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BAAR: Ganz ohne Motorengeräusch auf die Überholspur

Vor kurzem wurde der erste Laden für Elektroroller im Kanton Zug eröffnet. Der Geschäftsführer hat visionäre Vorstellungen.
Er denkt in die Zukunft: Hannes Wettach inmitten seiner Retro- Elektroroller. (Bild Maria Schmid)

Er denkt in die Zukunft: Hannes Wettach inmitten seiner Retro- Elektroroller. (Bild Maria Schmid)

Carmen Desax

Hannes Wettach hat eine Vision: «Ich stelle mir vor, dass ich im Strassencafé sitze, einen Kaffee geniesse und keinerlei Motorenlärm höre.» Für ihn ist diese Vorstellung durchaus realistisch, «wenn auch erst in zehn oder dann halt in 50 Jahren», wie er doch zugeben muss. Um dem Ziel näherzukommen, hat er die Zügel, oder in diesem Fall eben den Lenker, selber in die Hand genommen und den ersten Laden für Elektroroller, stromroller.ch, im Kanton Zug eröffnet.

Seit dem 18. April kann man an der Langgasse in Baar nun elektrische Probefahrten machen. «Ich stehe am Anfang und hoffe, dass das Angebot wachsen kann.» Deshalb habe er sich in den bestehenden Bike-Laden «Bike Total» eingemietet. Wettach ist momentan an vereinbarten Terminen, sowie am Abend und an den Wochenenden persönlich im Laden anwesend. Ansonsten geht er seinem Beruf als Verkäufer von Industrieanlagen weiter nach.

Mit Vorurteilen aufräumen

Der Baarer erklärt, dass sich Elektro-Bikes in den letzten Jahren stark entwickelt hätten, genauso wie Innovationen für Elektroautos riesig seien. «Der Elektroroller ist nun so etwas wie der ‹Missing Link› dazwischen.» In China zum Beispiel gebe es schon Städte, wo Benzinroller verboten seien. «Das bedeutet doch, dass es funktionieren muss.» Dabei gehe es nicht nur um die Abgase, sondern in erster Linie um die Lärmemissionen, führt Wettach aus. Künftig soll nun also auch der Verkehr in Zug viel ruhiger werden. «Ohne Motorengeräusche zu fahren, daran muss und kann man sich gewöhnen», sagt der Baarer.

Aussehen tun sie ja schon mal gut, die Roller im hellgrünen oder braunen Sixties-Look. Im Ladenlokal sind aber auch ganz normale, sportliche Modelle zu finden. Doch das Aussehen ist bloss das eine, die Funktion das andere. Wettach ist schon lange davon überzeugt, dass sich die Elektromobilität durchsetzen wird. «Nun ist die Technik so weit», sagt er. Die Roller hätten mit ihren zwei Akkus eine Reichweite von 100 Kilometern. «Für Rollerferien reicht das zwar noch nicht, aber auf jeden Fall für den täglichen Gebrauch.» Natürlich gebe es immer noch viele Mythen und Geschichten bezüglich Elektromotoren: Die Akkus seien brandgefährlich, die Reichweite sei sehr kurz – oder die Akkus bräuchten zum Aufladen schlussendlich doch mehr Energie als der Benzinroller. «Diese Vorurteile sind nicht mehr haltbar. Für 100 Kilometer braucht es um die fünf Kilowattstunden. Werden die Akkus über Nacht geladen, macht das weniger als einen Franken pro Ladung», rechnet Wettach vor.

Das Interesse ist gross

Doch das sei nur ein Vorteil, führt er weiter aus. Auch der Aufbau der Elektroroller sei viel simpler und weniger wartungsintensiv. Ein Gefährt besteht bloss aus einem Motor, dem Akku und einem kleinen Controller. «Es gibt weder Öl noch Zündkerzen und auch kein Getriebe.»

Das Interesse ist gross, aber vor allem an der Technik. «Die Leute wollen alles wissen, glauben dann aber doch nicht daran, dass es funktionieren kann», bis sie sich dann selber auf einen Roller setzen würden, sagt Wettach.

Tatsächlich, startet man einen Elektroroller, bleibt alles ruhig, einzig die Anzeige vorne auf dem Lenker leuchtet auf. Erst beim Gas geben, wenn der Roller sich in Bewegung setzt, merkt man, dass der Motor tatsächlich läuft. Die Fahrt ist ruhig und leise und fühlt sich sicher an.

Benzinmotor aus Auslaufmodell

Wettach ist überzeugt: «Ich glaube nicht mehr an den Benzinmotor. Es war eine gute Erfindung, aber seine Zeit ist abgelaufen.» Doch wie passt denn der Retro-Sixties-Look zur neuen Technologie? «Das ist wohl die Masche des Herstellers», lacht der Baarer, «aber diese funktioniert tatsächlich.» Die Retro-Roller machen fast die Hälfte des Umsatzes aus. Nun habe er auch passende Helme, Brillen und Handschuhe im Angebot, fügt er an und muss zugeben: «Allerdings war das die Idee meiner Freundin.» Hannes Wettach träumt dann doch lieber vom geräuschlosen Verkehr als von italienischen Lederhandschuhen.

Hinweis

Informationen zu den E-Rollern, der Technik und dem Laden unter www.stromroller.ch

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