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BAAR: Viel Lärm und wenig Neues an der Sika-Generalversammlung

Die Generalversammlung des Bauchemiekonzerns Sika am Dienstag stand gänzlich im Zeichen des Übernahmekampfes. Beide Seiten, Befürworter und Gegner, nutzten die Plattform um in teils emotionalen Voten ihre Sicht auf den verfahrenen Streit darzulegen. Trotz der hohen Wogen: In der Sache blieb alles beim Alten.
Die Sika-Länderchefs stehen zusammen: «We are not for sale». (Bild Stefan Kaiser)

Die Sika-Länderchefs stehen zusammen: «We are not for sale». (Bild Stefan Kaiser)

Paul Hälg, Verwaltungsratspräsident der Sika, legte in einer langen Rede erneut dar, weshalb sich die unabhängigen Verwaltungsräte und das Management gegen die Übernahme der Kontrollmehrheit an Sika durch Saint-Gobain wehren.

Es gebe bisher keine Garantien für die Stellen bei Sika. Hälg bestritt zudem, dass es bei einer Übernahme zu den von Saint-Gobain angepriesenen Synergien kommen würde. "Diese Transaktion ist nicht im Interesse der Sika", sagte Hälg. Sie bereichere lediglich die Burkard-Erben und gebe der Saint-Gobain die Kontrolle über Sika, die diese sicher zu ihrem Vorteil ausnutzen werde.

Erneute Beschränkungen

Der Verwaltungsrat habe deshalb heute nach erneuter eingehender Prüfung entschieden, die Stimmrechte der Namenaktien der Familienholding zu beschränken, sagte Hälg. Beschränkt werden die Stimmrechte der Familie bei der Wiederwahl der unabhängigen Verwaltungsräte sowie bei der von der Familienholding beantragten Neuwahl von Jacques Bischoff in den Verwaltungsrat. Auch bei der Wahl des Verwaltungsratspräsidenten und bei den Wahlen in den Nominierungs- und Vergütungsausschuss werden die Stimmrechte der Familie gekappt.

Dass der Verwaltungsrat erneut zu diesem Schritt greifen würde, war allgemein erwartet worden. Er hatte dies bereits an den beiden letzten Generalversammlungen getan. Und es ist der einzige Weg für den Verwaltungsrat, die für die Übernahme wichtigen Abstimmungen nicht zu verlieren.

Dank an unabhängige Verwaltungsräte

Sika-Konzernchef Jan Jenisch bedankte sich an der Generalversammlung bei den unabhängigen Verwaltungsräten, die sich gegen eine Übernahme der Kontrollmehrheit durch Saint-Gobain wehren. Die Verwaltungsräte ernteten stehenden Applaus vom Publikum.

General Manager Charles Kidd versammelt alle anwesenden Sika-Länderchefs beim Rednerpult. Ihr Statement: «Wir sind nicht für den Verkauf». (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Sika-Erbe und Verwaltungsrat Urs Burkard verteidigte erneut die Absicht der Familie, die Kontrollmehrheit an Sika an Saint-Gobain zu verkaufen. «Dem langjährigen Ankeraktionär, der Familienholding, selektiv die Stimmrechte zu verweigern geht nicht an. Hier geht es um einen privaten Verkauf zwischen Familie und Saint-Gobain. Der Verwaltungsrat hat kein Mitspracherecht in dieser privaten Angelegenheit», sagte Burkard. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
SVP-Nationalrat und Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel: «Sie beschädigen die Rechtssicherheit unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung. Kehren Sie zur Vernunft zurück und respektieren sie die legitimen Ansprüche der Gründerfamilie Burkard». (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Applaus erhielt die Mehrheit der Redner, die sich gegen den Deal aussprach. Dazu zählte unter anderem FDP-Nationalrätin Doris Fiala. Sie verwies auf den Fall Alstom, dessen Energiesparte von GE übernommen wurde. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
An die Sika-GV in der Waldmannhalle in Baar kamen über 400 Aktionäre. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Sika-Konzernchef Jan Jenisch bedankte sich an der Generalversammlung bei den unabhängigen Verwaltungsräten, die sich gegen eine Übernahme der Kontrollmehrheit durch Saint-Gobain wehren. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Ein Plakat an der Sika-GV in der Waldmannhalle in Baar. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Sika-Verwaltungsratspräident Paul Hälg: « Es gibt bisher keine Garantien für die Stellen bei Sika». (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Die GV wird auf Grossleinwand und im Internet übertragen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
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Sika-GV in Baar

Er werde vielfach gefragt, wie Sika solch gute Resultate erzielen könne, in der derzeit schwierigen Situation, sagte Jenisch in der Waldmannhalle in Baar. Dies liege an den beiden Stützen des Unternehmens: Den Mitarbeitenden und den sechs unabhängigen Verwaltungsräten.

