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BAAR: Viel Lärm und wenig Neues an der Sika-Generalversammlung

Die Sika-Generalversammlung stand gänzlich im Zeichen des Übernahmekampfes. Beide Seiten, Befürworter und Gegner, nutzten die Plattform um in teils emotionalen Voten ihre Sicht auf den verfahrenen Streit darzulegen. Trotz der hohen Wogen: In der Sache blieb alles beim Alten.
Die Sika-Länderchefs stehen zusammen: «We are not for sale». (Bild Stefan Kaiser)

Die Sika-Länderchefs stehen zusammen: «We are not for sale». (Bild Stefan Kaiser)

Sämtliche bisherigen Verwaltungsräte wurden wiedergewählt. Paul Hälg bleibt Präsident des Gremiums. Der Verwaltungsrat arbeitet auch künftig ohne Bezahlung. Den unabhängigen Verwaltungsräten wurde erneut die Entlastung verweigert. Und der Entscheid in der Übernahmeschlacht ist nach wie vor eine Sache der Gerichte.

Präsident Hälg sprach zum Schluss der fast sechsstündigen Versammlung in der Waldmannhalle in Baar von einer «nicht nur historischen, sondern auch denkwürdigen Generalversammlung». Er bedankte sich für die «enorme Unterstützung» durch die Aktionäre gegen die «feindliche Übernahme durch Saint-Gobain».

Tatsächlich konnten die unabhängigen Verwaltungsräte, die sich gegen den Verkauf der Kontrollmehrheit an den französischen Bauriesen Saint-Gobain wehren, bei den meisten wichtigen Abstimmungen einen Sieg davon tragen. Dies war jedoch zu grossen Teilen dem Umstand geschuldet, dass der Verwaltungsrat die Stimmrechte der Familienholding zurückband.

Entscheidender Faktor

Ohne diese Massnahme hätte die Erbenfamilie bei sämtlichen Voten ihren Willen durchsetzen können. Denn die Schenker-Winkler-Holding (SWH), über welche die Erben von Firmengründer Kaspar Winkler ihre Aktien halten, kontrolliert mit 16 Prozent des Kapitals 53 Prozent der Stimmrechte - und damit eindeutig die Mehrheit.

Mit der Beschränkung auf 5 Prozent aller Namenaktien wurde ihre Stimmkraft jedoch auf marginale 2,7 Prozent limitiert. Entsprechend setzten sich die unabhängigen Verwaltungsräte dort durch, wo die Stimmrechte beschränkt wurden.

Sie konnten eine Abwahl der sechs unabhängigen Verwaltungsräte Hälg, Frits van Dijk, Monika Ribar, Daniel Sauter, Ulrich Suter und Christoph Tobler verhindern. Ebenso die von der Familienholding beantragte Neuwahl von Jacques Bischoff.

Die Familienholding trug hingegen da einen Sieg davon, wo sie ihr gesamtes Stimmgewicht in die Waagschale werfen konnte - also bei jenen Traktanden ohne direkten Zusammenhang zur Übernahme.

So konnte sie den sechs unabhängigen Verwaltungsräten die Entlastung verweigern, den langjährigen unabhängigen Stimmrechtsvertreter abwählen und dem Verwaltungsrat die Vergütung für die letzten und die nächsten zwölf Monate verweigern. Der Verwaltungsrat arbeitet also weiterhin gratis.

Bewährtes Mittel

Dass der Verwaltungsrat bei den wichtigen Abstimmungen wieder die Stimmrechte der Erbenfamilie beschränkt, war im Vorfeld der Generalversammlung allgemein erwartet worden. Das Gremium hatte bereits bei den beiden letzten Generalversammlungen zu diesem Mittel gegriffen.

Selbstredend war die Massnahme aber auch dieses Mal höchst umstritten. «Sechs Verwaltungsräte beschliessen ihre Wiederwahl und das machen sie schlicht, indem sie den Hauptaktionär ausschliessen», kritisierte Urs Schenker von der Schenker-Winkler-Holding.

Hälg bezeichnete die Massnahme deshalb als notwendig, um bis zum entscheidenden Gerichtsurteil den Status quo beizubehalten. Der Ball liegt derzeit beim Kantonsgericht Zug. Dieses muss entscheiden, ob der Vinkulierungspassus in den Sika-Statuten in diesem Fall Anwendung findet, ob Sika also Saint-Gobain als neuen Mehrheitseigentümer ablehnen kann.

Meinungsstreit

Bis das Gericht entscheidet, können die beiden Parteien lediglich abwarten und versuchen, die Öffentlichkeit von ihrer Sicht der Dinge zu überzeugen. Und dies taten sie denn am Donnerstag auch ausgiebig.

Saint-Gobain schaltete ganzseitige Zeitungsinserate, in denen sich der Chef an die Sika-Aktionäre wandte. Die Schenker-Winkler-Holding liess am Bahnhof in Baar ein grosses Plakat mit der Aufschrift «Sika bleibt Sika» anbringen.

Ein Senior Manager holte demgegenüber bei seinem Votum 160 Sika-Führungskräfte auf die Bühne und erklärte, er spreche für sie alle, wenn er sage: «We are not for sale». Er erntete dafür stehenden Applaus, während die Unterstützer der Erbenfamilie - unter ihnen auch die Nationalräte Roger Köppel und Hans-Ueli Vogt (beide SVP/ZH) - von den Kleinaktionären mit Buhrufen bedacht wurden.

