BAAR: Sein aktueller Fall heisst Räbefasnacht

Vom «Langstrassenbub» zum Herrscher über die Räbemetropole: Peter I. Cosandey hat feierlich den hohen Thron bestiegen.

Natalia Widla
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Feierlich inthronisiert: der neue Räbevater Peter I. Cosandey. (Bild Roger Zbinden)

Feierlich inthronisiert: der neue Räbevater Peter I. Cosandey. (Bild Roger Zbinden)

Am vergangenen Samstagabend wurde endlich auch in einer der grössten Zuger Fasnachtsmetropolen, nämlich in Baar, das neue Fasnachtsoberhaupt ins Amt gehoben. Die Feierlichkeiten im prächtig geschmückten Gemeindesaal eröffnete die Guggenmusik Profis-Ohrisch. Mit grossem Pomp trat anschliessend der noch amtierende Räbevater René II. Tomic mit seinem Hofstaat den Gang zur Bühne an und liess sich – umringt von seinen Räbegäuggel – ein letztes Mal auf dem Thron nieder. Nach einem Rückblick auf sein Fasnachtsjahr wurden ihm schliesslich die Insignien abgenommen. «Es ist und bleibt für mich als Baarer Bürger die höchste Ehre, dass ich die Fasnacht 2013 als Räbevater, mit meiner Räbemutter Esthi an meiner Seite habe anführen dürfen», bedankt sich René Tomic.

Für Melancholie blieb aber nicht viel Zeit, denn mit tosendem Applaus wurde bereits der 66. irdische Vertreter des Räbechüng, Peter Cosandey, im Saal begrüsst. Alle scheinen sich auf die Amtszeit «Cosys» zu freuen, dabei sorgte der im Dorf vorerst noch eher Unbekannte vorgängig für einige Verwirrung: «Von Calmy-Rey bis Kamillentee war alles dabei», witzelt der Zeremo­nius Urs Odermatt. Er habe zudem schon etwas Respekt davor, in die Vergangenheit des designierten Räbevaters einzutauchen und dem Räbevolk davon zu berichten, gesteht Odermatt: «Geheimnisse und Vergehen aufzudecken, darin ist Cosy wohl besser als ich.» Spätestens hier wurde auch klar, warum ausgerechnet Gesetzesparagrafen aus dem ZGBOR an diesem Abend die Kleidung des Servicepersonals schmückten: Der im Zürcher Kreis 4 geborene Peter Cosandey ist Jurist, arbeitete in Zürich als Staatsanwalt und ist heute als Unternehmensberater und als Dozent an der Hochschule Luzern tätig. Daneben war er schon mehrmals als Fachmann für Wirtschaftskriminalität im Fernsehen zu sehen gewesen.

Von Zürich nach Baar

«D Fasnacht im Visier» lautet passenderweise das Motto, unter dem Peter I. zusammen mit seiner Räbemutter Renate, ebenfalls Juristin, durch die Fasnacht führen wird. «Ich habe einen langen und steinigen Weg hinter mir, vom einfachen Langstrassenbub zum Herrscher über die Räbemetropole Baar», sagt der charismatische Peter I. nach seiner feierlichen Inthronisation. Zahlreiche Delegationen, Familie und Freunde huldigten an diesem Abend dem neuen Räbevater bis tief in die Nacht und brachten dabei unter anderem des Räbevaters kriminelle Seite und andere Aufwartungen aus seiner Vergangenheit ans Tageslicht. Für musikalische Unterhaltung zwischen den Huldigungen sorgt die «Red Garter Dixieland Band».

«In den letzten Jahren war es immer ich, der andere ins Visier nahm, heute Abend bin ich selbst an der Reihe», freute sich Peter Cosandey über die zahlreichen Beglückwünschungen. Auch wenn sich Peter I. für die Fasnacht 2014 von der Arbeitslast befreien und sein neues Amt verinnerlichen wird, bittet Urs Odermatt das Räbevolk um etwas Verständnis: «Cosy ist ein wichtiger Mann, und wir werden es verstehen, wenn er sogar während der Fasnacht wird ausrücken müssen. Doch wir hoffen, dass wenn er das nächste Mal beim ‹10 vor 10› fachmännisch informieren wird, wenigstens unsere Plakette an seinem Tschoopen glänzt.»