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BAAR: Glasenberg trifft Kritiker zum Kaffee

Mit ihrer Kritik am Rohstoffkonzern hat die grüne Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin den Glencore-Chef aufgeschreckt. Gestern kam es zur Aussprache.
Ernst Meier
Jolanda Spiess-Hegglin und Andreas Lustenberger unterhielten sich am Dienstag in Baar zwei Stunden mit Glencore- Xstrata-CEO Ivan Glasenberg. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Jolanda Spiess-Hegglin und Andreas Lustenberger unterhielten sich am Dienstag in Baar zwei Stunden mit Glencore- Xstrata-CEO Ivan Glasenberg. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Punkt 9 Uhr kam es am Dienstag am Baarer Hauptsitz zum Treffen zwischen der Glencore Xstrata-Führung sowie Jolanda Spiess-Hegglin. Zwei Stunden habe man in einem Sitzungszimmer in der Konzernzentrale bei Kaffee und Tee diskutiert, sagt die Co-Präsidentin der Alternative – die Grünen (ALG). «Doppelt so lang, als ursprünglich geplant war.» Beim Gespräch dabei waren auch Parteikollege und Kantonsrat Andreas Lustenberger sowie Stefan Suhner vom Hilfswerk «Arbeitsgruppe Schweiz–Kolumbien» (ASK). «Ivan Glasenberg und weitere Glencore-Vertreter haben uns freundlich empfangen. Nach kurzem Small Talk kam der Konzernchef schnell zum Thema», erzählt Jolanda Spiess-Hegglin. «Herr Glasenberg beklagte sich über seiner Meinung nach unberechtigte Kritik an den Geschäftsaktivitäten von Glencore», schildert die 33-Jährige. Glasenberg sehe dabei sein Unternehmen als Opfer und nicht als Täter. So habe er dazu zwei Beispiele aus Afrika genannt: Einst staatliche Minen im Kongo und in Sambia seien in einem schlechten Zustand von Glencore gekauft worden. «Ivan Glasenberg erklärte, dass man viel Geld zur Behebung der Mängel investiert habe. Dabei zeigte er uns Bilder von aufgeräumten Minen, sauberen Flüssen und zufriedenen Arbeitern», sagt Spiess-Hegglin.

«Leicht genervter CEO»

Derweil habe Glasenberg auch etwas genervt und leicht verzweifelt gewirkt. «So zum Beispiel, als wir ihn auf Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen in Kolumbien ansprachen, wo wegen Minenprojekten ganze Dörfer umgesiedelt werden», sagt Stefan Suhner von der ASK. Ivan Glasenberg habe entgegnet, dass die Vorwürfe nicht stimmen würden. «Wir investieren in diesen Ländern Milliarden an Dollar in Strassen, Schulen und Spitäler», zitiert Jolanda Spiess-Hegglin den CEO. «‹Big business is necessary for development› – etwa so sieht Glasenberg seine Geschäftsaktivitäten in den Entwicklungsländern», sagt die Jungpolitikerin. Beim Treffen seien auch andere Themen wie die Millionensaläre oder die Steuerpolitik diskutiert worden, sagt Andreas Lustenberger.

Glencore will offener informieren

«Trotz der angenehmen Gesprächsatmosphäre und der ‹Unschuldsbeteuerungen› der Glencore-Xstrata-Vertreter hat man uns nicht umstimmen können», fasst Jolanda Spiess-Hegglin das Gespräch zusammen. Stefan Suhner beschreibt das Treffen sogar «als perfekt einstudierte Publicity-Show». «Ich vermisste faktengestützte Informationen zu Problemen, wie wir sie von der betroffenen Bevölkerung in Kolumbien kennen», sagt Suhner. Die Jungpolitiker Spiess-Hegglin und Lustenberger werten das Gespräch trotzdem «als kleinen Schritt, der Hoffnung auf Besserung macht». Man habe gespürt, dass Ivan Glasenberg die zunehmende Kritik als Druck empfindet und sich damit auseinandersetzt. Jolanda Spiess-Hegglin: «Einmal fragte er genervt: Was sollen wir denn machen, wenn die an uns gerichteten Vorwürfe andere betreffen?» Man habe empfohlen, «transparent und offen zu kommunizieren». «In dieser Hinsicht versprachen Ivan Glasenberg und sein Nachhaltigkeitschef Michael Fahrbach Besserung», sagt Andreas Lustenberger. «So lädt das Unternehmen für den 6. März Kritiker zu einem Informationsabend in Affoltern am Albis ein, wie man uns sagte.»

Bei Glencore Xstrata zeigt man sich mit dem gestrigen Gespräch zufrieden, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage sagt. «Wir begrüssen den konstruktiven Dialog und sind zu weiteren Gesprächen bereit», heisst es.

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