BAAR: Sie zeigen Baar, wie es einmal war

In der Schrinerhalle sind ab Freitag Fotografien und Gemälde zu sehen, mit denen die Entwicklung der Gemeinde sichtbar wird. Eine Frage bleibt aber unbeantwortet.

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Philippe Bart (von links), Claudia Emmenegger und Adrian Scherrer haben für die Ausstellung viele Bilder ausgesucht, die noch nie zu sehen waren. (Bild: Christian Herbert Hildebrand / Neue ZZ)

Philippe Bart (von links), Claudia Emmenegger und Adrian Scherrer haben für die Ausstellung viele Bilder ausgesucht, die noch nie zu sehen waren. (Bild: Christian Herbert Hildebrand / Neue ZZ)

Im März oder aber spätestens im nächsten Monat zählt die Gemeinde Baar 24 000 Einwohner. Bis heute hat sich der Begriff «Dorf» aber gehalten. Eine Bezeichnung, die auch nicht so schnell verschwinden wird. Dies haben Philippe Bart (Gemeindearchivar), Claudia Emmenegger (Kulturbeauftragte) und der Wädenswiler Kunsthistoriker Adrian Scherrer bemerkt, als sie im Vorfeld der am Freitag in der Schrinerhalle beginnenden Ausstellung mit dem Thema «Stadt:: Dorf Baar» ausschwärmten und Passanten befragten.

«Es gibt keine einhellige Meinung in diesen Interviews, höchstens eine Tendenz», sagt Scherrer. Und das Pendel dürfte da wohl weiterhin für die Bezeichnung «Dorf» ausschlagen. Dieses Ergebnis überrascht nicht. Das Spannungsfeld zwischen Dorf und Stadt beschäftigt die Baarer seit einem halben Jahrhundert. Die Diskussion hat begonnen, als Baar statistisch gesehen 1963 per Definition zu einer Stadt geworden ist. Trotz dieser Tatsache gibt es in Baar immer noch eine Gemeindeversammlung. Die Installierung eines Parlamentes haben die Stimmbürger letztmals im Jahre 2001 abgelehnt. Auch gibt es in diesem Sommer «ein Dorf- und kein Stadtfest». Nichtsdestotrotz wollen die Ausstellungsmacher die altbekannte Fragestellung wieder ins Zentrum rücken. «Ab welcher Einwohnerzahl ist der Begriff Dorf nicht mehr opportun?»

Der starke Wandel ist sichtbar

Denn eines lässt sich nicht leugnen: Baar hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stark gewandelt. Dies zeigen Fotografien aus den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts auf eindrückliche Art und Weise und können in der neuen Ausstellung in der Schrinerhalle zum Teil erstmals angesehen werden. Da ist zum Beispiel ein Luftbild des bekannten Schweizer Flugpioniers Walter Mittelholzer (1894–1937) zu erwähnen, welches einen Blick auf den Baarer Osten zeigt. Darauf ist die Spinnerei erkennbar. Gegen den Zugerberg hin sind die vielen Hochstammbäume zu sehen, die heute zum grössten Teil verschwunden sind. Dieses Bild stammt wie alle anderen aus dem reichen Fundus der Gemeinde. In den vergangenen Jahren sind diese Zeitdokumente inventarisiert worden. Eine grosse Arbeit, umfasst doch alleine das Bilderarchiv der Baarer Einwohnergemeinde rund 2500 Fotografien und Postkarten. Diese Fülle hat die Ausstellungsmacher aber nicht abgeschreckt, wenn Claudia Emmenegger auch betont: «Bei der Auswahl hatten wir oft die Qual der Wahl.» 40 Fotografien sind nach einer kritischen Prüfung übrig geblieben. «Wir mussten die letzten Bilder noch hier in der Schrinerhalle aussortieren, weil für sie einfach kein Platz mehr war.» Die Weglassungen schaden der Ausstellung aber überhaupt nicht. Es muss ja nicht sein, dass das Rathaus, in dem früher auch ein Wirtshaus untergebracht war, gleich mehrfach gezeigt wird. Wichtig ist für die Ausstellungsmacher der Hinweis, dass die Bilder «nicht allein aus ästhetischen Gründen ausgewählt wurden». Wäre dies die Richtschnur gewesen, wäre wohl kaum ein Bild aufgehängt worden, das den Abschnitt der Autobahn bei Blickensdorf zeigt, welche am 10. Juli 1979 eröffnet worden ist. Die Fotografie ist aber ein wichtiges Zeitdokument.

Auch unbekannte Werke zu sehen

Ergänzt werden die Fotografien durch zahlreiche Gemälde von Künstlern wie Alex Stocker, Eugen Hotz, Walter Haettenschwiler oder Hans Potthof. Aber auch Werke weniger bekannter Maler wie Heinrich Maurer, Emil Dill oder Jean Küderli sind berücksichtigt worden. Auch hier fiel die Auswahl schwer, ist die Gemeinde doch im Besitze von über 1000 Kunstwerken.

Hinzu kommen noch verschiedene Stiche. Einer davon ist mehr als dreihundert Jahre alt und zeigt das Bad Walterswil. «Es ist die älteste bildliche Darstellung Baars, die es gibt», sagt der Kunsthistoriker Adrian Scherrer.

Alles in allem ist den drei Ausstellungsverantwortlichen eine sehenswerte Auswahl gelungen, die einen Besuch in jedem Fall lohnt. Wer in den zehn Tagen keine Zeit zur Besichtigung findet, kann das Verpasste ab dem 26. Juni in der Burg Zug besichtigen. Dort wird, wie sich Bart ausdrückt, ein «Best-of» gezeigt.

Marco Morosoli