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BAAR: Langsam wird das Wasser im Lättich immer knapper

Das Frei- und Hallenbad ist äusserst beliebt. Das führt dazu, dass sich mehr Schwimmer das Nass teilen müssen. Besserung ist nicht in Sicht.
Wolfgang Holz
Wer einen Schwimmkurs macht im Lättich – wie hier einige Erwachsene –, hat genug Platz. Freizeitschwimmer müssen dagegen um ihre Bahnen kämpfen. (Archivbild Werner Schelbert)

Wer einen Schwimmkurs macht im Lättich – wie hier einige Erwachsene –, hat genug Platz. Freizeitschwimmer müssen dagegen um ihre Bahnen kämpfen. (Archivbild Werner Schelbert)

Wolfgang Holz

Die junge Baarerin hat sich über Mittag auf einige erholsame Bahnen im Hallenbad Lättich gefreut. Kaum ist sie im Wasser und hat einige Züge gemacht, da steigt ein neuer Badegast ins Sportbecken und krault ihr direkt entgegen. Einer muss nun ausweichen – was eigentlich keiner von beiden vorhat – schliesslich ist es schon schwierig, überhaupt eine freie Bahn zu ergattern. Die Schwimmerin weicht in letzter Sekunde aus und ärgert sich: «Ich war zuerst da.»

Rund 380 000 Besucher im Schnitt

Im Frei- und Hallenbad Lättich herrscht zunehmend «Dichtestress». Kein Wunder. Das Indoor-Vergnügen ist der absolute Besuchermagnet in Baar – vor allem für Familien mit Kindern. Insbesondere bei schlechtem Wetter. Rund 380 000 Besucher ab 6 Jahren planschen laut Zählungen der Gemeinde im Schnitt pro Jahr im Lättich – draussen und drinnen. Man kommt sich dabei zusehends ins Gehege.

Ein weiteres Beispiel. Ein Baarer versucht, in ruhigen Zügen seine Bahnen zu schwimmen – wieder ist es sehr voll im Sportbecken. Da bemerkt er, dass die Senioren gleich nebenan bei ihrer Wassergymnastik gerade wenig Platz beanspruchen. Siehts und fragt den Badmeister, ob man nicht vorübergehend eine weitere Bahn öffnen könnte, um die Lage zu entspannen. Er erntet Kopfschütteln. «Man kann ja nicht wissen, ob die Senioren plötzlich wieder mehr Platz brauchen», lautet die lapidare Antwort des Badmeisters.

Es ist immer offensichtlicher: Wer als normaler Freizeitschwimmer sich im Lättich tummeln will, hat zusehends das Nachsehen. Vor allem gegenüber organisierten Schwimmern, die im Verein, in der Schwimmschule oder sonst wie in Gruppen planschen – wie auch gegenüber den Eleven der International School. «Vereinzelt kommt es zu solchen Rückmeldungen», gesteht Bruno Hoppler, Abteilungsleiter der Gemeinde Baar für Liegenschaften und Sport, zum Thema Dichtestress im Lättich zwar ein. «Es gibt aber immer Badegäste, die sich am liebsten alleine im Wasser aufhalten möchten. Lohn für unsere Arbeit sind die vielen positiven Rückmeldungen zum tollen Familien- und Sportbad Hallen- und Freibad Lättich.» Dass das Frei- und Hallenbad gut frequentiert sei, so Hoppler, sei schliesslich auch notwendig. «Denn der Betrieb einer solchen Anlage ist defizitär, bis zu 1,5 Millionen Franken im Jahr – den Beitrag der Beisheim-Stiftung nicht mitgerechnet. Hoppler: «Unser Vorteil ist die Kombination eines Hallen- und Freibads bei einem Sommer mit schlechtem Wetter.» So weit, so gut. Doch wenn ein Badegast, der ja auch Steuerzahler ist, gar nicht alle Möglichkeiten im Lättich wahrnehmen kann, aber den vollen Eintrittspreis zahlen muss, wird das Planschen zum Frust.

Seit Jahren bekanntes Dauerproblem

Doch bei der Gemeinde stösst man auf Granit in Sachen Eintrittspreisvergünstigungen in Stosszeiten. Das musste auch schon CVP-Politiker Silvan Hotz 2002 feststellen. Er hatte damals eine Motion eingereicht betreffend Eintrittsvergünstigung im Hallen- und Freibad Lättich für die in Baar wohnhafte Bevölkerung. Grund: Ihm und zahlreichen Baarern war es ein Dorn im Auge, dass Baarer gerade mal 23 Prozent der Badebesucher im Lättich ausmachten. Und auch damals wurden zahlreiche Stimmen von Einheimischen laut, die beklagten: «Es hat ja sowieso keinen Platz.» Inzwischen kommen ein Drittel der Badegäste aus Baar, ein Drittel aus dem Kanton Zug und ein Drittel aus den umliegenden Kantonen. Sprich: Das Lättich ist seit Jahren eigentlich ein kantonales Bad mit überkantonaler Ausstrahlung. Doch auf diese Tatsache reagiert die Gemeinde nicht – ganz zu schweigen vom Kanton Zug, der längst über ein neues Bäderprojekt hätte nachdenken können. Nun kann man nur hoffen, dass das Ägeribad zu einer Entlastung führt. Oder muss man etwa ab sofort in einen Verein eintreten, um genügend Wasser im Lättich um sich zu haben? Wie wäre es denn, die Öffnungszeiten auszudehnen?

Keine Rabatte, keine neuen Zeiten

Hoppler winkt ab. «Der Gemeinderat hat festgelegt, dass im Schwimmbecken der Sporthalle immer mindestens drei Schwimmbahnen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen müssen.» Das Schwimmbecken in der Mehrzweckhalle stehe an den Wochentagen dem Schulschwimmen zur Verfügung. Über die aktuelle Wasserflächenbewirtschaftung gebe ein Informationsblatt in der Schwimmhalle Auskunft. «Zudem wurde seit September 2014 das Frühschwimmen zusätzlich von Dienstag bis Freitag eingeführt», erklärt der Baarer Bäderchef. Dies habe zu den früheren Öffnungszeiten ab 6.30 Uhr an diesen Tagen geführt. Zusätzlich sei das Morgentraining des Schwimmvereins Baar am Samstag vor die Öffnungszeiten verschoben worden. «Eine Erweiterung der Öffnungszeiten ist nicht angedacht.» Einerseits müsste dafür der Personalbestand erhöht werden, anderseits werde die Zeit nach der Badschliessung für Reinigungs- und Unterhaltsarbeiten benötigt. Auch Eintrittsrabatte seien zurzeit nicht vorstellbar.

Dabei räumt Bruno Hoppler durchaus ein, dass Schwimmsport in den letzten Jahren an Beliebtheit zugenommen habe. «Mit ein wenig Flexibilität findet man in den Badeanlagen Lättich aber immer Platz.» Dafür sollte man die Stosszeiten über Mittag und nach Arbeitsschluss meiden und eben Randzeiten wie um 6.30 Uhr morgens oder am Abend ab 19.30 Uhr nutzen. In Ordnung. Aber warum sollten eigentlich immer nur die Freizeitschwimmer flexibel sein?

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