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BAAR: «Oft ist das Grundproblem nicht sichtbar»

Alexandra Wolf ist Tiertherapeutin und behandelt vor allem Pferde nach dem ganzheitlichen Ansatz der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Seit Januar 2018 bietet sie auch Schröpftherapien an. Diese Therapieform ist für Tiere neu in der Schweiz.
Cornelia Bisch
Tiertherapeutin Alexandra Wolf behandelt den Wallach Da Vinci mit der neuen Schröpftherapie. Das Behandlungsgerät (unten links) erzeugt ein regulierbares Vakuum, die unterschiedlichen Gläser wählt sie je nach Art der Beschwerden. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 17. Februar 2018))

Tiertherapeutin Alexandra Wolf behandelt den Wallach Da Vinci mit der neuen Schröpftherapie. Das Behandlungsgerät (unten links) erzeugt ein regulierbares Vakuum, die unterschiedlichen Gläser wählt sie je nach Art der Beschwerden. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 17. Februar 2018))

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Da Vinci scharrt ungeduldig mit dem linken Vorderhuf und schüttelt die dunkle Mähne. Der attraktive Wallach steht in der besonderen Behandlungsbox seines Stalls bereit und kann den Beginn der Therapie kaum abwarten. «Er ist sehr intelligent und wild», sagt Tiertherapeutin Alexandra Wolf aus Baar lachend und streicht dem Tier zärtlich über die Nüstern. Die beiden kennen sich gut. Wolf behandelt das Turnierpferd regelmässig mit verschiedenen ganzheitlichen Therapieformen und seit dem Beginn dieses Jahres nun auch mit der Schröpftherapie. Sie ist bisher gemäss eigenen Angaben die einzige Therapeutin in der Schweiz, die diese Methode anwendet. «Ich habe dafür eine Ausbildung in Deutschland absolviert», erzählt sie. Die nötigen Gerätschaften, ein Schröpftherapiegerät in Kleinkoffergrösse sowie Gläser in diversen Ausführungen, hat sie sich selbst auf Weihnachten geschenkt. Mit fast 6000 Franken ist dies eine ansehnliche Investition. Aber es lohne sich, betont Wolf überzeugt, denn die Erfolge seien schon nach der kurzen Anwendungszeit frappant. «Vor allem Turnierpferde wie Da Vinci leiden oft unter Muskelverspannungen, welche die Schröpftherapie erfolgreich löst.»

Die zierliche 41-Jährige stellt den Apparat ein, wählt eine bestimmte Stelle am Hals des Tieres und lässt die Maschine arbeiten. Man sieht, wie sich die Haut des Pferdes leicht ins Glas hineinwölbt. Da Vinci stellt sein Scharren ein und senkt den Kopf. «Das ist ein eindeutiges Zeichen, dass er die Behandlung geniesst», stellt Wolf zufrieden fest. Denn obwohl die Behandlung nicht immer ganz schmerzfrei abläuft, spürt das Tier die entspannende Wirkung.

Ganzheitlicher Ansatz

Dank ihrer Erfahrung mit diversen Therapieformen unter anderem der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sowie ihrer Ausbildung in der Schröpftherapie weiss Alexandra Wolf genau, an welchen Stellen sie bei Da Vinci ansetzen muss, um seine Muskeln zu entspannen. Der ganzheitliche Ansatz ist ihr bei all ihren Sitzungen wichtig. Denn oft stellt sie fest, dass das sicht­bare Problem nicht zwingend auch das Grundproblem darstellt. «Manchmal lahmt ein Tier hinten links, das Problem liegt aber im Nackenbereich.» Deshalb führt sie eine genaue Anamnese mit dem Besitzer durch sowie ein Anschlussgespräch eine Woche nach der Behandlung, um aufgrund der Beobachtungen den Behandlungsplan anzupassen. «Ich muss unter anderem wissen, wie der Alltag des Pferdes aussieht, wie sein typisches Verhalten ist, welche Charaktereigenschaften es hat, welche chronischen Probleme auftreten, und wer es wie reitet.» Denn nicht selten kommt es vor, dass eine falsche Reithaltung die Ursache des Übels ist. Meist wendet Wolf dann eine osteopathische, physiotherapeutische oder eine Shi­atsu-Technik an und schliesst diese mit einer 20-minütigen Schröpftherapie ab. Vor allem bei gesunden Turnierpferden wird manchmal aber auch ausschliesslich die Schröpftherapie verlangt.

