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BAAR: Tochter will Vater nicht sehen

Eine geschiedene Mutter kämpft gegen den Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbe­hörde (Kesb). Grund: Ihr Ex hat das Besuchsrecht fürs gemeinsame Kind erhalten.
Wolfgang Holz
Ein Logo der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. (Symbolbild) (Archivbild Neue NZ)

Ein Logo der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. (Symbolbild) (Archivbild Neue NZ)

Wolfgang Holz

«Angela* hat immer wieder geklagt, dass sie nicht mehr zu ihrem Vater wolle – da er sie anschreie und nie etwas mit ihr unternehme», erzählt Petra M.*, die 39-jährige Mutter von Angela. Petra M. wohnt in Baar und ist seit sieben Jahren quasi alleinerziehende Mutter. «Die ganze Verantwortung für meine inzwischen 9-jährige Tochter lag immer bei mir.» Im Dezember 2015 habe sie sich scheiden lassen. Seit März kämpfe sie mit der Kesb.

Grund: Obwohl ihr früherer Partner seit einem Jahr keinen Kontakt mehr zu seiner Tochter gehabt habe, sei ihm vom Gericht im Rahmen des Scheidungsverfahrens das Besuchsrecht zugesprochen worden. Sprich: Bis September sollte ihr Ex-Gatte drei Stunden lang jeden zweiten Sonntag im Monat seine Tochter sehen dürfen – allerdings nur in begleiteter Form. Denn dieser sei IV-Rentner, beziehe Hilflosenentschädigung und lebe bei seinen Eltern.

«Tochter hat Angst vor dem Vater»

«Diesem Entscheid habe ich auch zugestimmt», so die berufstätige Mutter, «wenn dies Angela», für die sie das alleinige Sorgerecht bekommen habe, «auch möchte.» Am 1. März sei ihre Tochter Angela deshalb von der Kesb angehört worden, um zu erfahren, wie sie zu den Besuchstagen stehe. «Im Gespräch ging dann hervor, dass sie grosse Angst vor ihrem Vater hat und ihn nicht sehen möchte.» Ihr geschiedener Mann sei psychisch instabil und habe schon mehrmals ein aggressives Verhalten gegenüber Angela und ihr selbst an den Tag gelegt. Bei der Trennung sei sogar häusliche Gewalt im Spiel gewesen.

Petra M. versteht deshalb die Welt nicht mehr. «Die Kesb ignoriert die Aussage meiner Tochter, und statt das Kind zu schützen, werden wir unter Druck gesetzt und bedrängt, diese begleiteten Besuchstage durchzuführen – trotz der Angst meiner Tochter», kritisiert die Mutter. Auch der Beistand, den sie bekommen habe, sei weder eine Hilfe noch eine Betreuung für sie. «Die Wünsche von Angela werden ignoriert, es werden keine Abklärungen gemacht, und beim Beschluss wurde die aufschiebende Wirkung entzogen – aus Dringlichkeit.» Ihre Tochter könne kaum schlafen und leide unter psychischem Druck. Aus diesem Grund hat Petra M. beim kantonalen Verwaltungsgericht einen Rekurs gegen den Entscheid der Kesb eingelegt, um das Besuchsrecht anzufechten. «Die Kesb setzt sich doch angeblich für das Wohl von Kindern ein – also warum werden die Besuchstage nicht sistiert?», fragt die Mutter.

Die Zuger Kesb nimmt zu dem Fall aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Stellung. Allgemein sagt Kesb-Leiterin Gabriella Zlauwinen zum Thema Besuchsrecht, «dass im Normalfall minderjährige Kinder unter der gemeinsamen elter­lichen Sorge von Vater und Mutter stehen.» Wenn die elterliche Sorge oder Obhut nur einem Elternteil zustehe, hätten der andere Elternteil und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr. Zlauwinen: «Auch der nicht Obhut berechtigte Elternteil hat grundsätzlich ein Recht auf persönliche Kontakte zum Kind. Deshalb wird das Einverständnis des sorgeberechtigten Elternteils nicht vorausgesetzt.» Doch sei die Behörde bestrebt, beide Elternteile unter Berücksichtigung des Kindeswohls für das Gelingen der Besuche zu «motivieren».

Kesb: «Kann auch sistiert werden»

Bei konfliktreichen Verhältnissen kann übergangsweise ein begleitetes Besuchsrecht von der Kesb angeordnet und von einem Beistand organisiert, begleitet und überwacht werden. Zlauwinen: «Diese Besuche sind von Fachleuten begleitet und finden zusammen mit anderen Kindern und Elternteilen an einem neutralen Ort statt.» In sehr schwierigen Fällen könne eine 1:1-Betreuung in Betracht gezogen werden: Eine Fachperson betreue das Kind sowie den Elternteil dann während des gesamten Besuchs.

«Wird das Wohl des Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet, kann das Besuchsrecht verweigert oder entzogen werden», sagt Zlauwinen. Sprich: Die Kesb kann in Ausnahmefällen wie etwa bei Verdacht auf sexuelle Übergriffe und/oder bei einer Gefährdung der körperlichen Integrität in Einklang mit der bundesrechtlichen Rechtsprechung das Besuchsrecht aufheben oder sistieren.

* Namen von der Redaktion geändert.

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