BAAR: Sie exportieren die Fasnacht

Die Guggenmusik Belcantos reist an ein inter­nationales Kulturfestival in Schanghai. Dafür packen die Mitglieder ihre Instrumente schon im Hochsommer aus.

Silvan Meier
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Knapp 40 Baarer Guggenmusiker üben regelmässig für ihre Auftritte in Schanghai. (Bild Werner Schelbert)

Knapp 40 Baarer Guggenmusiker üben regelmässig für ihre Auftritte in Schanghai. (Bild Werner Schelbert)

Schränzt da eine Guggenmusik? Wer an einem der letzten Sonntagabende im Lättich unterwegs war, traute wahrscheinlich seinen Ohren nicht. Mitten im Sommer üben auch noch so fasnachtsbegeisterte Guggenmusiken nicht. Frühestens geht der Probebetrieb in der Regel Ende August los. Doch die Guggenmusik Belcantos macht dieses Jahr eine Ausnahme. Schon Anfang Mai haben sie ihre Trompeten, Posaunen, Hörnli, Sousafone und Schlagzeuge wieder ausgepackt und in der Ziegelhütte mit Proben begonnen. Nicht etwa, weil die Auftritte an der letzten Fasnacht so schlecht gewesen wären. Vielmehr hat die Gugge Belcantos Mitte September quasi schon wieder Fasnacht – im Fernen Osten. Die Baarer Guggenmusik mit einer mittlerweile gut 20-jährigen Vereinsgeschichte ist Gast am 24. Shanghai International Cultural Tourism Festival. Vom 13. bis 18. September nehmen daran über 2000 Künstler, Artisten und Musiker aus rund 40 Nationen teil.

Auch Ehemalige mit dabei

Die Baarer Delegation umfasst 39 Leute. Die meisten sind aktuelle Mitglieder der gut 45-köpfigen Guggenmusik. Weil aber nicht alle vom 10. bis 20. September Ferien nehmen können, hat die Gugge auch ehemalige Mitglieder eingeladen, an der Reise nach Schanghai teilzunehmen. Sieben haben die Chance gepackt und ihr Instrument wieder aus dem Keller geholt. «Die Ehemaligen sind schon wieder gut integriert», sagt Guggen-Dirigent Fabian Sidler. Auch musikalisch ist Sidler mit seinen Leuten zufrieden. «Es tönt schon ziemlich gut», sagt er. «Man merkt, dass wir nach der Fasnacht nur eine kurze Pause hatten und so das Level halten konnten. Aber es ist schon noch Potenzial da.» Die Gugge macht zwar nun eine kurze Probepause. Am 11. August sind die Sommerferien für die Belcantos aber schon wieder vorbei. Für den letzten Schliff trifft sich die Guggenmusik zudem am 24. August zu einem Probetag. Danach soll das mit acht Stücken leicht reduzierte Repertoire sitzen.

Gwändli werden umgenäht

Mit Probearbeit allein ist es für die Gugge allerdings nicht getan. Um die Reisekosten zu minimieren – jeder Teilnehmer soll maximal 1500 Franken aus der eigenen Kasse berappen müssen –, haben die Belcantos auf verschiedene Arten Geld gesammelt. So wurde ein Sommerfest organisiert, Sponsoren wurden angefragt, und die Mitglieder arbeiteten an diversen Festen im Service. Auch an der Nähmaschine wurden die Guggenmitglieder nochmals aktiv. Denn die Gwändli sind für Schweizer Fasnachtstemperaturen gemacht. In Schanghai wird es Mitte September aber schwülwarm sein.

Zehntausende am Strassenrand

Was die 40 Baarer Gugger in Schanghai erwartet, weiss Fabian Sidler selbst noch nicht genau. «Aber das Programm wird nicht nur aus Auftritten bestehen, wir werden auch Zeit für Sightseeing haben.» Die Gugge werde vor Ort von einem Reiseführer betreut. «Es wird sicher ganz anders als bei uns an der Fasnacht. Das kann man nicht vergleichen», sagt Sidler. «Es wird eine einmalige Sache, ein einmaliges Erlebnis.» Und das hätten auch die Guggen-Mitglieder verstanden: «Sie proben sehr konzentriert. Sie wollen in Schanghai wirklich gut sein.»

Der Aufwand lohnt sich: An der Parade auf einer der Hauptstrassen stehen erfahrungsgemäss Zehntausende am Strassenrand. Auch sonst ist die Begeisterung der Chinesen für Guggenmusiken gross, auch wenn sie den kulturellen Hintergrund kaum verstehen. Das jedenfalls haben zwei Guggen aus der Region berichtet, die bereits am selben Festival dabei waren. 2011 reiste die Chamer Guggenmusik Wäichbächer in den Fernen Osten, letztes Jahr waren die Dorf-Fäger aus dem schwyzerischen Steinerberg zu Gast in Schanghai.