Baar
Fensterreihen aus Leinwänden – die Zuger Künstlerin Ana Azpeitia geht neue Wege

In der Z-Galerie zeigt die 49-Jährige während der Pandemie entstandene Bilder sowie eine tiefsinnige Installation.

Monika Wegmann
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Ana Azpeitia hat erstmals mehrteilige Werke geschaffen.

Ana Azpeitia hat erstmals mehrteilige Werke geschaffen.

Bild: Maria Schmid (Baar, 29. Mai 2021)

Wie langsam und ereignislos die Zeit verrinnen kann, das haben viele von uns bei den Einschränkungen der Covid-19-Pandemie erlebt. Doch manche wurden inspiriert, so auch die Zuger Künstlerin Ana Azpeitia, die sagt: «Ich musste oft an meine Freunde in Spanien denken, die wegen Corona zwei Monate in der Wohnung eingeschlossen waren.» Dabei sei ihr bewusst geworden, dass der Blick aus dem Fenster die Sicht auf die Aussenwelt und die Landschaft ermöglicht. So sei sie auf das Thema Fenster der aktuellen Serie gekommen, die derzeit unter dem Motto «Der routinierte Blick» in der Z-Galerie von Maria Ziegler zu sehen ist. Die Vernissage fand am letzten Samstag statt.

Ein Rundgang zeigt, wie vielfältig Ana Azpeitia das Thema interpretiert – mit Malerei und einer Installation. Die Monotonie des Alltags und die Dehnung der Zeit lösten in ihr widersprüchliche Gefühle aus. Darauf verweist bereits neben dem Eingang das erste Bild «Verzerrter Blick in Stufen». Das Triptychon öffnet den Blick aus dem Fenster auf die Veränderungen in der Landschaft – mit horizontal verzerrten Proportionen. Da sie gerne farbliche Abstufungen in ihre Acrylmalerei integriert, gehen hier die warmen Farbtöne sukzessive in hellere über.

Die Freude am Experimentieren

Erstmals erarbeitete Azpeitia, die Bildende Kunst in Madrid studierte und seit 2009 in Zug lebt, mehrteilige Werke. Sie sagt mit Verweis auf ihre vielfältigen Aufgaben als Familienfrau, Lehrerin und Künstlerin:

«Jedes Bild ist eine neue Erfahrung. Mit diesen Serien kann ich spielen und so verschiedene Kompositionen verbinden. Ich brauche zudem für das einzelne Stück nicht so viel Zeit, und da ich auf dem Boden male, ist es für mich einfacher, in kleinen Dimensionen zu arbeiten.»

Immer wieder reizt es sie, neue Techniken zu wagen. Das Bild «Without title» ist so ein Werk, das unter den durchsichtigen Schichten geometrische und organische Formen erkennen lässt. Damit erzeugt sie eine spezielle Atmosphäre, ebenso bei den «Geblendeten Fenstern».

Das Motiv der dürren Äste in architektonischen Formen findet sich wiederum in einzelnen Werken, oft als verbindendes Element. Für diese Serie hat die Künstlerin eher pastellige Farben gewählt. Das Werk «Diagonale Verzerrung» erinnert mit den kräftigen Farben an frühere Arbeiten. «Ich spiele hier mit Farben und Formen. Nach der Grundierung zog ich zuerst die schrägen Linien, bevor ich Schicht für Schicht auftragen konnte. Von den verschiedenen Stufen habe ich Fotos gemacht und mir überlegt, wie sich das Bild weiterentwickeln soll. Das braucht Zeit, so entstand das Bild in Etappen.»

Symbol für die «gefangene» Welt

Eine Überraschung wartet im Untergeschoss mit einer Installation, die den ganzen Innenraum nützt. Dünne, weisse Elastikschnüre verbinden die sechs kleinen Fenster und die Tür mit der Mitte des Raumes, der einen symbolischen Fensterrahmen konfiguriert. Die Künstlerin erklärt den Entstehungsprozess folgendermassen:

«Ich habe den dunklen Ort gesehen und wollte mit den geschlossenen Fenstern etwas machen. Nur ein Fenster ist mit dem Aussenraum verbunden, es ist fast unerreichbar hoch. So ist hier die ganze Welt gefangen.»

Mit der Installation erinnert sie an Platons Höhlengleichnis und will damit an die ursprüngliche Funktion der Fenster erinnern. Das verbindende Gummiband werde auch für die Papiermasken eingesetzt und habe so eine starke Aussagekraft in Bezug auf Einschränkung und Schutz. «Die Linien der Bänder könnten die täglichen Routinen darstellen, die sich wiederholenden Wege, sie könnten auch als Lichtweg wahrgenommen werden.» Bewusst beleuchtet nur eine Lampe das tiefsinnige Werk, dessen Schattenspiel auf der weissen Wand unsere Wahrnehmung vertieft.

Die Ausstellung der Werke von Ana Azpeitia ist bis zum 26. Juni zu sehen. Die Z-Galerie, Dorfstrasse 6a, Baar, ist folgendermassen geöffnet: Mi–Fr 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr.