BAAR: Seine Trümpfe haben gestochen

Ein Lehrling der Trumpf AG schafft beim Berufsabschluss den glatten Sechser. Das ist dem Auto­matiker nicht automatisch in den Schoss gefallen.

Valeria Wieser
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Philipp Weber an seinem Arbeitsplatz, an dessen Aufbau er selber beteiligt war: ein Testplatz für Messstrecken. (Bild: Neue ZZ / Werner Schelbert)

Philipp Weber an seinem Arbeitsplatz, an dessen Aufbau er selber beteiligt war: ein Testplatz für Messstrecken. (Bild: Neue ZZ / Werner Schelbert)

Philipp Weber weiss, was er kann – und prahlt nicht damit. Diese Kombination von reifer Souveränität und ehrlicher Bescheidenheit macht den gross gewachsenen 19-Jährigen aus Aeugst am Albis zu einem sympathischen und angenehmen Gesprächspartner.

Heute wird er wieder von sich erzählen – das ist etwas, was er in den letzten Tagen oft tun musste: Der Automatiker hat seine Lehrabschlussprüfung am GIBZ in Zug mit einem glatten Sechser in den berufsbezogenen Fächern abgeschlossen und ist somit der ganze Stolz der Trumpf Maschinen AG in Baar. Hier hat Philipp Weber in den letzten vier Jahren eine Lehre zum Automatiker absolviert. «Es war eine tolle Zeit, ich hatte sehr viele Freiheiten, durfte Projekte machen, die andernorts so sicher nicht möglich gewesen wären», sagt er.

«Ich habe mich gut vorbereitet»

Für Philipps Ausbildner Marco Benz sind all diese Freiheiten und Möglichkeiten Ausdruck von gegenseitiger Anerkennung: «Wir sind sehr froh, Philipp hier zu haben. Von Anfang an hatte er nur die besten Noten und war immer voll dabei.» Die Nachricht, dass Philipp mit seiner LAP-Note den Vogel abgeschossen hat, verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Unternehmen. «Aus allen Bereichen sind die Leute gekommen und haben ihm gratuliert», freut sich Marco Benz. Für den jungen Berufsmann kommt sein brillanter Abschluss nicht ganz überraschend: «Ich habe viel gelernt und mich gut vorbereitet.» Aber vom Lernen allein gibt es keinen glatten Sechser, das weiss auch er. Ein Genie sei er auf keinen Fall, die Erklärung ist noch viel simpler: «Automatik, Maschinenbau, Technik – das alles gehört schon seit Kindertagen zu meinen grössten Interessen. Und wenn mich etwas begeistert, dann will ich es auch möglichst gut machen – da bin ich schon ein Perfektionist.»

Erste Erfahrungen auf genannten Gebieten konnte Philipp Weber früh sammeln: Seinem Vater gehört ein Unternehmen in Affoltern am Albis, welches sich auf den Bau von Verpackungs­maschinen spezialisiert hat. «Mein Vater hat mich dort schon hineingezogen, ich habe immer viel mitgeholfen.» Auch sein liebstes Hobby, das Modellfliegen, gehört in diese technische Interessenecke: «Auch hier ist Elektrotechnik und Mechanik von grosser Bedeutung. Dies faszinierte mich, also beschloss ich, mein Hobby zur Lehre zu machen.»

Die Kanti kam nicht in Frage

Nach der Sekundarschule begann der damals 15-Jährige die Lehre bei Trumpf in Baar. Ein Übergang an die Kanti kam für ihn damals nicht in Frage: «Ich wollte konkrete, praktische Berufserfahrung sammeln und mich nicht auf blosse Theorie beschränken.» Bei Trumpf lernte Philipp in den letzten Jahren in allen Abteilungen der Produktion, der Entwicklung und im Serviceeinsatz, sein Handwerk zu perfektio­nieren.

In den letzten Monaten seiner Lehre arbeitete Philipp in der Produktionseinheit Industrialisierung (PE IN) an einem Testplatz für Messstrecken. «Wir hatten bereits einen Testplatz, welcher in die Jahre gekommen war, und benötigten dringend einen neuen. Zusammen haben wir diesen Teststand aufgebaut und überarbeitet», erklärt Marco Benz.

Jetzt, nach vier spannenden Jahren, naht der endgültige Abschluss seiner Lehre, danach geht es für Philipp Weber im Herbst ins Ausland, möglicherweise nach Amerika: «Wenn alles glattgeht, kann ich dort durch einen privaten Kontakt ein Praktikum machen und gleichzeitig eine Sprachschule besuchen.» Nach dem Sprachaufenthalt wird er voraussichtlich im Sommer 2014 ein Hochschulstudium in Maschinenbau antreten.

Ruhig im Rummel

Wohin ihn sein Weg nach dem dreijährigen Studium führen soll, lässt er offen: «Ich könnte mir vorstellen, bei meinem Vater einzusteigen, genauso wie wieder zurück zu Trumpf zu kommen.» Bevor er aber seine weitere Zukunft in Angriff nimmt, muss Philipp Weber zuerst noch einige Hände schütteln: unter anderem an der offiziellen Zeugnisvergabe. Nervös macht der Rummel um seine Person den 19-Jährigen nicht, vielmehr findet er diplomatische Worte: «Natürlich ist es schön, so eine Abschlussnote zu haben, aber die sehr guten Leistungen vieler anderer werden so leider zu Unrecht in den Hintergrund gedrängt.» Man kann Philipp nur das Beste wünschen für sein Leben nach den Gratulationen. Und man kann sich sicher sein: Behält er diese Mischung aus Begeisterung und Bodenhaftung bei, wird er es noch weit bringen.