Baar

Stich für Stich das Coronavirus bannen: Das Zuger Impfzentrum ist für den Betrieb gerüstet

Innerhalb kurzer Zeit hat der Kanton Zug ein zentrales Impfzentrum aus dem Boden gestampft. Die verkehrsgünstige Lage hat bei der Ortswahl auch eine Rolle gespielt. Hier finden impfwillige Zuger einen sicheren Hafen.

Marco Morosoli
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Eingang ins Impfzentrum Zug, das in Gebäuden der alten Spinnerei in Baar betrieben wird.

Eingang ins Impfzentrum Zug, das in Gebäuden der alten Spinnerei in Baar betrieben wird.

Bild: Stefan Kaiser (8. Januar 2021)

Der bekannte deutsche Mikrobiologe Stefan Winkle (1911-2006) bezeichnete in seinem Standardwerk «Die Kulturgeschichte der Seuchen» die Spanische Grippe als «schwerste Grippeepidemie des 20. Jahrhunderts». Es waren damals 40 Prozent der Weltbevölkerung erkrankt oder in einer Zahl ausgedrückt: 700 Millionen. Gestorben sind geschätzte 20 Millionen Menschen.

Vor hundert Jahren hatten die Mediziner den Auslöser Spanischer Grippe noch nicht gekannt. Heute haben Wissenschafter das Coronavirus bereits in Rekordzeit bis ins kleinste Detail durchleuchtet, ausgemessen und analysiert. Seit kurzem gibt es sogar einen Impfstoff gegen die aktuelle Seuche. Und weitere Hersteller von Impfstoffen befinden sich auf der Zielgeraden für die Zulassung. Der Kanton Zug eröffnet sein zentrales Impfzentrum am Montag in Baar genau zum rechten Zeitpunkt. Innerhalb kürzester Zeit haben das Kantonsspital Zug in Baar und die Andreas Klinik in Cham zusammen mit Spezialisten die Anlage im Gewerbepark an der Lorze in Baar aufgebaut. Sie vermag bei Vollbetrieb pro Tag rund 700 Erstimpfungen vorzunehmen.

Der Kanton Zug ist im Vorfeld der grössten Impfaktion in der Schweiz verschiedentlich für den späten Start gescholten worden. Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister entgegnet dem Vorwurf:

«Der Kanton Zug impft seit dem 23. Dezember 2020. Seither koordiniert die mobile Impfequipe in Absprache mit den Heimleitungen die Impfung von Bewohnerinnen und Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen.»

Pfister erinnert zudem daran, dass dem Aufbau eines Impfzentrums mit der Rekrutierung des Personals, um es effizient zu betreiben, wie auch mit der Bereitstellung der Software für die Anmeldung aufwändige Prozesse vorangehen würden, was eine gewisse Zeit benötige.

Zusammenarbeit zwischen Kantonsspital und Andreas Klinik

Das Zuger Impfzentrum ist ein Schulterschluss zwischen dem Kantonsspital Zug in Baar wie auch der Andreas Klinik in Cham. Jonas Zollinger, der Chef der Andreas Klinik, sprach beim Presserundgang am Freitag, 8. Januar 2021, davon, dass bei der Suche nach einem geeigneten Standort nicht nur die verkehrstechnische Situation eine Rolle gespielt habe. Vielmehr sei der Suchradar nach einer Baute mit viel Platz auf einer Ebene ausgerichtet gewesen. Die Räumlichkeiten in der ehemaligen Spinnerei Baar haben eine Grundfläche von rund 2500 Quadratmetern. Wie ein mit der Einrichtung befasster Fachmann sagte, seien die verschiedenen Bauteile für Gassen, Schleusen und Impfplätze innert kürzester Zeit verfügbar gewesen. Zudem ist die Anlage rollstuhlgängig und auch die nötige Diskretion ist gewahrt.

Im Bild erklärt Martin Wenzel, Leiter des Impfzentrums, wie geimpft wird.