Alexandra Wolfs Leidenschaft für Pferde besteht bereits seit ihrer frühen Kindheit. «Ich bin praktisch auf einem Pferdehof aufgewachsen», erzählt sie. Denn obwohl ihre Eltern mit Pferden nichts am Hut hatten, verbrachte Wolf jede Minute ihrer Freizeit auf einem nahe gelegenen Hof im Zürcher Oberland, wo sie täglich die Pferde­boxen ausmistete, die Tiere fütterte und pflegte, um sich Reitstunden zu finanzieren und den Pferden so oft wie möglich nahe zu sein. Nach der Schule studierte sie Betriebswirtschaft und arbeitet seit 20 Jahren in der Finanzwirtschaft.

Ein Unfall liess sie umdenken

Das Jahr 2010 war schicksalhaft für die junge Frau. Bei einem Unfall erlitt sie einen Bandscheibenvorfall und fiel für sechs Monate aus. «Ich hatte permanent unerträgliche Schmerzen», erinnert sich Wolf. Auf der Suche nach alternativen Methoden der Schmerztherapie stiess sie auf die chinesische Medizin. «Bereits nach nur einer Sitzung mit einem Therapeuten aus China fühlte ich mich viel besser.» Zurück im Leben beschloss sie, ihre Erfahrungen mit der TCM und ihre Leidenschaft für Pferde zu ihrem zweiten beruflichen Standbein zu machen. «Ich liess mich in Deutschland zur zertifizierten Tierphysiotherapeutin, Tierosteopathin und Dorn-Therapeutin mit der Zusatzqualifikation Tierakupunkteurin ausbilden.» Zudem ist Alexandra Wolf diplomierte Tiershiatsu-Therapeutin ME. Alles in allem dauerte die Ausbildung etwas mehr als vier Jahre.

«Das sind sehr gefühlsbetonte Therapieformen, auf die sensible Tiere wie Pferde gut ansprechen.» Grundsätzlich glaubt sie sogar, dass Tiere besser darauf ansprechen als viele Menschen. «Menschen denken meist zu viel und lassen sich nur zögerlich darauf ein.»

Fast täglich neue Anfragen

Alexandra Wolf arbeitet nun seit zwei Jahren Teilzeit als Tiertherapeutin und behandelt vor allem mittwochs und an den Wochenenden bis zu sechs Pferde täglich. Sie hat Kundschaft in der gesamten Zentralschweiz und im Zürcher Oberland und reist jeweils selbst zu ihren 20 bis 25 Patienten. Fast täglich bekommt sie neue Anfragen. In ihrem eigenen Blog gibt sie Tierbesitzern regelmässig Tipps zur Behandlung ihrer vierbeinigen Lieblinge. «Viele haben eine tiefe Beziehung zu ihren Pferden und sind sehr dankbar für meine Behandlungen. Vor allem wenn sie sehen, dass unmittelbar danach die Schmerzen der Tiere gelindert werden.»

Schwierig ist es manchmal bei unheilbar kranken Tieren. «Die Frage, wann der Zeitpunkt gekommen ist, ein Tier zu erlösen, ist schwer zu beantworten.» Alexandra Wolf hat ein tiefes Gespür für die Leiden ihrer Patienten. «Solange ich noch Lebensfreude in ihren Augen sehe, gebe ich sie nicht auf.»

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