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BAAR: Kübler-Schliessung: Ein «enormer Verlust» für die Gemeinde

Die Heinrich Kübler AG schliesst ihre Produktion in Baar. 35 Arbeitsplätze sind betroffen. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Dass die Frankenkrise nicht überstanden ist, darüber herrscht aber Einigkeit.
Christopher Gilb und Rahel Hug
Das Firmengebäude der Heinrich Kübler AG an der Ruessenstrasse in Baar. (Bild: Werner Schelbert (28. März 2017))

Das Firmengebäude der Heinrich Kübler AG an der Ruessenstrasse in Baar. (Bild: Werner Schelbert (28. März 2017))

Christopher Gilb und Rahel Hug

redaktion@zugerzeitung.ch

Nachdem sie kürzlich bereits einen Teil ihrer Produktion geschlossen hat, wird die Heinrich Kübler AG in Baar diese nun vollständig einstellen, wie am Montag bekannt wurde. Als Grund gibt das Unternehmen, das Sensoren für die Füllstandmesstechnik herstellt, das Fehlen einer wirtschaftlichen Perspektive aufgrund des starken Frankens an. Konsequenz ist, dass 35 Angestellten ein Arbeitsplatzverlust droht. Zukünftig soll die Produktion vom deutschen Mutterhaus in Deutschland weitergeführt werden.

Da es sich um eine Massenentlassung handelt, ist die Firma verpflichtet, ein Konsultationsverfahren durchzuführen, in dem die Arbeitnehmenden oder deren Vertretung, die Möglichkeit haben, Vorschläge zur Vermeidung der Schliessung oder zur Reduktion der Entlassungen einzureichen. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit wirkt ebenfalls in diesem mit. «Wir wurden ordnungsgemäss vom Unternehmen über die Schliessungspläne informiert», sagt Chef Bernhard Neidhart. Die Schliessung verhindern könne der Kanton letztlich aber nicht. «Es ist nicht Aufgabe des Staates mit Steuergeldern einen Strukturwandel oder einen betriebsinternen Umbau zu verhindern.»

Produktionskapazitäten in Deutschland

Es sei nun mal leider so, dass gerade die Betriebe der Zulieferbranche weiterhin stark unter der Auflösung des Euro-Mindestkurses zu leiden hätten. «Bei diesem Unternehmen kommt aber dazu, dass es von einem deutschen Unternehmen aufgekauft wurde und dieses über adäquate Produktionskapazitäten in Deutschland verfügt, in welche die Schweizer Produktion ohne grössere Aufwendungen integriert werden kann», sagt Neidhart. Deshalb liesse sich auch nicht von einem Flächenbrand reden. «Ziel ist es, jetzt gemeinsam mit dem Unternehmen dafür zu sorgen, dass ein guter Sozialplan erstellt wird und die Angestellten die richtige Unterstützung erhalten, um baldmöglichst eine neue Anstellung zu finden.» Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen sei ja diesbezüglich schon etabliert. Schon bei der Kündigung von 20 Angestellten, im Rahmen der ersten Teilschliessung, war das Amt für Wirtschaft und Arbeit involviert. «So nahe, dass die vollständige Schliessung der Produktion für uns absehbar war, waren wir aber nicht», erklärt Neidhart. Wie viele der gekündigten Arbeitnehmer schnell wieder einen Arbeitsplatz finden würden, liesse sich schwer sagen. «Bei den ersten geht es meistens relativ schnell, aber danach wird es schwieriger, wir werden aber diesbezüglich das lokale Netzwerk aktivieren», sagt Neidhart.

Der Baarer Gemeindepräsident Andreas Hotz spricht, auf die angekündigte Massenentlassung angesprochen, von einem «enormen Verlust» für den Wirtschaftsstandort. Wenn Arbeitsplätze im unterschwelligen Bereich verloren gingen, sei das sehr schade. «Es führt dazu, dass wir immer weniger Stellen für Nicht-Akademiker zu bieten haben», bedauert Hotz. Den Entscheid der Unternehmensleitung könne er nachvollziehen – auch wenn man im letzten Herbst noch versprochen habe, mit der Entlassung von 20 Mitarbeitern die restlichen Arbeitsplätze sichern zu können. «Offenbar mussten die damaligen Perspektiven angepasst werden. Der Schritt wird sicher wohlüberlegt sein.»

Die neuste Entwicklung bei der Heinrich Kübler AG ist kein Einzelfall. Es ist noch nicht lange her, dass die Trumpf-Gruppe entschieden hat, ihre Produktionsstätte in Baar zu schliessen. 150 Mitarbeiter waren betroffen. Im Jahr 2015 hatte zudem die Trichema AG in Baar ihren Betrieb eingestellt. 71 Mitarbeiter waren betroffen. Die Gründe für diese Entwicklung sieht Andreas Hotz in den «generell schwierigen Rahmenbedingungen» für die Schweizer Unternehmen. Er habe derzeit keine Informationen über weitere bevorstehende Entlassungen in Baar, sagt der Gemeindepräsident. «Doch die Situation bleibt weiter angespannt.»

Folgen auch für das lokale Gewerbe

Das glaubt auch Arno Matter, Präsident des Gewerbevereins Baar. Zwar sind in seiner Organisation vor allem KMU vertreten, und ein Austausch mit internationalen Firmen findet nur selten statt. Trotzdem bereitet ihm die jüngste Entwicklung Sorgen. Er ortet die Herausforderungen klar in der Frankenstärke und im «wirtschaftlich schwierigen Umfeld». Arno Matter hält fest, dass Entlassungen wie bei der Heinrich Kübler AG nicht ohne Folgen für das lokale Gewerbe bleiben: «Wir profitieren als Zulieferer von solchen Unternehmen, auch wenn es nur Gipfeli sind, die wir liefern können», so der Malermeister. Von der Politik und der Gesellschaft im Allgemeinen fordert er, dass der Standortförderung eine hohe Priorität beigemessen wird. «Flexibilität ist gefragt. Den Unternehmen dürfen keine Steine in den Weg gelegt werden.»

An die Politik richtet sich auch die Stellungnahme von Giuseppe Reo, dem Leiter der Gewerkschaft Unia in der Zentralschweiz. «Es ist ein direktes Resultat der Aufhebung des Euro-Mindestkurses», sagt er. Von einer «langsamen Beruhigung» in der Industriebranche, wie sie vielerorts derzeit beschrieben wird, spüre er nichts. «Es sind nach wie vor viele Arbeitsplätze gefährdet.» Reos Kritik geht aber auch an die Führungsriege der Heinrich Kübler AG: «Als ich im Herbst auf die Teilschliessung angesprochen wurde, sagte ich, dass es nicht dabei bleiben wird. Das Unternehmen ist vielleicht nicht ganz ehrlich mit sich selber gewesen – und mit der Belegschaft.»

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