Im Bild erklärt Martin Wenzel, Leiter des Impfzentrums, wie geimpft wird.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 8. Januar 2021)

Bis am kommenden Montag, 11. Januar 2021, haben die Verantwortlichen drei Testreihen unter realen Bedingungen durchgespielt. Dem Vernehmen nach seien da und dort noch Anpassungen notwendig, doch im Grossen und Ganzen sei alles am Platz. In der ersten Impfwoche haben die Betreiber der Fachstelle wider die Coronavirus-Pandemie vor, pro Tag rund 200 Personen zu impfen. Es können, vorausgesetzt die Menge der zur Verfügung stehenden Impfdosen vergrössert sich, pro Tag 700 Dosen verabreicht werden.

Wie Kantonsspital-Chef Matthias Winistörfer gegenüber den Medien betonte, sei das Personal verfügbar und für die Erfüllung ihrer Aufgaben gerüstet. Masken sind ebenso vor Ort greifbar wie Desinfektionsmittel. Auch für die Verköstigung der Impfer und ihrer Helfer ist gesorgt. Das Protokoll der Abfolge von bestimmten Taten geben die medizinischen Verantwortlichen mit rund einer halben Stunde an. Es sind zwei Impfungen notwendig.

Zum ersten Stich muss sich die Person online anmelden oder sich für diesen Vorgang bei einer Hotline unter 041 531 48 00 Hilfe suchen. Mit Bestimmtheit sagt Jonas Zollinger:

«Man kann nicht einfach vorbeikommen und sich impfen lassen.»

Wer im Vorfeld alles Wissenswerte zur Impfung erfahren wolle, den verweist der Kanton Zug auf die Website www.corona-impfung-zug.ch.

Regierungsrat Martin Pfister besichtigt das Impfzentrum. Links: Martin Wenzel, Leiter Impfzentrum.

Regierungsrat Martin Pfister besichtigt das Impfzentrum. Links: Martin Wenzel, Leiter Impfzentrum.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 8. Januar 2021)

Dass der Kanton Zug nun am Montag, 11. Januar 2021, loslegen kann, bezeichnete der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister als «Meilenstein». In welchen Status Behörden das Ereignis «Impfstart» einreihen, dürfte vielen Zugern egal sein. Sie interessiert, wann sie zum Stechen antreten können.

Kantonsarzt Rudolf Hauri jedoch warnte von Freudensprüngen. Das Vorgehen entspreche der Impfstrategie des Bundes. Zuerst bekämen die über 75-jährigen Zugerinnen und Zuger eine Impfdosis verpasst. Dann die Mitmenschen mit chronischen Erkrankungen. Hernach folgen die weiteren Altersklassen nach einem definierten Abfolgeplan. Hauri hebt dann den Mahnfinger und sagt:

«Bei der bedrohlichen Lage und den aktuell hohen Fallzahlen haben die Abstands- und Hygieneregeln weiterhin oberste Priorität.»

Dies auch deshalb, weil «der Effekt der intensivierten Impfaktivitäten nicht unmittelbar spürbar» sei. Das könne Monate dauern.

Das Impfzentrum ist nicht nur dynamisch hochfahrbar, sondern derzeit ist auch unklar, wie lange die Institution Impfungen anbietet. Kantonsspital-Chef Matthias Winistörfer wagt eine Prognose und nennt das dritte Quartal als Zeitpunkt des finalen Stichs. Martin Pfister hat die Hoffnung, dass viele Zuger sich Impfen lassen: «Wir empfehlen die Impfung.» Er zitiert dabei Studienergebnisse, welche ergeben hätten, dass die Impfung das Coronavirus bannt und so vor einer Erkrankung schützt. Der Kanton Zug mache denn auch Werbung auf den verschiedensten Kanälen, wohlwissend, dass das Impfen gegen das Coronavirus freiwillig und gratis ist.