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BAAR: Ermittlungen führen nach Berlin

Noch letztes Wochenende behauptete der Treuhänder, der Teil eines internationalen Anlagebetrugs sein soll, dass eine Firma in Gibraltar das Geld hinterzogen habe. Nun werden aber Konten gepfändet, eins davon in Berlin. Es gehört der Firma des Treuhänders.
Christopher Gilb und Livio Brandenberg
Auf einem Konto der Berliner Volksbank, hier der alte Hauptsitz in Berlin Tiergarten, soll sich ein Teil der Gelder befinden. (Bild: Getty)

Auf einem Konto der Berliner Volksbank, hier der alte Hauptsitz in Berlin Tiergarten, soll sich ein Teil der Gelder befinden. (Bild: Getty)

Christopher Gilb und Livio Brandenberg

redaktion@zugerzeitung.ch

Vor einer Woche berichtete unsere Zeitung über einen Baarer Treuhänder, der gemäss Gerichtsunterlagen aus Deutschland mit seinen dortigen Partnern ein Schneeballsystem betrieben und Anlegergelder in siebenstelliger Höhe veruntreut haben soll. Vor kurzem fanden deshalb bei ihm und seinen Geschäftspartnern Hausdurchsuchungen statt. Auf die Vorwürfe angesprochen, zeigte er sich schockiert (Ausgabe vom 10. Februar). Er sei sich keiner Schuld bewusst. Schuld am fehlenden Geld seien nicht er und seine Partner, sondern eine Treuhandfirma auf Gibraltar, an die seine Firma ein Vermögensverwaltungsmandat vergeben habe. Dann sei der Kontakt abgebrochen und niemand mehr auffindbar gewesen. Er und seine Partner hätten deshalb in Deutschland Anzeige erstattet und die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Deutsche Anwälte widersprechen nun dieser Darstellung. Der Anlegeranwalt Christian Mertsch aus Hamburg vertritt nach eigenen Angaben mehrere Dutzend Geschädigte. Er nennt die Aussagen des Treuhänders unglaubwürdig: «Personen, die 300 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt haben, fliegen doch nicht nach Gibraltar, um an eine Türe zu klopfen und zu fragen, ob ihr Geld dort ist.» Mit dieser Strategie hätten die deutschen Partner des Baarers schon im Dezember versucht, Zeit zu schinden, so Mertsch. «Damals wurden die Anleger von ihnen aufgefordert, sich einer sogenannten Verdachtsanzeige zuhanden der Staatsanwaltschaft Berlin gegen Unbekannt anzuschliessen. Viele Anleger schlossen sich dann in der Hoffnung an, so ihr Geld zurückzuerhalten.»

«Unerlaubte Finanzportfolioverwaltung»

Die Begrifflichkeit «Verdachtsanzeige» gebe es im deutschen Recht so aber gar nicht, sagt Mertsch. «Das war vermutlich nur eine Strategie, um die Anleger hinzuhalten.» Er habe sich dann für eine Mandantin erkundigt, ob es Ermittlungen gebe. «Wir erhielten die Mitteilung, dass sich dieses Strafverfahren nicht mehr gegen Unbekannt, sondern gegen die Initiatoren der ‹Verdachtsanzeige› richte, darunter der Baarer Treuhänder. Aufgenommen wurden die Ermittlungen also nicht, wie der Baarer behauptet hatte, wegen seiner Anzeige, sondern weil Anwälte im Namen von Geschädigten eine Anzeige erstattet hätten.» Es würde ihn nicht wundern, so Mertsch, wenn der dubiose Vermögensverwalter auf Gibraltar gar nicht existiere. «Die Strafverfolgungsbehörden konnten nach eigenen Angaben zwischenzeitlich Vermögenswerte in Höhe von 80 Millionen Euro bei den Beschuldigten sicherstellen. Darauf werden die Geschädigten jetzt Ansprüche erheben», so Mertsch. Ob es den Strafverfolgungsbehörden gelingen werde, weitere Vermögenswerte sicherzustellen, werde sich zeigen.

Gemäss übereinstimmenden deutschen Medienberichten verwalteten die Beschuldigten im Auftrag von 2000 bis 3000 Anlegern ein Vermögen von insgesamt rund 300 Millionen Euro. Zur Rolle des Baarer Treuhänders im mutmasslichen Konstrukt sagt Anwalt Mertsch: «Dass er die Transaktionen kannte, wird man wohl vermuten können, die Geschädigten schlossen mit seiner Firma in Baar schliesslich ‹Vermögensverwaltungsverträge› ab. Die Baarer Firma ist demnach keineswegs eine ‹reine Abrechnungsstelle›, wie er es im Artikel vom letzten Samstag darstellt.»

