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BAAR: «Irgendwo müssen sie ja hin»

Auf dem Areal Obermühle Süd sollen Wohnungen für 102 Asylsuchende entstehen. Was meint die Bevölkerung dazu – ein Streifzug.
Carmen Desax und Andrea Muff
Der Stammtisch im Restaurant Löwen in Baar ist gut besucht. Hier wird viel diskutiert, auch über die geplante Asylunterkunft. (Bild Christian H. Hildebrand)

Der Stammtisch im Restaurant Löwen in Baar ist gut besucht. Hier wird viel diskutiert, auch über die geplante Asylunterkunft. (Bild Christian H. Hildebrand)

Carmen Desax und Andrea Muff

Zigarettenrauch erfüllt den Gastraum, und die Biergläser sind gefüllt. An den Holztischen diskutieren mehrheitlich Männer lautstark miteinander. Um den runden Stammtisch des Restaurants Löwen sitzen sechs Männer zusammen mit der Wirtin. Auch die anderen Tische sind zur Feierabendstunde gut besetzt. Als sie auf das geplante Asylzentrum (siehe Box) angesprochen werden, verstummen die Gespräche kurz. Doch der Erste meldet sich bald zu Wort: «Solange kein Baugesuch vorliegt, ist das für mich noch kein Thema», meint Josef Feusi aus Baar. Allerdings habe er sowieso mit lediglich 102 Asylbewerbern keine Probleme. Sein Gegenüber, österreichischer Herkunft, wirft ein: «Die Hälfte täte es aber auch – oder besser noch – nur ein Drittel.» Er lacht und die anderen mit ihm.

Feusi, der sich offenbar mit dem Thema auseinandergesetzt hat, will aber noch mehr loswerden: «Bestimmt kommen auch welche, die Ärger machen.» Der Standort auf dem Areal Obermühle Süd finde er durchaus gut. Die zentrale Lage fördere die Integration der Asylbewerber. «Man kann sie ja nicht einfach auf einen Berg abschieben», macht Feusi klar.

Für die Situation, in der sich die Flüchtlinge befinden, zeigt er Verständnis: «An ihrer Stelle würde ich meine Heimat auch verlassen.» An der Selbstlosigkeit der Familie Hotz von der Hotz Obermühle AG hingegen zweifelt er: «Hotz macht nichts ohne Rendite.» Und bekommt Zustimmung von seinen Gefährten. Er bestellt ein weiteres Bier und wendet sich einem anderen Thema zu. Die Wirtin des «Löwen», Daniela Preiano, bestätigt, dass das geplante Asylzentrum ihre Gäste beschäftigt: «Bei den Leuten, die hier verkehren, kommt das Vorhaben nicht gut an. Ich selber halte mich aber raus.»

Standort ist eine gute Wahl

An der frischen Luft vor dem Bahnhof wartet Annalies Schär auf ihren Bus. Angesprochen auf das Projekt bei der Ober­müli zeigt auch sie Verständnis: «Irgendwo müssen sie ja hin.» Sie selbst setzt den Schwerpunkt auf die Integration und findet wie Feusi im «Löwen» den Standort gut gewählt. «Für Baar ist das eine gute Option», sagt die 63-jährige Baarerin. Daneben steht eine Gruppe Jugendlicher. Die Mehrheit hat von der Bauanfrage keine Kenntnis und murmelt: «Davon habe ich nichts gehört.» Nur einer meldet sich scheu zu Wort: «Jeder Mensch braucht doch einen Platz.» Ein weiterer Passant meint ganz direkt: «Die Asylanten stören mich nicht.» Die Wiese in der Obermüli finde er ebenfalls eine gute Wahl. «Ich habe Baar immer als sehr offen erlebt», stellt der Einheimische fest. Das erwarte er nun auch in dieser Diskussion.

In Nachbarschaft des künftigen Asylzentrums liegt die Brauerei Baar. Im Raucherstübli des Restaurants sitzen derweil einige Männer am Tisch und geniessen ihr Feierabendbier. Einer davon ist Hubi Bösch. Er würde direkter Nachbar werden, falls die Modulbauten auf der Wiese aufgestellt werden, erzählt er. Doch: «Mir ist das egal.» Auch er folgt der scheinbar vorherrschenden Grundstimmung und meint: «Irgendwohin müssen sie ja.» Sein Nachbar, der seinen Namen nicht nennen möchte, beschäftigt jedoch einen anderen Aspekt: «Das ist doch Vetternwirtschaft», wirft er ein. Wie der Kollege aus dem «Löwen» zweifelt er an der Motivation der Hotz Obermühle AG. Und wirft zugleich ein Beispiel in die Runde: «Wenn ich an dieser Lage ein Haus bauen möchte, würde bis 2020 noch nichts stehen. Die Container aber sollen 2016 bezugsbereit sein, obwohl noch kein Baugesuch eingegangen ist. Das ist doch seltsam», erklärt er.

«Hast du eine bessere Idee?»

Die beiden diskutieren weiter über den Standort der geplanten Wohnungen. Denn der anonyme Gast ist unschlüssig. Doch Bösch fragt ihn: «Hast du denn eine bessere Idee?» Das muss auch sein Gegenüber verneinen. Und meint: «Ich habe ja grundsätzlich nichts dagegen: Die Frage ist aber, wer kommt? Einen Familienvater, der allein flüchtet, Frau und Kinder zu Hause lässt, kann ich nicht verstehen», schliesst Böschs Nachbar seine Ausführungen. Am Nebentisch haben zwei Frauen das Gerede mitbekommen. Über das Projekt haben sie sich noch nicht informiert, doch auch sie beschäftigt die gegenwärtige Asyldebatte: «Das ist halt einfach nur Symptombekämpfung. Besser müsste man vor Ort etwas tun.» Auf Baar bezogen stimmen sie überein. «Wir sind die Letzten, die jammern dürfen.»

Das geplante Projekt

Bis zum Herbst 2016 sollen 17 identische Wohnungen mit Platz für bis zu 102 Asylbewerber auf dem Areal Obermühle Süd entstehen. Der Zuger Regierungsrat hat entschieden, dass die Hotz Obermühle AG den benötigten Wohnraum im Auftrag des Kantons erstellen darf. Noch liegt aber kein Baugesuch für das Projekt auf. Die Realisierung des Wohnraumes war öffentlich ausgeschrieben. Die Submissionsfrist endete am 2. November. Gemäss Mitteilung der Direktion des Innern gingen zwei Offerten ein. Die vorgegebenen Kriterien werden von der Hotz Obermühle AG erfüllt.
Die 17 Wohnungen für jeweils sechs Personen sollen mit vorgefertigten Modulen bereitgestellt werden. Momentan sind im Kanton Zug rund 1240 Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich untergebracht.

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