerner Saals im KKL gestaltet und für die romantische Piratenatmosphäre bei den «Pirates»-Konzerten gesorgt. «Wir haben bei der kreativen Arbeit die gleichen Filme im Kopf», erzählt der Moodbox-Chef gut gelaunt. Schreiner Jürg Odermatt wiederum habe die Tische fürs Piratendinner im KKL entworfen und hergestellt. Moodbox und Martin Kuhn: Heute Abend werfen sie ein Licht sowohl auf den Weltstar in Las Vegas als auch auf die Dinnergäste im KKL.

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