BAAR: Rücktrittswelle im Pfarreirat

Im Gremium bleibt nichts mehr beim Alten. Die Gründe dafür sind zahlreich – mit der Pfarrwahl jedoch habe es nichts zu tun, sagt ein langjähriges Mitglied.

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Die Kriche St. Martin in Baar. (Bild: Archiv Neue ZZ)

Die Kriche St. Martin in Baar. (Bild: Archiv Neue ZZ)

«Der Pfarreirat St. Martin hat sich in der jetzigen Zusammensetzung per Ende Februar 2015 aufgelöst.» Diese Nachricht in den letzten Pfarreinachrichten hat wohl so manchen Leser aufhorchen lassen. Insbesondere, weil man eine genauere Erklärung vergebens sucht. «Zu einem späteren Zeitpunkt kann ein neuer Pfarreirat gegründet werden mit klar definierten Aufgaben. Die Mitglieder – Angela Glaus, Margrit Rast, Martina Lochmann, Ruedi Stäuble, Toni Noser, Wilson Nobre – wurden am Suppentag verabschiedet», heisst es lediglich. Mehr ist aus dem Pfarreiblatt nicht zu erfahren. Was ist passiert?

Unterschiedliche Meinungen

Auskunft über die Rücktrittswelle gibt Toni Noser. Er engagiert sich seit über 15 Jahren in der katholischen Kirche Baar, ist sowohl im Kirchenrat wie auch im Pfarreirat aktiv. Und dies nach wie vor, wie er erklärt: «Es sind zwar fast alle Mitglieder zurückgetreten, drei von uns machen jedoch weiter und stellen ein neues Gremium auf die Beine.» Effektiv sind also nur drei Personen zurückgetreten – und dies aus verschiedenen Gründen, wie Noser ausführt: «Einige Leute waren vor allem noch dabei, um zu diskutieren.» Die eigentliche Hauptarbeit, beispielsweise das Organisieren von Anlässen, sei nicht mehr von allen Mitgliedern getragen worden.

Ein Machtvakuum

Über die Aufgaben des Pfarreirats habe es unterschiedliche Meinungen gegeben. Das bedeute aber nicht, dass man im Unfrieden auseinandergegangen sei: «Es hat keinen Krach gegeben», bekräftigt Noser. Ein Mitglied sei zudem aus beruflichen Gründen, ein weiteres aufgrund eines Umzugs zurückgetreten.

Gleichzeitig will das langjährige Ratsmitglied festgehalten haben, dass die Rücktritte im Pfarreirat nichts mit den Diskussionen rund um die Pfarrwahl vom vergangenen Dezember zu tun hätten. Bekanntlich hatte es im Vorfeld der Wahl von Anthony Chukwu am 2. Dezember Widerstand aus dem Seelsorgeteam gegeben. Während der Kirchenrat die Wahl vorangetrieben hatte, äusserte das Seelsorgeteam Bedenken. Es sei zu viel nicht stimmig im Team, für die Pfarrerwahl sei es noch zu früh.

«Im Seelsorgeteam hat es Unstimmigkeiten gegeben, das ist richtig», so Toni Noser. Die Rücktritte im Pfarreirat hätten aber nichts damit zu tun. Vielmehr habe es nach dem Rücktritt der Pfarreileiter Klaus Hengstler und Joseph Kalamba sowie weiteren personellen Umwälzungen in der Pfarrei eine Art Machtvakuum gegeben – «dies haben wir nun verzögert gespürt. Mit der Person von Anthony Chukwu hat es aber überhaupt nichts zu tun.»

«Ohne Altlasten weitermachen»

Jetzt blickt Toni Noser nach vorne. «Es gilt nun, einen neuen Rat zusammenzubringen und ohne Altlasten weiterzumachen», sagt er. Mit der Auflösung habe man einen Schlussstrich gezogen, damit nun ein Neuanfang möglich sei. Derzeit sind die noch aktiven Mitglieder des Pfarreirates gemeinsam mit der Pfarreileitung daran, die Aufgaben zu diskutieren, um schliesslich möglichst bald ein neues Gremium zu konstituieren. «Es wird nun evaluiert, was genau vom Pfarreirat erwartet wird und wie es weitergehen soll», sagt Noser. Danach werde man auf die Suche nach freiwilligen Mitgliedern gehen.

Früher wollte es das Prozedere, dass der Pfarreirat von den Pfarreimitgliedern gewählt wird. Das sei aber seit längerem nicht mehr der Fall, erklärt Toni Noser. «Die Mitglieder werden in der Regel als still gewählt erklärt.» Bis nun ein neuer Pfarreirat zusammengesetzt sein wird, bleiben einige der bisherigen Mitglieder aktiv und sorgen dafür, dass die Arbeit weitergeführt wird.

Freiwilligenarbeit leisten

Zu den Aufgaben des Pfarreirats gehört es, das Seelsorgeteam in seiner Tätigkeit zu unterstützen, Projekte zu planen und Anlässe wie beispielsweise die Suppentage zu planen und dabei auch mitzuhelfen. Für Toni Noser ist klar, dass dies auch künftig in den Aufgabenbereich des Pfarreirats gehören soll: «Wir leisten Freiwilligenarbeit, und das werden wir auch weiterhin tun.»

Rahel Hug