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BAAR: Pendler müssen anderswo shoppen

Wer abends am Bahnhof einkaufen will, der hat es schwer: Das Angebot an Geschäften ist im Vergleich zu Zug sehr klein. Abhilfe könnte ein Neubau in unmittelbarer Nähe schaffen.
Rahel Hug
Zu den Pendlerzeiten sind am Bahnhof Baar jeweils viele Personen unterwegs. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 27. Februar 2018))

Zu den Pendlerzeiten sind am Bahnhof Baar jeweils viele Personen unterwegs. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 27. Februar 2018))

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Von frischen Früchten über das Pausenbrötli und den Kaffee bis zum fixfertigen Znacht bekommen Pendler am Bahnhof Zug alles, was das Herz begehrt. Ausserdem gibt es eine Apotheke, ein Blumengeschäft und mehrere Take-Aways. Die Öffnungszeiten sind attraktiv: Der Coop am Gleis 3 beispielsweise hat von 5.30 bis 22 Uhr geöffnet.

Ganz anders ist die Situation in Baar. Wer hier am Abend am Bahnhof einkaufen will, hat ein Problem. Der Gotthard-Coop und die Migros an der Bahnhofstrasse schliessen um 19 Uhr, einen kleinen Lebensmittelladen im Bahnhofgebäude sucht man vergebens. Der Kiosk hat bis 21.15 Uhr geöffnet. Zum Vergleich: Jener in Zug schliesst um 22 Uhr, Freitags und Samstag sogar erst um 23 Uhr. Auch die Schalteröffnungszeiten sind in Baar weniger kundenfreundlich.

Sechsmal höhere Frequenzen in Zug

Weshalb diese Unterschiede? Ein Pendler, der in Luzern arbeitet, sagt gegenüber unserer Zeitung, dass er jeweils vor dem Heimgehen in Luzern einkaufe, da es an seinem Wohnort keine Möglichkeiten gebe. «Da wäre sicher noch viel Potenzial vorhanden.» Wie der SBB-Mediensprecher Christian Ginsig sagt, ist die Bevölkerungsgrösse nicht immer ausschlaggebend für die Grösse eines Bahnhofs in der jeweiligen Gemeinde. «Dies kann von Standort zu Standort sehr unterschiedlich ausfallen.» Die Personenfrequenzen (Shopping und Zugbenutzer) im Bahnhof Zug betragen laut Ginsig etwa das sechsfache des Bahnhofs Baar. In Zug sind es 41 500 reine Pendler und in Baar 8800. «Grundsätzlich ergibt sich das Dienstleistungs- und Ladenangebot in den Bahnhöfen aus der Nachfrage und der zur Verfügung stehenden Flächen», führt der Mediensprecher aus.

Besonders ist die Situation in Baar auch deshalb, weil mit Ausnahme des reinen «Bahnzugangs» das übrige Areal im Jahr 2006 an die Migros-Pensionskasse verkauft wurde. «Die SBB hat somit keinen Einfluss auf den Nutzungsmix oder die Öffnungszeiten der Läden und Restaurants», erklärt Christian Ginsig. In diesem Gebäude befinden sich unter anderem das Restaurant BBQ, der Caritas-Markt, das Fitness-Center Mrs. Sporty, ein Coiffuregeschäft und ein Wohndekorationsladen. Auf die Frage, weshalb das Lebensmittelangebot dort klein ist, sagt Christoph Ryter, Geschäftsleiter der Migros-Pensionskasse: «Im Rahmen der Erstvermietung im Jahr 2006 haben wir ein breites Spektrum von potenziellen Mietinteressenten angesprochen, um einen möglichst diversifizierten Mietermix zu erzielen. Der aktuelle Mietermix entspricht der Nachfrage, die seinerzeit nach diesen Flächen vorhanden war.» In unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Baar bestehe ein breites Angebot an Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel. «Bei sich künftig abzeichnenden Mieterwechseln wird sich zeigen, ob eine zusätzliche Nachfrage in diesem Segment in unserer Liegenschaft vorhanden ist», so Ryter. Man werde also erst dann aktiv, wenn sich ein Leerstand von Teilflächen abzeichne.

Ein Gebiet, auf dem künftig ein Gewerbehaus mit Läden entstehen könnte, ist der heutige Park-and-Rail-Platz, der sich auf der südlichen Seite auf Gleisniveau befindet. «Auf diesem Areal gibt es einen rechtskräftigen Bebauungsplan aus dem Jahr 1998. Wir klären zurzeit mit der Stadt, ob dieser überarbeitet werden soll», sagt SBB-Sprecher Ginsig. Seitens der SBB sei es denkbar, dort ein Geschäftsgebäude mit «attraktiven Bahnhofs-Öffnungszeiten» zu eröffnen.

Die Dorfstrasse nicht weiter konkurrenzieren

Pläne, denen auch die Gemeinde Baar positiv gegenübersteht. «Gemäss dem heute geltenden Bebauungsplan wäre ein dreigeschossiger Geschäftsbau möglich», sagt Urs Spillmann, Abteilungsleiter Planung/Bau. Für die Gemeinde ist insbesondere wichtig, dass im Zuge einer allfälligen Überbauung zusätzliche Veloparkplätze entstehen. «Das ist unser Hauptanliegen», sagt Spillmann. Der Abteilungsleiter sieht auch neue Geschäfte als Chance, hält jedoch fest: «Im Rahmen der Ortsplanungsrevision, die zurzeit anläuft, machen wir uns Gedanken über mögliche Entwicklungen am Bahnhof. Noch wichtiger ist aber aus unserer Sicht die Stärkung des Zentrums und der Dorfstrasse. Der Bahnhof soll das dortige Potenzial nicht weiter konkurrenzieren.»

Neben dem Bahnhof Zug ist auch jener in Rotkreuz stark frequentiert. Dort befindet sich ein Avec-Laden, der laut Homepage bis 22 Uhr geöffnet hat. Die Avec-Shops gehören zur Valora AG. Deren Sprecher Lukas Mettler sagt auf die Frage, ob man auch am Bahnhof Baar die Möglichkeit einer Avec-Filiale sehe: «Valora prüft regelmässig die Möglichkeiten neuer Verkaufsstellen und nimmt diese wahr, wenn es aus Sicht der Kundenbedürfnisse und kommerziell Sinn macht.» Valora betreibt auch die K-Kioske an den Bahnhöfen Zug und Baar. Auf die unterschiedlichen Öffnungszeiten angesprochen sagt Mettler: «Die Öffnungszeiten richten sich nach den bestehenden Kundenbedürfnissen vor Ort.» Auch bei Coop und Migros prüft man laufend potenzielle Standorte, wie es seitens der Medienstellen heisst. Sowohl im Gotthard-Coop wie auch bei der Migros am Bahnhof spürt man eine erhöhte Kundenfrequenz zu den Zeiten, in denen viele Pendler unterwegs sind.

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