BAAR: Jetzt sitzt einer mit Profil auf dem Thron

Dem Namen nach ist der neue Räbevater René II. Tomic nur der Zweite. In vielerlei Hinsicht ist er aber die Nummer eins.

Silvan Meier
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Räbevater René II. erhält von Urs Odermatt (rechts) die Insignien seiner Macht. (Bild Christian H. Hildebrand)

Räbevater René II. erhält von Urs Odermatt (rechts) die Insignien seiner Macht. (Bild Christian H. Hildebrand)

«Für ihn wird es ein Goodyear. Die Fasnacht wird Continental. Der neue Räbevater muss nur darauf achten, dass er keinen Pirelli bekommt, sonst sieht er aus wie das Michelin-Männchen.» So stellte Zeremonius Urs Odermatt den neuen Räbevater René II. Tomic am Samstagabend im Gemeindesaal vor. Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite. Tomics Beruf, er ist Inhaber des gleichnamigen Pneuhauses im Lättich, gab im Verlauf der feierlichen Inthronisation immer wieder Anlass zu Wortspielen. Doch auch des Räbevaters Hobbys – das Töfffahren, die Feuerwehr und die Guggenmusig – wurden von den 14 Huldigungsgruppen auf witzige Weise vorgestellt. Dabei kam es zu einem Revival der besonderen Art. Die Guggenmusig Los Eiblos, die sich vor ein paar Jahren aufgelöst hat, gab für die Inthronisation von René II. ein einmaliges Comeback. Der neue Räbevater spielte bei den Los Eiblos mehrere Jahre lang Posaune.

Täuschungsmanöver über Monate

Eine andere Gugge hatte einen noch grösseren Auftritt. Den Aspirin kam die Ehre zu, die Inthronisation musikalisch zu umrahmen. Dafür muss sie auf eines ihrer Mitglieder verzichten. René II. Tomic, Gründungsmitglied der Aspirin, hatte letzten Frühling beschlossen, nach längerer Absenz seine Guggenkarriere wieder zu lancieren. Bei den Aspirin wollte er Trompete spielen. Doch plötzlich stand der Geheimrat vor Tomics Haustür. Der Rat unter der Leitung von Räbevater-Obmann Erich I. Hug hatte Tomic zum neuen Räbevater auserkoren – eine Wahl, die bis zum Martini-Möhli am 16. November geheimbleiben musste. René II. Tomic besuchte deshalb brav die Proben der Aspirin, obwohl er schon damals wusste, dass er an der Fasnacht keine Zeit für die Guggenmusig haben wird.

Ganz geheim halten konnte er seine Wahl dennoch nicht. Als nämlich die Aspirin genau für das Inthronisations-Wochenende einen Trip an den Eurocarneval in Mainz zu planen begannen, musste Tomic eingreifen. Die Guggenmusig Aspirin musste auf ihr Gastspiel in Deutschland verzichten, dafür kann sie mit dem Motto «Wir sind Räbevater» an die Fasnacht. Vertreten sind die Baarer Guggenmusigen am Eurocarneval trotzdem: Die Gugge Belcantos war in Mainz dabei und gratulierte dem neuen Räbevater via SMS.

Schrämmli I. statt René II.

Grüsse von etwas weiter her kamen auch aus Frauenfeld, der Heimat von Räbemuetter Esther. Aus dem Thurgau waren die Schalmeien Frauenfeld angereist, die mit ihren speziellen Instrumenten den Baarern die Ostschweizer Fasnacht näherbrachten. Die Frauenfelder machten aus René II. Tomic kurzerhand René I. – und damit lagen sie gar nicht so falsch. Denn auch die ehemaligen Pfader von der Rotte Eriwan wollten die Zwei nicht auf ihrem Mitglied sitzen lassen. Für sie heisst der neue Räbevater Schrämmli I., womit auch des Räbevaters Pfadinamen verraten ist. Die Nummer eins ist René II. Tomic für die Rotte Eriwan aber nicht nur deshalb. Er sei immer der Erste gewesen, habe zuerst ein Töffli, zuerst ein Auto und als erster eine Freundin gehabt.

Politische Seitenhiebe

Bevor René II. Tomic den Huldigungen lauschen konnte, wurde er offiziell in Amt und Würden eingesetzt. René II. Tomic will eine «Fasnacht mit Profil» und versprach «mit aller Kraft und Ausdauer» dabei zu sein. Verkleiden und Schminken sei Pflicht, und es lohne sich, die Ersparnisse in Speis und Trank anzulegen: «Denn mehr Prozente als im Alkohol gibt es nirgends.»

Zeremonienmeister Urs Odermatt liess es sich bei der Vorstellung des neuen Räbevaters nicht nehmen, die Polit-Skandale der letzten Wochen und Monate zu thematisieren. «Der Geheimrat hat René II. genau durchleuchtet», versprach Odermatt. «Bei ihm gibt es kein Doping, keine Beziehungen zur Mafia, und er hat weder eine Witwe noch einen dubiosen Holländer über den Tisch gezogen.» Auch die Redaktion der «Neuen Zuger Zeitung» habe René Tomic geprüft und für gut befunden. Odermatt spielte auf die Affären rund um den Zuger Stadtrat Ivo Romer und den Baarer Gemeinderat Karl Betschart an. Letzterer sass als alt Räbevater ebenfalls im Gemeindesaal.

Abschied mit Wehmut

Romers mutmassliches Gebaren war bereits zu Beginn des Abends ein Thema, als noch Marcel I. Feuchter auf dem Räbethron sass. Für diesen sei – so Zeremonienmeister Urs Odermatt – der 22. Dezember 2012 der traurigste Tag gewesen. Die Welt sei damals nämlich nicht untergegangen. Feuchter sei dadurch die Ehre entgangen, als letzter amtierender Räbevater in die Geschichte einzugehen. «Auf den Titel ‹alt Räbevater› hätte er nämlich gut verzichten können.» Doch vielleicht sei er nun doch froh, werde er sein Amt los. Denn Marcel I. Feuchter sei nicht per du mit einer Witwe, von der es Geld zu holen gibt. Und eine weitere Fasnacht liege wahrscheinlich im Feuchterschen Haushaltsbudget nicht drin.

Dafür sei Feuchter seine fasnächtlichen Kleidersorgen nun endgültig los. Feuchter war vor seiner Amtszeit als Räbevater Vorstandsmitglied und Präsident der Fasnachtsgesellschaft. Was er anzuziehen hatte, war damit von Amtes wegen klar. Doch mit seinem Rücktritt drohte ihm diesbezüglich ein Problem. Mit der Aufnahme in den Kreis der alt Räbevater hat sich dieses nun erledigt. Dass er sich im weinroten Jackett, das die ehemaligen Fasnachtsoberhäupter tragen, wohl fühlt, zeigte sich kurz nach seiner Exthronisation. Während der neue Räbevater René II. Tomic mit eher ernstem Gesicht zu seinem Thron stieg, marschierte Marcel Feuchter mit einem breiten Lachen zum Tisch der Räbevater-Gilde.