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BAAR: «Für Syrien sehe ich keine Zukunft»

Pascal Weber, SRF-Korrespondent im Nahen Osten, hat vor rund 200 Zuhörern im Pfarreiheim einen Vortrag unter dem Titel «Wenn Staaten zerfallen und Menschen fliehen» gehalten.
Vanessa Varisco
Pascal Weber zeigt erschütternde Bilder aus Kriegsgebieten. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 22. März 2017)

Pascal Weber zeigt erschütternde Bilder aus Kriegsgebieten. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 22. März 2017)

Vanessa Varisco

redaktion@zugerzeitung.ch

Zerbombte Häuser, ganze Städte in Schutt und Asche. Was in der Schweiz nur schwer vorstellbar ist, gehört in Syrien zum Alltag, wie Pascal Weber mit einigen Fotos aus Aleppo eindrücklich zeigt. Seit 2010 ist er als SRF-Korrespondent im Nahen Osten tätig. Kürzlich berichtete in einem Vortrag im Pfarreiheim Baar über die «schmerzhafte Neuordnung» der arabischen Welt.

«Das Zerfallen von Staaten und die tatsächliche Revolution 2011 haben eine tiefgreifende Identitätskrise zur Folge, woraus ein Vakuum und Chaos resultieren», erklärt Pascal Weber und führt aus: «Dieses Vakuum ist Nährboden für den IS und andere terroristische Gruppen.» Die humanitäre Lage sei eine Katastrophe, die Hälfte der syrischen Bevölkerung lebe nicht mehr in ihren Häusern.

Die Katastrophe betrifft auch uns

Die lebhaften Schilderungen von Weber, untermauert durch sein fundiertes Wissen einerseits und seine Erfahrungen durch Gespräche mit der Bevölkerung vor Ort andererseits, ziehen den rappelvollen Saal in ihren Bann. Stuhl an Stuhl sitzen die Besucher und lauschen den Erzählungen des Korrespondenten. Die zahlreichen Fragen der Besucher zu den Einflüssen westlicher Länder oder regionaler Terrorgruppen auf den Krieg in Syrien sowie die Folgen für Nachbarländer zeigen das rege Interesse. «Das Pulverfass Nahost betrifft uns und dringt in unsere Welt ein», sagt Weber, «ich versuche, zu verstehen, was dort geschieht, doch ich verstehe es bis heute nicht.»

Organisiert wurde der Informationsabend im Rahmen des Pfarreiprojekts, das sich für Schulen für syrische Flüchtlinge und libanesische Kinder im Libanon engagiert. Der Krieg in Syrien und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme stellen die Nachbarländer wie den Libanon vor eine Herausforderung. «Daher wollten wir jemanden einladen, der sich in dieser Region auskennt und weiss, wo die Brennpunkte liegen», berichtet Franz Lustenberger, Mitglied Arbeitsgruppe Schulprojekt Libanon der Pfarrei St. Martin Baar. Bei der Bildung will das Pfarreiprojekt ansetzen und ein sicheres und unterstützendes Lernumfeld schaffen. «Unterstützung vor Ort halte ich für sehr wichtig, denn die Menschen kehren grundsätzlich sehr schnell zurück in ihre Heimat, sobald die Möglichkeit besteht», meint auch Weber.

Für Weber ist es eine Verarbeitung

Bei seiner Arbeit als Korrespondent reist Pascal Weber herum und spricht mit möglichst vielen Menschen. «Meistens sind wir sehr willkommen, und die Menschen wollen ihre Geschichten erzählen, die oft auch unter die Haut gehen», so Weber.

So berichtet er beispielsweise in seinem neuen Buch «Ba­shar lernt laufen» von einem Jungen, der nach einem Anschlag neben seinem toten Vater und seinem Bein liegt. «Dank Menschen, die mir wie heute Abend zuhören, wenn ich etwas erzähle, kann ich mit solchen Geschichten und Bildern umgehen», verrät Weber. Das Publikum ist gefesselt von seinen Ausführungen – auch am Ende des Vortrages gibt es jede Menge Fragen. Souverän und aufrichtig beantwortet Weber diese nach bestem Wissen und Gewissen und fasst die Lage folgendermassen zusammen: «Für Syrien sehe ich grundsätzlich keine Zukunft. Solche Länder brauchen föderale Strukturen, eine hohe Autonomie, und es muss getrennt werden, was nicht zusammengehört. So kann auch der Terrorismus bekämpft werden.»

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