BAAR: Trotz der Unterschiede gibt es Verbindendes

Im Begegnungs- und Bildungszentrum Eckstein hat ein interreligiöser Dialog zwischen Christen und Muslimen stattgefunden. Dabei wurde der offene Austausch gesucht. Die Diskussionsrunde war international besetzt.
Diskutieren Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen (von links): Johannes Vetter, Serkan Yapici, Imam Hasan Övmek (von der Moschee Baar) sowie Farouk und Schéhérazad Mesli. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 4. Februar 2018))

Diskutieren Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen (von links): Johannes Vetter, Serkan Yapici, Imam Hasan Övmek (von der Moschee Baar) sowie Farouk und Schéhérazad Mesli. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 4. Februar 2018))

Aus Algerien, Italien, Österreich, der West- oder der Zentralschweiz stammen die Teilnehmer der Tagung im Baarer Zentrum Eckstein. Ziel ist es, dass Muslime und Christen ins Gespräch kommen, den Dialog suchen – und das natürlich in einem familiären und freundschaftlichen Rahmen. Der Saal im Begegnungs- und Bildungszentrum Eckstein ist kurz vor Beginn rappelvoll. Nach einer Begrüssung sowie Vorstellung der Vortragenden lauschen die Besucher gespannt den Ausführungen. So werden in einem ersten Teil persönliche Berichte und Erfahrungen von Muslimen und Christen geteilt. Farouk und Shéhérazad Mesli aus Algerien berichten, wie ihre Begegnung mit der Fokolar-Bewegung (eine katholische Gemeinschaft) ihr Leben verändert und das Ehepaar näher zusammengebracht hat. «Von Anfang an sind wir wirklich eingetaucht in dieses neue Leben», berichtet die Muslimin Shéhérazad Mesli, die seit 42 Jahren verheiratet ist und die Gott «neu als Liebe entdeckte», wie sie erklärt.

Ihr Ehemann stimmt dem zu und betont, dass ihr Glaube ihnen die Furcht genommen habe vor dem Terrorismus, der Anfang der 1990er-Jahre stark ausgeprägt war in ihrem Land. Die weiteren Teilnehmer sind mitgerissen von den lebhaften und herzlichen Ausführungen der beiden.

Gestärkter Glaube durch Austausch

Johannes Vetter aus Wien berührt und bewegt mit seiner Geschichte, wie er den Weg zum christlichen Glauben fand. In Jugendjahren hatte er den Kontakt zur Religion verloren und sei schliesslich durch eine Jugendgruppe der genannten Fokolar-Bewegung auf den Weg des Glaubens zurückgekehrt. «Der Kontakt zum muslimischen Glauben hat meinen eigenen christlichen Glauben gefestigt und gestärkt, besonders, als ich die Schönheit und das Licht des Islams kennen gelernt habe», bestätigt Johannes Vetter, der unter anderem einer akademischen Dialoggruppe von Muslimen und Christen angehört.

Verständnis und Austausch der beiden grossen Religionen sollen besonders gefördert werden an dieser Tagung in Baar. Dank der persönlichen Glaubensgeschichten gewähren die Vortragenden einen Einblick in die Religion. Auch wird dadurch erkenntlich, dass es trotz der Unterschiede der Religionen Gemeinsamkeiten gibt. «Der Glaube verbindet uns, und wir möchten ihn an dieser Tagung ganz bewusst erleben», sagt Tersa Luzia Wehrle, die an der Organisation beteiligt ist. Neben den persönlichen Statements stehen Möglichkeiten zum Gebet oder Gottesdienst offen, darüber hinaus können Fragen zu den Berichten gestellt werden, und immer wieder gibt es musikalische Intermezzi. «Auch die Pausen sind bewusst geplant, es ist die Zeit, in der man in Kontakt zueinander treten und den Dialog suchen kann», erklärt Wehrle.

Die Diversität an Religion und Regionen und die dennoch aus dem Glauben resultierende Einigkeit ist die Besonderheit dieser Tagung. «Der Anlass ist ein Beispiel für friedliches und tolerantes Zusammenleben, ebenso wie den aktiven Austausch zwischen den Religionen», meint Serkan Yapici. Der Austausch fördere Verständnis, und dieser Kontakt sei wohltuend, sagt Tersa Luzia Wehrle.

Vanessa Varisco

redaktion@zugerzeitung.ch

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