Darauf deutet auch ein Arrestbefehl des Landgerichts Krefeld in Nordrhein-Westfalen hin, der unserer Zeitung vorliegt. Erwirkt hat ihn der deutsche Fachanwalt für Bank- und Kapitalrecht Martin Wolters aus Düsseldorf für einen Geschädigten des vermeintlichen Betrugs. Sein Mandant habe trotz anders lautender Zusicherung vergeblich auf die Rückzahlung seines Kapitals gewartet. Dieses hatte er Ende 2014 auf ein Treuhandkonto der Baarer Firma bei der Berliner Volksbank überwiesen, nachdem er eine Beitrittserklärung zum Vermögensverwaltungsmandat der Baarer Firma unterzeichnet hatte. Sein Kapital habe sich gemäss einer Abrechnung von Ende 2016, die ihm zugeschickt wurde, dann von 117580 auf 136252.83 Euro erhöht. Das Konto wird nun für diesen Betrag zuzüglich einer Kosten- und Zinspauschale gepfändet. Das Gericht gibt als Begründung an, dass die Baarer Firma eine gemäss deutschem Recht «unerlaubte Finanzportfolioverwaltung» betrieben habe und die Ansprüche des Antragstellers zudem glaubhaft belegt seien. «Ich bin nun verpflichtet, den Beschluss dem Baarer Treuhänder als einzigem Verwaltungsrat der Firma in den nächsten Tage persönlich zu übergeben», so Wolters.

Vermutlich keine Schweizer Geschädigte

Doch wer sind überhaupt die mutmasslichen Opfer des Betrugs? «Da die Mindestanlagesumme 50000 Euro betrug, sind es eher wohlhabendere Personen. Es sind aber auch solche darunter, die ihre ganzen Ersparnisse oder ihr Erbe investiert haben», antwortet darauf Anwalt Mertsch. Versprochen worden seien ihnen hohe Renditen von bis zu 30 Prozent. «Regelmässig wurden sie dann auch über vermeintliche Gewinne zu ihren Gunsten schriftlich informiert, so wurde suggeriert, dass das Vermögen stetig anwachse. Und auch wenn jemand mal eine grössere Summe ausbezahlt haben wollte, erfolgten die Zahlungen.» Trotz derartiger Auszahlungen sollten Anleger bei Systemen dieser Art und bei Renditeversprechen in genannter Höhe prinzipiell genauer hinsehen, sagt der erfahrene Zuger Vermögensverwalter Timo Dainese von Zugerberg Finanz (siehe Box).

Den Grund, warum das System nun aufflog, vermutet Anwalt Mertsch darin, dass eingebundenen Finanzunternehmen Unstimmigkeiten aufgefallen seien, diese weitere Auskünfte forderten und Erkundigungen einholten.» Schweizer Klienten vertritt er in diesem Fall bisher nicht. Auch Anzeigen allfällig betroffener Schweizer Anleger gingen laut Staatsanwaltschaft Zug keine ein. Und auch Fachanwalt Wolters vertritt bisher keine Schweizer: «Wie mir von Vermittlern der Anlageprodukte gesagt wurde, seien sie instruiert worden, keine Schweizer Kunden zu akquirieren. «Ich nehme an, die wussten genau, dass Schweizer Anleger das System eher durchschaut hätten.» Auf deutsche Kunden hingegen hat die Erwähnung des Finanzplatzes Schweiz eine magische Wirkung. Vermutlich befürchteten sie auch, dass die Finma ihnen genauer auf die Finger schaut, sobald sie Schweizer ansprechen.»

Mit den Zweifeln an seiner Glaubwürdigkeit konfrontiert, teilt der Baarer Treuhänder mit, dass er, weil es sich um ein laufendes Verfahren handle, keine Fragen beantworten könne. «Soll ich mich jetzt genau dorthin bewegen, wohin es sich seit Wochen gewisse Personen wünschen?», fragt er. Denn dies würde eine Verletzung des Berufsgeheimnisses darstellen und er würde damit zu noch mehr Spekulationen anregen. «Es finden schon Vorverurteilungen statt, da ist natürlich ein Schweizer Treuhänder aus Zug der perfekte Mann dafür. Und dass man im Nachhinein etwas anders oder besser machen müsste, könnte oder sollte, sei immer so.

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