"Seit einem Jahr werdet ihr ja für eure Arbeit nicht mehr bezahlt", richtete sich Jenisch an die Verwaltungsräte. Es verstehe nicht, weshalb die Verwaltungsräte derart attackiert würden.

Dass die Verwaltungsräte derzeit gratis arbeiten, liegt daran, dass die Aktionäre deren Vergütung an der Generalversammlung im April vor einem Jahr abgelehnt hatten. An der folgenden ausserordentlichen Generalversammlung im Juli bestätigten sie dieses Verdikt.

Das Nein zu den Vergütungen war praktisch der einzige Erfolg, den die Erbenfamilie an den vergangenen Generalversammlungen erzielen konnte.

Burkard: Faktische Enteignung

Sika-Erbe und Verwaltungsrat Urs Burkard verteidigte an der Generalversammlung vom Dienstag erneut die Absicht der Familie, die Kontrollmehrheit an Sika an den französischen Baukonzern Saint-Gobain zu verkaufen. Unterstützung erhielt er von den SVP-Nationalräten Roger Köppel und Hans-Ueli Vogt (siehe Box).

Dem langjährigen Ankeraktionär, der Familienholding, selektiv die Stimmrechte zu verweigern gehe nicht an, sagte Burkard. Hier gehe es um einen privaten Verkauf zwischen Familie und Saint-Gobain. «Der Verwaltungsrat hat kein Mitspracherecht in dieser privaten Angelegenheit», sagte Burkard.

Er wies erneut auf die Verpflichtungen hin, die Sika öffentlich abgegeben habe. So würde Sika eine Schweizer Firma bleiben. Zudem erhielten alle Mitarbeitenden während zweier Jahren eine Arbeitsplatzgarantie. «Und wär hät das scho hützutags?», fragte er auf Schweizerdeutsch. Der Saal reagierte mit Buhrufen.

Applaus erhielt demgegenüber die Mehrheit der Redner, die sich gegen den Deal aussprach. Dazu zählte unter anderem FDP-Nationalrätin Doris Fiala. Sie verwies auf den Fall Alstom, dessen Energiesparte von GE übernommen wurde. Kurz darauf wurden Stellenstreichungen im grossen Stil angekündigt, auch in der Schweiz. Die französische Regierung hatte im Vorfeld der Übernahme auf einen Erhalt der Arbeitsplätze gedrängt.

Der Fall Alstom zeige, dass in der Schweiz Stellen gestrichen würden, weil es andernorts viel schwieriger sei zu restrukturieren, sagte Fiala. Die Versprechungen von Saint-Gobain könnten daher sehr schnell zu Makulatur werden.

Unterstützung erhielt Sika-Erbe Burkard von Roger Köppel und auch von Hans-Ueli Vogt. Letzterer, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich, legte dar, weshalb die unabhängigen Verwaltungsräte aus juristischer Sicht im Unrecht seien. Er sprach von «aktienrechtlichem Freestyle».

Hinweis: Livestream von der Sika-GV »

Roger Köppel stellt sich hinter Sika-Erbenfamilie


Nationalrat Roger Köppel hat sich an der Generalversammlung von Sika hinter die Erben des Firmengründers gestellt. Die Verwaltungsräte und Kaderangestellten, die sich gegen den Verkauf der Kontrollmehrheit an Saint-Gobain wehren, führten sich auf «wie entfesselte Hausbesetzer», sagte Köppel.

Sie wollten die eigentlichen Hausbesitzer «mit nahezu erpresserischen Drohungen» um deren Recht bringen, sagte Köppel. Es gehe hier aber nicht um einen einfachen innerbetrieblichen Konflikt. Auch nicht um juristische Kleinigkeiten, sagte Köppel.