Die Schenker-Winkler-Holding kündigte am Abend umgehend an, sie werde die unter Stimmrechtsbeschränkung zustande gekommenen Wahlergebnisse anfechten. Zudem bleibt sie fest entschlossen, die Transaktion zu vollziehen, wie sie in einem Communiqué mitteilte. Die verweigerte Entlastung der opponierenden Verwaltungsräte belege den wachsenden Widerstand gegen deren Verhalten.

Roger Köppel stellt sich hinter Sika-Erbenfamilie


Nationalrat Roger Köppel hat sich an der Generalversammlung von Sika hinter die Erben des Firmengründers gestellt. Die Verwaltungsräte und Kaderangestellten, die sich gegen den Verkauf der Kontrollmehrheit an Saint-Gobain wehren, führten sich auf «wie entfesselte Hausbesetzer», sagte Köppel.

Sie wollten die eigentlichen Hausbesitzer «mit nahezu erpresserischen Drohungen» um deren Recht bringen, sagte Köppel. Es gehe hier aber nicht um einen einfachen innerbetrieblichen Konflikt. Auch nicht um juristische Kleinigkeiten, sagte Köppel.

Es gehe darum, ob wir die Rechte der Eigentümer in der Schweiz noch ernst nähmen, oder ob wir es plötzlich achselzuckend duldeten, wenn sich Verwaltungsräte aufführten wie die Mehrheitsaktionäre eines Unternehmens.

«Sie beschädigen die Rechtssicherheit unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung», richtete er sich an die Verwaltungsräte und die Manager. «Kehren Sie zur Vernunft zurück und respektieren sie die legitimen Ansprüche der Gründerfamilie Burkard», sagte er.

Das Publikum reagierte auf Köppels Votum mit Buhrufen. «Ja, jetzt hören Sie halt auch mal die andere Seite», entgegnete Köppel. «Wir sind hier nicht in Nordkorea.» Zuvor hatte es sehr viele Voten von Aktionärsvertretern und Kadermitarbeitern gegeben, die sich gegen den Verkauf wehrten.

Mitarbeiter sprechen sich in emotionalen Voten gegen Sika-Deal aus

Zahlreiche Sika-Mitarbeiter und Aktionärsvertreter haben sich an der Generalversammlung am Dienstag in teils emotionalen Reden gegen den Verkauf der Kontrollmehrheit an Saint-Gobain ausgesprochen.

Ein Senior Manager etwa, der gemäss eigenen Angaben seit über 34 Jahren für Sika arbeitet, holte unzählige andere Führungskräfte der Firma auf die Bühne. «Dies sind die Leute, die dieses Business führen», sagte er auf Englisch. Wenn er spreche, spreche er für all diese Leute. Und diese Übernahme bringe Sika keinen Nutzen. «We are not for sale», sagte er und erntete dafür stehenden Applaus.

Zahlreiche Mitarbeiter beschworen den «Sika-Spirit». Diesen müsse man leben, man könne ihn nicht kaufen, sagte etwa die Leiterin des Osteuropa-Geschäfts.

Zurückhaltender, aber ebenfalls gegen den Deal, äusserte sich Dominique Biedermann von der Anlagestiftung Ethos. Er zeigte Verständnis dafür, dass die Familie ihre Aktien verkaufen wolle. Man sei aber gegen den Verkauf an den Konkurrenten Saint-Gobain, sagte er.

Biedermann forderte den Sika-Erben und Verwaltungsrat Urs Burkard auf, an die Gespräche jener zu kommen, die eine Lösung ausserhalb der Gerichte suchten. «Tun Sie das im Namen ihres Vaters, Grossvaters und Urgrossvaters», sagte Biedermann.

Sika-Abwehrschlacht hat bisher 13,4 Millionen Franken gekostet

Die Abwehrschlacht des Baustoffkonzerns Sika gegen eine feindliche Übernahme durch den französischen Saint-Gobain-Konzern geht ins gute Tuch. Bisher hat diese 13,4 Millionen Franken gekostet, erklärte Stefan Mösli, Chef der Rechtsabteilung bei Sika an der ordentlichen Generalversammlung in einer Antwort auf ein Auskunftsbegehren der Schenker-Winkler-Holding. Davon sei mit 6,45 Millionen Franken rund die Hälfte auf Rechtsberater entfallen, sagte Mösli weiter.

Yvonne Debrunner, sda

Sika-Verwaltungsratspräident Paul Hälg sagte an der ordentlichen Generalversammlung der Sika in der Waldmannhalle in Baar, dass es bisher keine Garantien für die Stellen bei Sika gebe. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Sika-Verwaltungsratspräident Paul Hälg sagte an der ordentlichen Generalversammlung der Sika in der Waldmannhalle in Baar, dass es bisher keine Garantien für die Stellen bei Sika gebe. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Sika-Konzernchef Jan Jenisch bedankte sich an der Generalversammlung bei den unabhängigen Verwaltungsräten, die sich gegen eine Übernahme der Kontrollmehrheit durch Saint-Gobain wehren. (Bild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Sika-Konzernchef Jan Jenisch bedankte sich an der Generalversammlung bei den unabhängigen Verwaltungsräten, die sich gegen eine Übernahme der Kontrollmehrheit durch Saint-Gobain wehren. (Bild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Waldmannhalle ist gut gefüllt. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Die Waldmannhalle ist gut gefüllt. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Die GV wird auch auf Grossleinwand und im Internet übertragen. (Bild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die GV wird auch auf Grossleinwand und im Internet übertragen. (Bild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

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