BAAR: Gründe für die Erlahmung

Die Realisierung des geplanten Alterszentrums Bahnmatt kommt nicht voran. Die Gemeinderätin Berty Zeiter, die noch in mehreren Funktionen Einblick in das Projekt hat, erklärt, warum das so ist.

Raphael Biermayr
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Gemeinderatswahlen Baar,Berty Zeiter (Bild: Christian Herbert Hildebrand, Archiv)

Gemeinderatswahlen Baar,Berty Zeiter (Bild: Christian Herbert Hildebrand, Archiv)

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

 

Früher war alles einfacher – zumindest, wenn eine Gemeinde ein neues Pflegeheim bauen wollte. «Eine Gemeinde konnte ein Heim ohne grössere Auflagen ­finanzieren», sagt Berty Zeiter. Die Baarer Sozialvorsteherin ist noch im Vorstand des Vereins Frohes Alter (VFA), der die Altersheime Martinspark und Bahnmatt in der zweitgrössten Zuger Gemeinde betreibt.

Jener Verein ist eine der Parteien, die bei den 2013 vorgestellten Plänen für das neue Pflegezentrum Bahnmatt mitreden, dem Projekt «Léon und Louise». Dessen Realisierung ist erlahmt. Die ebenfalls involvierte Genossenschaft für Alterswohnungen (GfA) hat genug vom Warten und erwägt, ihre im Projekt vorgesehene neue Liegenschaft im Gebiet Bahnmatt zu bauen, ohne auf den VFA und die Gemeinde Baar Rücksicht zu nehmen (Ausgabe vom 21. Mai).

Je teurer ein Bauprojekt, desto höher die Taxen

Der wesentliche Diskussionspunkt im Zusammenhang mit dem Pflegezentrum Bahnmatt betrifft die Höhe der Taxen für Betreuung und Unterbringung. Wie Berty Zeiter ausführt, liegt der Berechnung dieser Kosten seit Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Neuordnung der Pflegefinanzierung per Jahresbeginn 2011 die Vollkostenrechnung zu Grunde. Ziel dieser Gesetzesänderung ist – neben der Entlastung der Krankenkassen – die Chancengleichheit der Pflege- und Betreuungsbedürftigen, unabhängig von der finanziellen Situation der Gemeinden. «Reiche Gemeinden sollen ihre Heime respektive Heimbewohner nicht einfach subventionieren können, während Heimbewohner in ärmeren Gemeinden das Nachsehen haben», erklärt Zeiter. Ausserdem sollen die Taxen der Heime vergleichbar sein.

Die Vollkostenrechnung bedeutet, vereinfacht dargelegt, dass die Investitionskosten eines Projekts auf die Pflegebetten umgerechnet werden müssen. Je teurer also ein Bauprojekt, desto höher die Taxen für Betreuung und Unterbringung. Doch nicht nur die durch Verhandlungen angestrebte Kostensenkung im Projekt «Léon und Louise» raubt Zeit: Wegen geänderter Vorgaben sei eine neue Zusammensetzung innerhalb der Trägerschaft nötig, sagt Zeiter. Diese schliesst mit der Gemeinde eine Leistungsvereinbarung über den Betrieb der Altersheime ab.

Die ALG-Gemeinderätin, die auch Mitglied der Langzeitpflege-Kommission der Zuger Gemeinden ist, muss deshalb aus dem Vorstand des VFA austreten. Das werde an der bevorstehenden Mitgliederversammlung im Juni geschehen. Gleiches gelte für Barbara Hotz, die als Leiterin der Fachstelle Gesundheit/Alter von der Gemeinde angestellt ist.