Vernetzung und Aufwertung des Baarer Zentrumsgebiets  

Die Nutzungsstrategie zur Zentrumsneugestaltung wurde am Montag der Bevölkerung vorgestellt. Die Gemeinde Baar bekannte sich zur Leaderrolle bei der Umsetzung. Die Anwesenden reagierten kritisch.

Cornelia Bisch
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Das Dorfzentrum der Gemeinde Baar soll attraktiver gestaltet werden. (Bild: Stefan Kaiser (8. Mai 2018))

Das Dorfzentrum der Gemeinde Baar soll attraktiver gestaltet werden. (Bild: Stefan Kaiser (8. Mai 2018))

Abgestützt auf die Ergebnisse der Stadtanalyse sowie einer Umfrage und von Workshops mit Grundstückseigentümern, Gastronomen und Detaillisten entwickelte die Gemeinde eine Nutzungsstrategie für das Zentrumsgebiet unter dem Begriff «VernetzBAAR». Dabei wurde sie unterstützt von den Fachleuten Daniel Bauer und Heini Forrer der Organisation Netzwerk Altstadt, die bereits die Stadtanalyse im letzten Jahr erstellt hatten. Eckpunkte des Zentrumsbereichs sind Bahnhof, Dorf- und Kirchplatz.

Am Montagabend stellten die beiden Fachleute der Bevölkerung die Strategie vor. Bauvorstand Jost Arnold bekannte sich im Namen der Gemeinde klar zu deren Leaderrolle bei der Umsetzung, bat jedoch die Bevölkerung um ihre aktive Mitwirkung.

An den Workshops waren verschiedene Ziele formuliert worden. Verkehrsentlastung kristallisierte sich als eines der wichtigsten heraus, dies auch unter Berücksichtigung der künftigen Verkehrsentwicklung im Dorf durch die Eröffnung der Tangente 21. Ein weiterer Punkt war die Schaffung attraktiver Grün- und Begegnungszonen. Allgemein wurde festgestellt, dass dem Dorf mehr Ambiente zu wünschen sei und die Zusammenarbeit zwischen Gastronomen, Detaillisten, Grundeigentümern und der Gemeinde verstärkt werden sollte. Die Nutzungsstrategie sieht denn auch die Schaffung eines Dorfparks, die Vernetzung der Bahnhof-, Post- und Dorfstrasse sowie die Arealentwicklung des dazwischen liegenden Gebietes vor.

Treffpunkt für die Bevölkerung

Dabei wurden verschiedene Stossrichtungen mit konkreten Massnahmeplänen vorgestellt. «Die Dorfstrasse soll zur verkehrsberuhigten Visitenkarte der Gemeinde werden», führte Heini Forrer aus. «Sie soll wie das Wohnzimmer sein, in dem man sich wohlfühlt.» Der Dorfplatz solle mit der Dorfstrasse verschmelzen, zu einem Treffpunkt für die Bevölkerung werden, wo Konzerte und ein Wochenmarkt stattfinden könnten.

Darüber hinaus empfahl er die Schaffung eines sogenannten «Leuchtturmgebäudes», in welchem es gastronomische, kulturelle sowie Freizeit- und Detailhandelsangebote geben soll. «Es müssen Frequenzen geschaffen werden», erklärte der Fachmann. «Mut zur Lücke», schlug er hinsichtlich der Schaffung eines Dorfparks vor. Ferner soll ein regionales Detailhandelskonzept zur Stärkung des Ortskerns erstellt werden.

Für die Koordination und Realisierung empfahl er die Schaffung einer «IG-Zentrum», die Anstellung eines Dorfentwicklers durch die Gemeinde und die Pflege einer engen Zusammenarbeit sämtlicher Beteiligter. Bauchef Jost Arnold bekräftigte die Absicht der Gemeinde, eine solche Fachperson beizuziehen. Ebenfalls soll für das Gestaltungskonzept Zentrum ein Wettbewerb stattfinden und ein Studienauftrag im Umfang von rund 200 000 Franken erteilt werden.

Knackpunkt Verkehr

Zahlreiche Wortmeldungen des versammelten Auditoriums drehten sich ums Thema Verkehr. Mehrere Einwohnerinnen und Einwohner schlugen dessen komplette Ausgrenzung aus der Kernzone vor. Daniel Bauer hielt dagegen: «Das Gebiet ist nicht gross genug für eine funktionierende Fussgängerzone», argumentierte er. Im Gegenteil würde dies eventuell den Detailhandel gefährden. Allenfalls denkbar wäre für ihn hingegen die Einführung geregelter Benutzungszeiten durch den Verkehr.

Wiederholt wurde angeregt, auch die Gebiete ausserhalb der Kernzone in die Planung mit einzubeziehen. Dies würde den Auftrag der Fachleute sprengen, betonte Daniel Bauer. «In einem zweiten Schritt könnte man ein erweitertes Gebiet ins Auge fassen.»

Weiter wurden Ideen in Richtung Renovierung von Altbauten sowie generell einer bunteren Fassadengestaltung laut. «Dies ist Sache der Eigentümer», klärte Bauer auf und räumte ein: «Die diesbezüglichen Verhandlungen gestalten sich eher träge.»

Dies sei jedoch ein langfristiges Projekt, das nicht in den nächsten ein bis zwei Jahren umgesetzt werden könne, mahnte Bauer zur Geduld. «Unser Ziel ist es, Ihnen eine Idee zu geben und eine gewisse Dynamik loszutreten.» Die Gemeinde Baar verfüge grundsätzlich heute schon über eine sehr hohe Landschafts-, Lebens- und Arbeitsqualität. «Im Zentrum gibt es noch Verbesserungspotenzial, das mit gutem Willen zur Zusammenarbeit ausgeschöpft werden kann.»