Baar erwirtschaftet einen Überschuss von 21,2 Millionen Franken

Die Jahresrechnung 2019 liegt damit deutlich über den Erwartungen. Zu verdanken ist das auch einem Einmaleffekt.

Carmen Rogenmoser
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In Baar stehen grosse Investitionen an. Das finanzielle Polster kann gut gebraucht werden.

In Baar stehen grosse Investitionen an. Das finanzielle Polster kann gut gebraucht werden.

Bild: Maria Schmid (14. April 2020)

Bereits Ende letzten Jahres hat Finanzchef Pirmin Andermatt prognostiziert, dass der Abschluss 2019 einen deutlich höheren Ertragsüberschuss ausweisen wird als budgetiert. Er sollte recht behalten: Statt 4,8 Millionen Franken erwirtschaftete die Gemeinde im letzten Jahr ein Plus von 21,2 Millionen Franken – dies bei einem Aufwand von 142,8 und einem Ertrag von 164,1 Millionen Franken. Die Fiskalerträge seien gegenüber dem Budget dank des anhaltenden Bevölkerungswachstums und der ansprechenden Wirtschaftsentwicklung um 13,4 Millionen Franken angestiegen, wie der Medienmitteilung der Gemeinde zu entnehmen ist.

122,4 Millionen Franken an Steuern hat die Gemeinde 2019 eingenommen, dies bei einem Steuerfuss von 53 Prozent. Die natürlichen Personen haben Mehrerträge von 3,8, die juristischen Personen von 3 Millionen Franken beigesteuert. Zudem konnte bei den Steuererträgen juristischer Personen ein hoher Einmaleffekt verbucht werden. Dieser lag bei rund 10 Millionen Franken, wie der Baarer Finanzvorsteher Pirmin Andermatt sagt. «Das macht etwa 20 Prozent der Steuererträge der juristischen Personen aus», ergänzt er.

Überschuss als Reserve und für Abschreibungen

«Für die Einwohnergemeinde Baar sind hohe Steuereinnahmen sehr wichtig», erklärt der CVP-Gemeinderat. Damit seien nicht nur laufende Ausgaben zu decken, sondern auch anstehende Investitionen in Infrastrukturbauten, die möglichst zu einem hohen Anteil selbst finanziert werden sollen. «Nicht zuletzt können damit Reserven für schlechtere Zeiten gemacht werden.» Das komme auch den Steuerzahlern zugute. Mit dem hohen Überschuss ist nun genau das geplant. Der Gemeinderat werde an der nächsten Gemeindeversammlung beantragen, dass rund 10 Millionen Franken davon für zusätzliche Abschreibungen des Verwaltungsvermögens, rund 11 Millionen Franken als Einlagen in die Freien Reserven und 200000 Franken als zusätzliche Unterstützung von Hilfsprojekten im In- und Ausland verwendet werden. Eine Punktlandung gelang beim Aufwand. Dieser wurde um 0,8 Prozent unterschritten.

Der vom Gemeinderat beeinflussbare Sachaufwand betrug 18,7 Millionen Franken, der Personalaufwand ist gegenüber dem Vorjahr um 1 Prozent auf 60,3 Millionen Franken gestiegen. «Im aktuellen Jahr wird das Personalwachstum aufgrund zusätzlicher sowie komplexer werdender Dienstleistungen weiter ansteigen», kündigt Andermatt an. 10,4 Millionen Franken zahlte die Gemeinde in den Kantonalen Finanzausgleich. Investiert wurden im vergangenen Jahr 8,4 Millionen Franken, 3,2 Millionen Franken davon in Tiefbau- und 4,7 Millionen Franken in Hochbauarbeiten. «Dank des unerwartet hohen Ertragsüberschusses beträgt der Selbstfinanzierungsgrad erneut über 100 Prozent», sagt der Finanzchef.

Die Gemeinde blickt nun grösseren Investitionen entgegen. So sollen in den nächsten zehn Jahren über 200 Millionen Franken in Infrastrukturbauten und Unterhaltsarbeiten investiert werden. Dazu gehören der Neubau der Schule Wiesental, der Ersatzbau der Schule Sternmatt 1, die Dreifachturnhalle Sternmatt II, der Neubau von Kleinbauten und der bauliche Unterhalt von Strassen und Anlagen. «Der Neubau des Altersheims Bahnmatt ist dabei noch nicht berücksichtigt», sagt Andermatt und ergänzt: «Dank der starken Eigenkapitalquote sind wir aber gut für die grosse finanzielle Herausforderung gerüstet.» Ohne Aufnahme von Fremdkapital werde es aber nicht gehen. Dazu trägt auch bei, dass der Gemeinderat nicht von einem Anhalten des Wachstums ausgeht. «Aufgrund der aktuellen weltweiten Coronasituation gehen wir verständlicherweise von eher niedrigeren Steuererträgen für 2020 und darüber hinaus aus.» Von Bedeutung dabei sei, dass die Gemeinde Baar mit 50 Prozent den höchsten Anteil an Steuererträgen von juristischen Personen ausweise. «Dieser Umstand könnte sich vorübergehend belastender für uns auswirken.»

Unterstützung bei wirtschaftlichen Notsituationen infolge Corona

Der Gemeinderat habe bislang viel unternommen, um die wirtschaftliche Not möglichst zu lindern beziehungsweise nicht aufkommen zu lassen, heisst es in einer Mitteilung des Baarer Rates. So werden Kreditorenrechnungen sofort bezahlt und keine Gebühren für die Annullation von Anlässen erhoben. Die Mietzinsen von Gewerbetreibenden in gemeindeeigenen Liegenschaften wurden sistiert und bereits bezahlte Gebühren oder Tickets für annullierte Anlässe werden unbürokratisch zurück erstattet.

Auch für die Mitarbeitenden ist gesorgt. Die Einwohnergemeinde ist bemüht, Angestellte, die nicht ihrer normalen Arbeit nachgehen können, aktuell anderweitig zu beschäftigen. Für die Angestellten im Stundenlohn wird auf den erwirtschafteten Lohn der vergangenen sechs Monaten abgestützt und dieser wird bezahlt, auch wenn die Person aktuell nicht arbeiten kann.

Investitionen sollen nicht hinausgeschoben werden

Weiter setzt der Gemeinderat alles daran, Baarer Härtefälle, die infolge Corona in eine wirtschaftliche Notsituation geraten sind und die weder durch die Hilfsmassnahmen von Bund noch von Kanton Unterstützung erhalten haben, zu vermeiden. Insbesondere Selbständigerwerbende, Kleinbetriebe und die Bereiche Sport und Kultur sollen je nach Situation gestützt werden.

Für den Gemeinderat gehen die Überlegungen ebenso dahin, wie die Bevölkerung wieder motiviert werden kann, Anschaffungen, Investitionen, Grosseinkäufe und so weiter heute auszulösen und nicht hinauszuschieben.