Es gehe darum, ob wir die Rechte der Eigentümer in der Schweiz noch ernst nähmen, oder ob wir es plötzlich achselzuckend duldeten, wenn sich Verwaltungsräte aufführten wie die Mehrheitsaktionäre eines Unternehmens.

«Sie beschädigen die Rechtssicherheit unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung», richtete er sich an die Verwaltungsräte und die Manager. «Kehren Sie zur Vernunft zurück und respektieren sie die legitimen Ansprüche der Gründerfamilie Burkard», sagte er.

Das Publikum reagierte auf Köppels Votum mit Buhrufen. «Ja, jetzt hören Sie halt auch mal die andere Seite», entgegnete Köppel. «Wir sind hier nicht in Nordkorea.» Zuvor hatte es sehr viele Voten von Aktionärsvertretern und Kadermitarbeitern gegeben, die sich gegen den Verkauf wehrten.

Mitarbeiter sprechen sich in emotionalen Voten gegen Sika-Deal aus

Zahlreiche Sika-Mitarbeiter und Aktionärsvertreter haben sich an der Generalversammlung am Dienstag in teils emotionalen Reden gegen den Verkauf der Kontrollmehrheit an Saint-Gobain ausgesprochen.

Ein Senior Manager etwa, der gemäss eigenen Angaben seit über 34 Jahren für Sika arbeitet, holte unzählige andere Führungskräfte der Firma auf die Bühne. «Dies sind die Leute, die dieses Business führen», sagte er auf Englisch. Wenn er spreche, spreche er für all diese Leute. Und diese Übernahme bringe Sika keinen Nutzen. «We are not for sale», sagte er und erntete dafür stehenden Applaus.

Zahlreiche Mitarbeiter beschworen den «Sika-Spirit». Diesen müsse man leben, man könne ihn nicht kaufen, sagte etwa die Leiterin des Osteuropa-Geschäfts.

Zurückhaltender, aber ebenfalls gegen den Deal, äusserte sich Dominique Biedermann von der Anlagestiftung Ethos. Er zeigte Verständnis dafür, dass die Familie ihre Aktien verkaufen wolle. Man sei aber gegen den Verkauf an den Konkurrenten Saint-Gobain, sagte er.

Biedermann forderte den Sika-Erben und Verwaltungsrat Urs Burkard auf, an die Gespräche jener zu kommen, die eine Lösung ausserhalb der Gerichte suchten. «Tun Sie das im Namen ihres Vaters, Grossvaters und Urgrossvaters», sagte Biedermann.

Sika-Abwehrschlacht hat bisher 13,4 Millionen Franken gekostet

Die Abwehrschlacht des Baustoffkonzerns Sika gegen eine feindliche Übernahme durch den französischen Saint-Gobain-Konzern geht ins gute Tuch. Bisher hat diese 13,4 Millionen Franken gekostet, erklärte Stefan Mösli, Chef der Rechtsabteilung bei Sika an der ordentlichen Generalversammlung in einer Antwort auf ein Auskunftsbegehren der Schenker-Winkler-Holding. Davon sei mit 6,45 Millionen Franken rund die Hälfte auf Rechtsberater entfallen, sagte Mösli weiter.

(sda)

Sika-Verwaltungsratspräident Paul Hälg sagte an der ordentlichen Generalversammlung der Sika in der Waldmannhalle in Baar, dass es bisher keine Garantien für die Stellen bei Sika gebe. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Sika-Verwaltungsratspräident Paul Hälg sagte an der ordentlichen Generalversammlung der Sika in der Waldmannhalle in Baar, dass es bisher keine Garantien für die Stellen bei Sika gebe. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Sika-Konzernchef Jan Jenisch bedankte sich an der Generalversammlung bei den unabhängigen Verwaltungsräten, die sich gegen eine Übernahme der Kontrollmehrheit durch Saint-Gobain wehren. (Bild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Sika-Konzernchef Jan Jenisch bedankte sich an der Generalversammlung bei den unabhängigen Verwaltungsräten, die sich gegen eine Übernahme der Kontrollmehrheit durch Saint-Gobain wehren. (Bild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Waldmannhalle ist gut gefüllt. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Die Waldmannhalle ist gut gefüllt. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Die GV wird auch auf Grossleinwand und im Internet übertragen. (Bild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die GV wird auch auf Grossleinwand und im Internet übertragen. (Bild Stefan Kaiser / Neue ZZ)

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