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BAAR: Jungunternehmer sucht Junge

Ubaldo Piccones Firma hat für eine neuartige App einen mit 50 000 Franken dotierten Preis gewonnen. Das Geld steht für ihn aber nicht im Vordergrund.
Ubaldo Piccone hat seine Masterarbeit gleich umgesetzt. (Bild Stefan Kaiser)

Ubaldo Piccone hat seine Masterarbeit gleich umgesetzt. (Bild Stefan Kaiser)

Raphael Biermayr

Nachdem Ubaldo Piccone an jenem Abend nach Hause zurückgekehrt war, hätte er allen Grund zum Feiern gehabt. Vor wenigen Stunden hatte er in Zürich den «Swiss Startup Award» gewonnen und einen Check über 50 000 Franken überreicht erhalten für seine Idee. Die Idee einer App, mit der er für Firmen Werbeträger aus dem Alltag findet (siehe Box). Doch statt mit seiner Frau anzustossen, setzte sich Piccone an seinen Computer. Auf seinem Facebook Account sah er sich das Foto von der Preisverleihung an, das ihn auf der Bühne zeigt, interviewt von Christa Rigozzi, einer früheren Miss Schweiz.

Der Facebook-Eintrag

Piccone merkte, dass er sich bei diesem Anblick nicht recht wohl fühlte. Also verfasste er einen nächsten Eintrag, in dem er auf Englisch unter anderem seine Dankbarkeit ausdrückte gegenüber den Menschen, die ihn täglich daran erinnerten, was «die wichtigen Werte» seien und wie schnell sich das Leben verändern könne. Dieser sehr persönlich gehaltene Beitrag wird illustriert von einer Fotografie, die eine Gruppe Flüchtlinge zeigt. Was hat ihn dazu bewegt?

Der 36-Jährige nimmt im City Hotel in Zug Platz zum Interview. Er schätzt die Ruhe hier. Zu Hause warten schliesslich zwei kleine Kinder auf Piccone. Die Familiengründung war der Anlass für einen Bruch in seinem Berufsleben im Jahr 2013. Er war einige Jahre für Apple tätig gewesen, zuletzt in einer Managerfunktion. Eine lukrative Stelle, räumt er ein, aber auch eine zeitintensive. «Nach der Geburt meines ersten Kindes stand die Familie an erster Stelle», erklärt Piccone, der heute den Onlinehandel eines Haushaltsgeräteherstellers mitverantwortet. Berufsbegleitend bildet er sich an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ) weiter. In jenem Umfeld entstand auch die Idee für seine Firma Yeahgoods: Sie ist das Ergebnis seiner Masterarbeit. «Als ich erklärte, wovon sie handelt, sagten immer mehr Leute, wie cool diese Idee doch sei. Also entschied ich mich, sie umzusetzen.» In zwei Dozenten der HWZ fand er Partner für sein Vorhaben. Das dreiköpfige Team kommt selbst für die Kosten auf, die sich «zwischen 100 000 und 200 000 Franken» bewegen würden.

Am meisten Geld verschlingt der juristische Bereich. Im rechtsunsicheren Internet stehen vor allem Fragen zum Datenschutz im Raum. Um die scheren sich offensichtlich nicht alle. Piccone kenne «auch grosse» Firmen, die Inhalte von Internetnutzern ohne deren Einwilligung für Werbekampagnen oder anderes nutzen würden. «Das schockiert mich», sagt er. «Yeahgoods» ist erst ab 18 Jahren nutzbar. Die Kontrolle darüber hat der Anbieter dank eines Winkelzugs: Eine Voraussetzung für die Nutzung der App ist ein Paypal-Zahlungskonto, das erst ab 18 Jahren gewährt wird. Mit dieser Altersbeschränkung lassen Piccone und Co. den wahrscheinlich grössten Nutzerkreis bewusst aussen vor – und verzichten damit auf Geld. «Die 14- bis 18-Jährigen wären unsere Traumcommunity. Aber wir wollen nicht verantworten, dass beispielsweise ein 16-Jähriger von etwas überzeugt wird, das er nicht versteht», führt der beredte Baarer aus. Er verstehe darunter nicht rechtliche, sondern moralische Verantwortung.

Die Zukunft

Piccone ist wichtig, dass er verstanden wird. Wenn es um die Funktion von «Yeahgoods» geht, aber auch und vor allem, was seine Beweggründe anbelangt. «Es ist ein Projekt für die Community. Viele Menschen sollen Freude daran haben und es weiterbringen», sagt er. Das sind keine Worthülsen: Seine Partner und er seien nicht darauf aus, die Firma nach branchenüblichem Muster für viel Geld an einen Internetgiganten zu veräussern. Sie suchen nach einem jungen Team, das Yeahgoods übernimmt und in ihrem Sinn weiterführt. Die Gründer selbst wollten in den Hintergrund treten und strategisch agieren. Die Erklärung des Jungunternehmers für diesen Schritt ist bemerkenswert: «Mit 36 Jahren versteht man nicht mehr genau, wie die Welt im Internet funktioniert.»

Übrigens: Die 50 000 Franken Preisgeld will er der künftigen Führung als Anschubfinanzierung für neue Ideen überlassen.

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