BAAR: Er rollte ans Ende der Welt

Vor einem halben Jahrhundert verwirklichte sich Alwin Reithaar einen Traum. Noch heute kommt er ins Schwärmen.

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Alwin Reithaar mit seinem Feldstecher und  Versteinerung von seiner Reise. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Alwin Reithaar mit seinem Feldstecher und Versteinerung von seiner Reise. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Ein flotter junger Mann mit Vollbart, Knickerbockern und festem Schuhwerk lehnt lässig an sein Mofa. Ein paar Seiten weiter: Der junge Abenteurer knattert mit seiner Maschine über eine menschenleere Strasse. Alwin Reithaar blättert in seinem Fotoalbum. Mit glänzenden Augen erzählt der heute 86-Jährige, der seit über 40 Jahren in Baar wohnt, von seiner aussergewöhnlichen Reise.

Bis zu zwölf Stunden täglich auf dem Moped
Genau vor 50 Jahren fuhr Alwin Reithaar mit seinem Moped Quickly der deutschen Marke NSU von Zürich nach Spitzbergen in Norwegen. Sieben Wochen war der damals 36-jährige Reithaar auf dem Sattel unterwegs. Hin- und zurück hat er dabei über 7000 Kilometer zurückgelegt.

Von der Hafenstadt Tromsö fuhr er mit einem Kohledampfer nach Spitzbergen. «Ganz unten im Schiffsbauch bei den Matrosen habe ich in einer Hängematte geschlafen», erinnert sich Reithaar. Täglich sass Reithaar bis zu zwölf Stunden auf seinem Zweirad, das maximal bis zu 60 Stundenkilometern lief. Als Gepäck hatte er unter anderem zwei grosse Lederpacktaschen, einen Gestellrucksack und einen Eispickel dabei.

Reithaar liebt auch noch mit 86 Jahren das Abenteuer
Moped und Fahrer mussten so einiges aushalten: Über die Naturstrasse im finnischen Lappland ging es nur noch zu Fuss. Das Motorrad versank im aufgeweichten Schlamm. Die Motorradfirma NSU berichtete über die Reise zu Werbezwecken: «Nach der Reise schrieb uns der Quickly-Fahrer: Auf der 3844 Kilometer langen Strecke hatte ich keinerlei Störungen an meinem Quickly zu beklagen.» Darüber kann Alwin Reithaar heute nur lächeln.

Neben Erinnerungen, die in Tagebüchern und Fotoalben gespeichert sind, hat Reithaar auch Mineralien mitgenommen. «Ich war neun Tage auf Spitzbergen, bis das nächste Schiff kam. Ich bin gewandert und habe Mineralien sowie Fossilien gesammelt.» Diese lagern in der Vitrine, und auch den Feldstecher von damals hat er noch. Nur das Moped gibt es seit einem Unfall nicht mehr. Noch heute liebt er Abenteuer: Er biwakiert jährlich auf mindestens 2500 Metern über Meer.

Luc Müller

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Zuger Zeitung.