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BAAR: Gegenwind kurz vor dem Ziel

Das neue Pflegezentrum wird morgen an die Trägerstiftung übergeben. Deren Präsident Paul Langenegger ist stolz, steht aber in der Kritik.
Raphael Biermayr
Im lichtdurchfluteten Eingangs- bereich sorgt ein 12 Meter hoher Ficus-Baum für Aufsehen. (Bild Maria Schmid)

Im lichtdurchfluteten Eingangs- bereich sorgt ein 12 Meter hoher Ficus-Baum für Aufsehen. (Bild Maria Schmid)

Das Pflegezentrum II in Baar ist fast fertig. Letzte Arbeiten werden unternommen. Der Bau steht neben dem Kantonsspital Baar. (Bild: Maria Schmid (Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
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Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
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Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
Pflegezentrum Baar (Bild: Maria Schmid(Neue ZZ))
17 Bilder

Einblicke ins neue Pflegezentrum Baar

Raphael Biermayr

Es riecht nach neu im Pflegezentrum II beim Kantonsspital. Ein Rundgang darin verdeutlicht: Der 49 Millionen Franken teure Bau ist kurz vor der Fertigstellung. Das ist angesichts der Vorgeschichte beinahe wundersam (siehe Box). Morgen wird das Pflegezentrum II an den Stiftungsrat übergeben. Wie bei einer Wohnungsübergabe schreite man dabei Raum für Raum ab, erklärt Paul Langenegger, der als Stiftungsratspräsident und Bauchef der Gemeinde Baar doppelt erfreut ist.

Seinen Stolz trägt der 64-Jährige vor sich her: auf das neue Gebäude und «auf die Pflegeangestellten, die ihre nicht immer leichte Arbeit toll meistern». Die besichtigten Räume sind leer, ein mächtiger Baum im Eingangsbereich bringt etwas Leben in die vermeintliche Ödnis. Dabei wohnen «seit Mitte Juni», wie Langenegger sagt, bereits Menschen im Pflegezentrum II: Mitarbeiter des Spitals sowie des Pflegezentrums I bezogen als Mieter einige Zimmer im obersten vierten Stock. Der Einzug geschah unbemerkt von der Öffentlichkeit, ehe der SVP-Kantonsrat Beni Riedi das kürzlich in einem Leserbrief in unserer Zeitung kundtat.

Langenegger nimmt Schuld auf sich

Riedi moniert darin, dass die Trägerstiftung das Gesuch für die Umnutzung der Räumlichkeiten zu spät beantragt hat, und fragt, ob für den Gemeinderat andere Gesetze gelten würden als für «normale» Bürger. Neben Paul Langenegger (CVP) haben nämlich auch der Gemeindepräsident Andreas Hotz (FDP) sowie die Sozialvorsteherin Berty Zeiter (Alternative-die Grünen) Einsitz im Stiftungsrat. Dessen Präsident Langenegger sagt, er habe die Bewilligung «zunächst einfach vergessen und deshalb zu spät beantragt». Wie kann das einem Mann passieren, der im 22. Jahr als Gemeinderat amtet? «Ich dachte einfach nicht daran. Es steckte sicherlich keine böse Absicht dahinter.» Er nimmt die Schuld auf sich und sagt offen: «Ich werde allfällige Konsequenzen tragen.» Wie diese aussehen könnten, kann er nicht sagen. Wie würde er als Bauchef handeln, wenn ein «normaler» Bürger eine Bewilligung vergisst oder erst nachträglich beantragt? «Das Gespräch suchen und ihn rügen, wenn er sich seiner Schuld bewusst ist.» Er befürchte «im Moment» keine rechtlichen Schritte gegen die Stiftung.

Dieses unangenehme Thema ist weit weg, als Langenegger auf dem Rundgang im Pflegezentrum II die beruhigende Wirkung der blau oder rot gefärbten Böden zitiert oder auf die «grosszügigen» Nasszellen hinweist. Am Ende des Monats sollen die ersten Betagten im neuen Zentrum einziehen. Die 40 Zimmer in der ersten und der zweiten Etage werden belegt sein. Die weiteren Stockwerke würden dem Bedürfnis entsprechend gefüllt.

Im Erdgeschoss ziehen Kinder ein

Die Gemeinden Zug und Baar, in denen die Bevölkerung 2012 über das neue Pflegezentrum abgestimmt hatte, hätten nach Ablauf der dreimonatigen Kündigungsfrist Zugriff auf die Zimmer im vierten Stock. Im Erdgeschoss wird eine Kindertagesstätte (Kita) einziehen. Ursprünglich waren hier die Büros des Kantonsspitals geplant gewesen, jenes verfolgt nun andere Pläne. Langenegger freut sich auf den «faszinierenden Mix aus Kindern und Betagten». Die Mehrkosten im Zusammenhang mit den Umbauten für die Kita trügen deren Betreiberin sowie die Stiftung Pflegezentrum. Auch die vielen Verzögerungen beim Bau haben Mehrkosten verursacht. «Wir suchen mit dem Generalunternehmer eine Lösung, hoffentlich nicht vor Gericht», sagt Langenegger.

