BAAR: Neues Verkehrsregime schafft Probleme

Seit einem halben Jahr gilt Tempo 30 durchs Dorf. Obwohl es nun langsamer zugeht, kann es schnell krachen. Die Gemeinde will reagieren.

Drucken
Teilen
Haarscharf: Die Rechtsvortrittsregelung in der Tempo-30-Zone, wie hier an der Kreuzung der Dorfstrasse mit der Altgasse, führt zu gefährlichen Situationen. (Bild Maria Schmid)

Haarscharf: Die Rechtsvortrittsregelung in der Tempo-30-Zone, wie hier an der Kreuzung der Dorfstrasse mit der Altgasse, führt zu gefährlichen Situationen. (Bild Maria Schmid)

wolfgang holz

Nur mit knappen sechs Stimmen Mehrheit haben die Baarer im Juni 2013 bei der Gemeindeversammlung für die Einführung einer Tempo-30-Zone votiert. Noch knapper um Zehntelsekunden und um Zentimeter – geht es derzeit, zwei Jahre später, auf der nun verkehrsberuhigten Dorfstrasse zu.

Vor allem Rushhour ist gefährlich

Speziell im Berufsverkehr, wenn sich die Autokolonnen im Stop-and-go durchs Dorf wälzen, heisst es in ganz besonderem Masse: Augen auf die Strasse. Sonst kann es sein, dass man mit dem Auto ruckzuck seinem Vordermann ins Heck kracht. Einem Baarer Gemeinderat höchstpersönlich ist es schon passiert, dass er nur durch Vollbremsung in allerletzter Sekunde einen Auffahrunfall verhindern konnte.

Grund für die neue Gefahr: Viele haben offensichtlich noch nicht den neuen, obligatorischen Rechtsvortritt in der Tempo-30-Zone verinnerlicht was oft zu unerwarteten Kollisionen führen kann. Anfang März verunfallte etwa ein Töfffahrer auf diese Weise, weil ein Autolenker dem Zweiradfahrer an der Altgasse den Vortritt nicht gewährte. Der Töfffahrer stürzte, blieb aber unverletzt. Es entstand Sachschaden von mehreren tausend Franken.

«Noch Umgewöhnungszeit nötig»

Baars Verkehrs- und Sicherheitschef Pirmin Andermatt ist sich dieser Problematik auf der nun längsten und mit dem meisten Verkehr belasteten Tempo-30-Zone im Kanton Zug bewusst. «Es gibt leider Unfälle, und es braucht deshalb sicher noch einige Zeit der Umgewöhnung für die Verkehrsteilnehmer, sich auf die neue Strassensituation einzustellen.» Denn bisher habe in der Dorfstrasse Tempo 50 gegolten ohne Rechtsvortritt – , und es habe 15 Zebrastreifen gegeben. Nun habe der Souverän entschieden, eine Tempo-30-Zone einzurichten, auf welcher noch sieben Fussgängerstreifen existieren – inklusive Rechtsvortritt. Wo notwendig und angebracht, werde der Gemeinderat daher nun reagieren, um die Sicherheit weiter zu verbessern. «Spätestens ein Jahr nach der Einführung einer neuen Verkehrsmassnahme muss eine Wirkungsprüfung durchgeführt werden», sagt Andermatt. Baar werde diesen Strassencheck jetzt schon nach sechs Monaten einleiten. «Denn der Bedarf dafür ist vorhanden.» Jeder Unfall, der passiere, sei nicht gut.

Aber was heisst das konkret? Die Zahl der Fussgängerüberwege könne nicht nachträglich erhöht werden da habe man beim Kanton schon das Maximum ausgeschöpft, so der CVP-Gemeinderat. Andermatt stellt sich beispielsweise vor, dass in den Einmündungsbereichen der Seitenstrassen mit der Dorfstrasse der Teerbelag noch einheitlicher gestaltet wird – «so, dass klar ist: Hier gilt der Rechtsvortritt». Das wäre sicher sinnvoll, denn an der Kirchgasse etwa sind nach wie vor jene «weissen Zähne» verblichen auf der Strassen zu erkennen, die eine untergeordnete Hierarchie der Gasse nahelegen. Was das Tempo 30 selbst angeht, zeigt sich der Baarer Verkehrschef bereits zufrieden. «In einer Messung vergangenen Dezember hielten sich rund 85 Prozent der Fahrzeuge ans neue Tempolimit.»

Signalisation laut Polizei genügend

Erst wenn die Gemeinde diese Wirkungsprüfung abgeschlossen hat, kann die Zuger Polizei in Sachen mehr Sicherheit in der Dorfstrasse tätig werden, so die Kommunikationsverantwortliche Judith Aklin. Geschwindigkeitskontrollen dort lägen im Ermessen der Polizei. «Die Signalisation auf der Dorfstrasse ist rechtlich korrekt und genügend.»