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BAAR: Thomas Dietziker, ein Sehender im Blindenwesen

Der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen hat einen neuen Präsidenten gewählt. Anders als die früheren Amtsinhaber ist dieser nicht von Blindheit oder einer Sehbehinderung betroffen.
Andrea Muff
Thomas Dietziker ist der neue Vereinspräsident. (Bild: Maria Schmid (Baar, 6. Juli 2017))

Thomas Dietziker ist der neue Vereinspräsident. (Bild: Maria Schmid (Baar, 6. Juli 2017))

Interview: Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen (SZB) begleitet, berät und unterstützt seit 1903 Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen. Nun hat die Schweizerische Dachorganisation einen neuen Präsidenten ­gewählt: Thomas Dietziker, Direktor des Heilpädagogischen Schul- und Beratungszentrums Sonnenberg in Baar. Der gebürtige Baarer erklärt, was seine Ziele sind und wie es dazu kam, dass er als «Nicht-Betroffener» zum Präsidenten gewählt worden ist.

Thomas Dietziker, wie sind Sie zu diesem neuen Amt gekommen?

Ich bin schon seit acht Jahren im Vorstand und bin in verschiedenen Funktionen und Kommissionen tätig gewesen. In dieser Zeit habe ich den Verband gut kennen gelernt. Auf diese Legislatur hat sich dann ein grosser Wechsel im Vorstand abgezeichnet. Fünf Personen mussten aufgrund der Amtszeitbeschränkung zurücktreten, und nicht bei allen Mitgliedern war die Wiederwahl klar. Auch das Präsidium musste neu besetzt werden.

Wann haben Sie sich entschieden, für dieses Amt zu kandidieren?

Im vergangenen September bin ich innerhalb des Vorstands erstmals auf diese Möglichkeit angesprochen worden. Ich war damals der Meinung, das Amt sollte ein Betroffener übernehmen. Im Dezember wurden weitere Gespräche geführt. Damals sagte mir der Verbandspräsident der Selbst­hilfe seine Unterstützung zu. Zu diesem Zeitpunkt habe ich gemerkt, dass es mein eigenes Gefühl war, das mir gesagt hat, das Amt könnte ein Betroffener glaubwürdig ausüben. Im Verband wurde dies aber anders beurteilt. Im Februar habe ich mich dann intensiv mit der Kandidatur auseinandergesetzt und mich im April beworben.

Was denken Sie, was ist der Grund, weshalb Sie gewählt wurden?

Mit meiner Arbeit in den verschiedenen Kommissionen und Bereichen habe ich bewiesen, dass ich eine verbindende Funktion einnehmen kann. In einer Dachorganisation, wo die Selbsthilfe, also die Betroffenen, mit der Fachhilfe zusammenarbeiten, ist es extrem wichtig, Gemeinsamkeiten und nicht Trennendes zu finden. In erster Linie geht es also darum, gemeinsame Themen und Interessen auszumachen. Ich bin der Meinung, das ist mir in meiner bisherigen Arbeit im Vorstand gut gelungen, und darum wurde ich zum Präsidenten gewählt.

Sind Sie der erste Präsident, der nicht sehbehindert ist oder im näheren Umfeld davon betroffen ist?

Die letzten Präsidenten des SZB waren entweder selbst oder innerhalb ihrer Familie von Sehbehinderung oder Blindheit betroffen.

Was sind die Aufgaben der Dachorganisation?

Der SZB deckt alle Themen ab, welche die Selbsthilfe oder die Fachhilfe nicht übernehmen. Das heisst etwa, wir haben eine Forschungsstelle, stellen Hilfsmittel her oder importieren und vertreiben diese. In Kommissionen lösen wir beispielsweise Probleme im pädagogischen Umgang, und wir bieten Fort- und Weiterbildung für die Branche an. Gleichzeitig vertreten und unterstützen wir die Interessen unserer Mitgliederorganisationen und handeln für sie Leistungsverträge mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen aus.

Was fällt nun ins Ressort des Präsidenten?

Ich bin der strategische Kopf der Organisation. So nehme ich an Verhandlungen mit Bundesstellen teil und leite natürlich die Sitzungen des Vorstandes. Momentan präsidiere ich auch noch die Qualitätssicherungskommission. Zudem möchte ich die verschiedenen Teilverbände näher zusammenbringen, damit wir gemeinsam unterwegs sind und solidarisch für die Themen Blindsein und Sehbehinderung ein­stehen. Dies ist vor allem jetzt wichtig, wenn die Kantone Sparprogramme lancieren. Nur miteinander können wir erreichen, dass keine wichtigen Leistungen gekürzt werden. Wir wollen gemeinsam dafür kämpfen, dass betroffene Menschen die notwendige Fachunterstützung erhalten.

Mit dem Sehbehinderten- und Blindenwesen haben Sie aber einen beruflichen Berührungspunkt?

Das ist richtig. Seit 2006 bin ich Direktor des Heilpädagogischen Schul- und Beratungszentrums Sonnenberg. Als ich damals in Cham meinen Rektorenposten aufgegeben und nach Baar gewechselt habe, hatte ich die Idee, dass eine Sonderschule als Teil des Schulsystems jene Leistungen bereitstellen soll, welche von der Regelschule nicht selbst erbracht werden können.

Was ist Ihr Erfolgsrezept in diesem Bereich?

Wir fördern Kinder und Jugendliche adäquat und entsprechend ihren Möglichkeiten, egal, was sie mitbringen. Wir bewegen und verändern unsere Modelle ständig wann immer notwendig, um Kindern und Jugendlichen die passende integrative oder separative Unterstützung anbieten zu können. Sonder- und Regelschule müssen ein gemeinsames System bilden. Der Sonnenberg ist nicht mehr nur eine Schule für Blinde und Sehbehinderte, sondern hat ein breites Angebot für sehbehinderte und blinde, sehbehinderte und blinde mehrfachbehinderte, sprachbehinderte und verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche aufgebaut.

Was bedeutet Ihre Wahl zum Präsidenten für den Sonnenberg?

In erster Linie ist das Amt eine grosse Ehre, auch für den Sonnenberg. Denn die Wahl zeigt, dass der Sonnenberg als Fachorganisation eine landesweite Anerkennung geniesst und ich als Direktor dieser Institution glaubwürdig bin.

Ein Blick in die Zukunft: Sind Neuerungen im Sonnenberg geplant?

Ja, im August eröffnet der Ambulante Psychiatrische Dienst für Kinder und Jugendliche in Zusammenarbeit mit uns ein Tagesambulatorium für akut psychisch kranke Kinder und Jugendliche. Für unser Zentrum ist das Angebot eine logische Ergänzung.

Hinweis:Thomas Dietziker (58) ist seit 2006 Direktor des Heilpädagogischen Schul- und Beratungszentrums Sonnenberg in Baar. Er ist ausgebildeter Primarlehrer, schulischer Heilpädagoge und hat einen Master im Schulmanagement. Seit acht Jahren ist er im Vorstand des Schweizerischen Zentralvereins für das Blindenwesen. Er lebt mit seiner Familie in Hünenberg.

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