Möglich also, dass das letzte Kapitel der Geduldsgeschichte noch nicht geschrieben ist (siehe Box). Dass am Ende des Monats die ersten Pflegebedürftigen einziehen, «ist aber definitiv», sagt Langenegger. Er klingt überzeugt.

Ein Weg voller Pleiten, Pech und Pannen

Das alte und das neue Pflegezentrum in Baar sind in den vergangenen Jahren immer wieder negativ in den Schlagzeilen gewesen – eine Auflistung.

  • Am 11. März 2012 sind fast 90 Prozent der Stadtzuger und der Baarer Stimmenden für den Erwerb von Pflegebetten und damit den Bau des neuen vierstöckigen Pflegezentrums. Sie sprechen damit 19,3 Millionen Franken für 44 Zimmer respektive 15,9 Millionen Franken für 36 Zimmer. Die Stiftung Pflegezentrum beteiligt sich mit 13,8 Millionen Franken am Bau. Der Grund ist ein gemäss dem Kanton deutlich steigender Bedarf an Pflegebetten.
  • Im Januar 2013 wird bekannt, dass die Steiner AG aus Zürich am Verwaltungsgericht gegen die Vergabe des Generalunternehmerauftrags an die P-4 AG aus Zug klagt. Der Spatenstich für das Pflegezentrum II wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Im Mai gibt das Gericht den Beschwerdeführern Recht, das Projekt muss neu ausgeschrieben werden. Es geht in der zweiten Vergabe an die Steiner AG.
  • Im Oktober 2013 informiert die Stiftung Pflegezentrum, dass erneut ein Gang vor Gericht ansteht. Die P-4 AG hat gegen die neuerliche Vergabe eine Beschwerde eingereicht. «Wir hoffen nun, Anfang 2014 mit Bauen beginnen zu können», sagt der Stiftungsratspräsident Paul Langenegger. Anfang 2016 soll das neue Gebäude bezogen werden. Die Pflegebettensituation hat sich im Vergleich zu 2011 jedoch entspannt.
  • Im November 2013 zieht die Zuger Firma ihre Klage zurück. Das Verwaltungsgericht hat der Beschwerde ohnehin die aufschiebende Wirkung abgesprochen. Am Baustart Anfang 2014 wird festgehalten.
  • Im Februar 2014 dringt Unmut aus dem bestehenden Pflegezentrum I an die Öffentlichkeit. Angestellte üben Kritik am Führungsstil von Geschäftsleiterin Stephanie Schär und verweisen auf Missstände in der Pflege. Schärs ehemaliger Arbeitgeber befeuert diese Vorwürfe.
  • Im Mai 2014, mit mehr als einem Jahr Verzögerung, beginnen die Bauarbeiten für das Pflegezentrum II. Langenegger lässt sich wie folgt zitieren: «Um dem erhöhten Bedarf an Pflegebetten im Kanton Zug gerecht zu werden, ist der Neubau von grosser Wichtigkeit.» Eine wenig später erscheinende Studie, auf die sich der Kanton stützt, zeigt jedoch einen geringen Bedarf.
  • Im Juli 2014 wird der Gemeinderat Baar angezeigt wegen Amtsgeheimnisverletzung, Amtsmissbrauchs und Verletzung des Datenschutzes. Der Grund: Der Gemeindepräsident Andreas Hotz hat in der Beantwortung einer Interpellation der SP Teile eines Strafbefehls publiziert. Jener ist gegen den ehemaligen Vorgesetzten von Stephanie Schär wegen übler Nachrede ausgestellt worden. Im Herbst teilt die Staatsanwaltschaft mit, dass sie nicht auf die Klage eintritt: Der Gemeinderat hat korrekt gehandelt.
  • Im Oktober 2014 räumt Stephanie Schär ein, dass in einigen Bereichen im Pflegezentrum I Verbesserungspotenzial bestehe. Das ist aus einer Befragung von Heimbewohnern und deren Angehörigen hervorgegangen. Diese weist in gewissen Bereichen sehr gute Leistungen aus.
  • Am 21. Mai 2015 findet das Richtfest auf der Baustelle des Pflegezentrums II statt. Die Fertigstellung ist auf Mitte Juni 2016 veranschlagt.
  • Am 27. Mai 2016 erklärt der Stadtrat Urs Raschle, warum Zug seinen Restanteil am Pflegezentrum II in der Rechnung 2015 abgeschrieben hat: Die Nachfrage nach Betten ist nicht gegeben. Das soll sich Experten zufolge bis spätestens 2020 ändern. Wegen weiterer Verzögerungen beim Bau ist die Eröffnung des Zentrums auf Ende Juni verlegt.
  • Am 2. Juli 2016 macht der Baarer SVP-Kantonsrat Beni Riedi in einem Leserbrief in unserer Zeitung bekannt: Im neuen Pflegezentrum sind Mieter eingezogen, die Stiftung hat für die Umnutzung keine Bewilligung eingeholt.
  • Am 8. Juli 2016 wird der Stiftungsrat das neue Pflegezentrum übernehmen. Am Ende des Monats sollen die ersten Betagten einziehen.

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