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BAAR: Sein Trick mit dem geheizten Schlafsack brachte Silber

In den 1990er-Jahren sorgte Rolf Hager bei den Schweizer Skidamen für schnelle Ski ein Job mit vielen Facetten.
Ski sind sein Leben: Rolf Hager ist heute in Baar Werkstattleiter bei Völkl. (Bild Stefan Kaiser)

Ski sind sein Leben: Rolf Hager ist heute in Baar Werkstattleiter bei Völkl. (Bild Stefan Kaiser)

Mit dem schnellsten Ski aller Gestarteten ist Patrick Küng am Samstag an der WM im amerikanischen Beaver Creek in der Abfahrt der Männer zu Gold gerast. «Ich danke vor allem meinem Servicemann. Er hat einen grossen Anteil am Titel», diktierte der Glarner den Journalisten in die Notizblöcke. Der Servicemann selbst bleibt dabei ruhig im Hintergrund.

Betreute zahlreiche Fahrerinnen

Ganz so wie schon vor 20 Jahren. «Wir meinen nur intern, dass wir die Grössten sind. Ansonsten bleiben wir stumm», erklärt Rolf Hager. Der Mann muss es wissen: 1988 war er bei den Olympischen Spielen in Calgary als Servicemann erstmals auf der grossen Bühne dabei. Dabei war er unter anderem für die Ski der beiden Schweizer Superstars Maria Walliser und Brigitte Oertli verantwortlich. Aber auch die Topathletinnen Zoë Haas, Chantal Bournissen, Heidi Zurbriggen und Sonja Nef waren als Völkl-Fahrerinnen in der Serviceobhut von Rolf Hager. 1999 trat er dann als Servicemann ab. Zu den grössten Erfolgen in dieser Zeit gehört für ihn der Gesamtsieg im Abfahrtsweltcup, den Bournissen 1990/91 holte. «Denn das Material während einer ganzen Saison optimal zu präparieren, ist sehr anspruchsvoll.»

Früher selbst Rennen gefahren

Heute arbeitet der gebürtige Toggenburger in Baar im Technologiezentrum von Völkl Schweiz als Werkstattleiter. Er bereitet hier Kundenski und auch die neuen Modelle für die Händler vor. Dabei profitiert er von seinem Wissen aus dem Skiweltcup. «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, denn Ski sind meine Passion», sagt er und strahlt dabei zufrieden. Wehmut an die vergangene Zeit plagt ihn offensichtlich nicht.

Als Jugendlicher fuhr Hager selbst als Abfahrer FIS- und Europacup-Rennen. «Für den Sprung an die Spitze hat es aber nicht gereicht», so der 48-Jährige. «Durch meine Renntätigkeit kam ich mit Völkl in Kontakt, die damals den Rennservice Schweiz in meiner toggenburgischen Heimat hatte. Die Firma fragte mich an, ob ich Servicemann werden wolle so hat alles angefangen.»

Immer für ein Paar entschieden

Die Beziehung zwischen Fahrerin und Servicemann basiere auf Vertrauen, man teile Sieg und Niederlage. «Keiner haut den anderen nach einer schlechten Leistung öffentlich in die Pfanne», erklärt Hager, schliesslich sei man während einer Saison fast zehn Monate ein Team. «Das ist wie eine Zwangsehe. Bei den Transfers zwischen den Rennen in Europa sassen wir im gleichen Auto. Da wird ein Servicemann plötzlich auch zum Psychologen, wenn Girls aus ihrem Privatleben erzählen.»

Und wie wählt eine Athletin den Rennski aus? «Bis der jeweils gefunden war, vergingen vor einem Renntag viele Stunden», erzählt Hager. «Im ersten Training war noch lange nicht klar, welches Paar im Rennen angeschnallt wird. Ich habe mich langsam an das Material je nach Wetter und Piste herangetastet.» Dann habe die Fahrerin den Ski ausgewählt, und er habe ihn schnell gemacht. Bereitgestellt hat Rolf Hager seinen Fahrerinnen schlussendlich immer nur ein Paar. «Wären es mehrere gewesen, hätte das meine Unsicherheit gezeigt und mich dazu bewogen, sofort aufzuhören.»

Vor einem Rennen habe er oft die ganze Nacht mit den Ski verbracht wobei jeweils irgendein Raum zum Serviceraum umfunktioniert wurde. Denn die Präparation der Ski umfasst neben dem Schleifen der Kanten vor allem das Wachsen. Und das brauche Zeit. Viel Zeit. «Der Belag ist nicht einfach schwarz. Er lebt.» Das Wachs sorge dafür, dass sich die Reibung vermindere und der Ski schneller gleite, philosophiert Hager. Er redet und redet, obwohl dies eigentlich gar nicht seine Art ist, und klärt die Journalisten auf: «Wir Servicemänner reden eigentlich wenig und beobachten dafür umso mehr.»

Allerlei Wachsexperimente

Er habe mit der Natur gelebt. «Man muss das Wetter beobachten, den Schnee begutachten und bei den Trainings stand ich meistens irgendwo am Pistenrand.» Nur da bekomme man das Gefühl dafür, ob der Ski laufe oder nicht. Gerade in Nordamerika, wie jetzt bei der Ski-WM in Vail/Beaver Creek, sei die Waldgrenze sehr hoch, und der Wald speichere die Feuchtigkeit. «Man muss deshalb die Ski behandeln, als wären die Temperaturen hoch», so Hager.

Gerade Mitte der 1990er-Jahre habe es viele Experimente bezüglich Wachsen gemacht. An der Ski-WM in der Sierra Nevada in Andalusien lag zum Beispiel die Geheimwaffe von Heidi Zurbriggen im geheizten Schlafsack. Rund sieben Stunden lang lagerten die Ski hier drin. Rolf Hager erklärte dazumal dem Journalisten: «Wenn der Ski durch und durch aufgewärmt ist, zieht der Belag das Wachs dreimal tiefer ein als bei herkömmlicher Präparierung. Normal heisst etwa 3 Hundertstelmillimeter.» Zurbriggen vertraute ihrem Servicemann voll und ganz. «Wenn er überzeugt ist, fahre ich eben mit diesen Ski.» Sie gewann anschliessend WM-Silber ...

Mit eigenem Bügeleisen

Rolf Hager ging auch beim Bügeln eigene Wege. Er besass ein mit einem Mikrochip gesteuertes Bügeleisen, um das Wachs gleichmässig auf den Belag zu bringen. «Der Trick der Spezialanfertigung: Die Temperatur des Bügeleisens blieb konstant gleich. Bei den normalen Geräten gab es Temperaturunterschiede von bis zu 70 Grad.»

Freddy Trütsch und luc müller

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