BAAR: Fulminanter Start zur Jubiläumsfasnacht

Mit der Inthronisation von Pirmin I. Andermatt ist die diesjährige Räbefasnacht im Gemeindesaal eröffnet worden. Diese steht im Zeichen des 70-jährigen Bestehens der Fasnachtsgesellschaft sowie des Brauchtums- und Maskentreffens.

Charly Keiser
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Der Baarer Gemeinderat huldigt Kollege Pirmin I. Andermatt bei seiner Inthronisation zum Räbevater mit einer fiktiven Gemeinderatssitzung. (Bild: Charly Keiser (Baar, 14. Januar 2017))

Der Baarer Gemeinderat huldigt Kollege Pirmin I. Andermatt bei seiner Inthronisation zum Räbevater mit einer fiktiven Gemeinderatssitzung. (Bild: Charly Keiser (Baar, 14. Januar 2017))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Der Tradition entsprechend beginnt die Baarer Inthronisation mit dem Ende der Regentschaft des aktuellen Räbevaters, der dann in die Gilde der alt Räbe­väter aufgenommen wird.

«Es war mit Marcel II. de Sepibus wie jedes Jahr die beste Fasnacht ever», lobte Zeremonienmeister Roman Heinrich am Samstag die letzte Fasnacht und den Räbevater, bevor dieser eine grandiose Schlussrede hielt. Ein Papst werde entlassen, jammerte Marcel II. Er tue sich äusserst schwer damit, denn er sei noch nie entlassen worden. «Ich komme mir vor wie das grosse Amerika: Ich trampe in eine ungewisse Zukunft.» Im Off ertönte die Stimme des Räbechüngs, mit dem Marcel II. offenbar regen Kontakt pflegte. «Ich nutzte ihn als Inspirationsquelle», sagte de Sepibus und erklärte den grossen Bruch mit dem Baarer Fasnachtsmonarchen. «Seit ich ihn am 9. September verbrannt habe, herrscht Funkstille», verriet de Sepibus. «Du hast mich abgefackelt, das war der Todeskuss von Marcellus de Sepibus», tönte es aus dem Off.

Und tatsächlich brauchte es gar eine Schere, bis Zeremonienmeister Roman Heinrich die güldene Brustkette behändigen konnte, die hartnäckig an der Brust des zu exthronisierenden Marcel II. baumelte.

Kaum war de Sepibus im Ruhestand, wurde der Neue auf den Thron gesetzt. Pirmin I. «elect» Andermatt habe im Baarer Sonnenrain eine Villa oder besser ein Anwesen wie aus einem James-Bond-Film, sagte Urs Odermatt, Vizepräsident der Fasnachtsgesellschaft, bei der Vorstellung des neuen Räbevaters. «Dieses wird nur noch von Berty Zeiters Villa getoppt», ergänzte er. Und er fragte rhetorisch: «Woher hat er nur das Geld für diese Villa?»

«Höchster irdischer Vertreter»

Er habe das Amt angenommen, weil er der höchste irdische Vertreter über dem Gemeindepräsidenten sei, erklärte Gemeinderat Andermatt, weil nach 42 Jahren erstmals wieder ein Andermatt Räbevater sei und weil Vizepräsident Paul Langenegger es nicht habe annehmen können. Bekanntlich wohnt Langenegger in Inwil und gehört zur dortigen Fröschenzunft. Mit dem Motto «0070 – Lizänz zum zäme Fiirä», zielte Andermatt auf das Jubiläum der Fasnachtsgesellschaft und zählte die Gemeinsamkeiten von James Bond und der Baarer Fasnacht auf.

Für den Höhepunkt der anschliessenden Huldigungen sorgte Baars Gemeinderat. In der Sitzung auf der Bühne gings um eine Dikasterienrochade. «Ich will bauen und muss noch Leserbriefe beantworten», wehrte sich Berty Zeiter gegen den Job des Bauchefs. «Droben auf dem Thron, da sitzt der Pirmin schon», sangen der Schreiber und die Gemeinderatskollegen von Pirmin I. beim Refrain mit roten Zipfelmützen auf dem Kopf. Wo anders als in Baar wäre so was denkbar?