BAAR: Von drei Tankstellen und von drei gleichen Preisen

Die Benzinpreise sind im Keller. Doch sie könnten durchaus noch tiefer sein, wenn die Konkurrenz spielen würde. Ein Blick an die Zugerstrasse.

Wolfgang Holz
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Migrol, Coop und BP an der Zugerstrasse: Die Treibstoffpreise sind quasi identisch. (Bild Stefan Kaiser)

Migrol, Coop und BP an der Zugerstrasse: Die Treibstoffpreise sind quasi identisch. (Bild Stefan Kaiser)

Eigentlich könnten die Tankstellen von Migrol, BP und Coop an der Zugerstrasse in Baar ein gemeinsames Preisschild vor die Tür stellen. Denn dort, wo auf engem Radius zig Zapfsäulen um die Gunst der Autofahrer buhlen, herrschen eisern identische Preise. Und das quasi das ganze Jahr über. Das ist fast wie im Sozialismus. Oder gibt es Preisabsprachen zwischen Tankstellen?

«Es wird nun nicht mehr getankt»

«Es gibt keine Preisabsprachen, das wäre kartellrechtlich nicht erlaubt», dementiert Isabelle Thommen, Mediensprecherin der BP in Zug, sofort. Wenn eine Tankstelle die Preise erhöhe oder senke, würden die anderen sofort nachziehen – denn sonst würden die Kunden wegbleiben. «Wir hatten 2015 bei Benzin 25 nationale Preisbewegungen: 14 Senkungen und 11 Erhöhungen», erklärt Thommen. Und versichert, dass in der Schweiz im Gegensatz etwa zu Deutschland die Säulenpreise gemäss firmeninterner Kalkulation normalerweise morgens, nur einmal pro Tag, fixiert werden.

Wie diese Entscheidung dann jeweils ausfällt, hängt vor allem vom aktuellen Rohölpreis ab, aber auch vom Dollarkurs und von den Frachtkosten. «Nicht zuletzt natürlich auch vom lokalen Markt», wie Thommen einräumt. Doch gemäss Schweizer Tradition würde man bei Preiserhöhungen oder -senkungen eher zuwarten, bis man so etwas tatsächlich vollziehe. «Klar ist ja seit Jahren, dass der Treibstoffmarkt rückläufig ist, weil Autos immer energiesparender sind», sagt die BP-Sprecherin. Wenn jetzt die Preise tiefer sind, werde deshalb auch nicht plötzlich mehr getankt. «Als allerdings vor wenigen Jahren der Benzinpreis an die 2 Franken grenzte, gab es viele Autofahrer, die oft nur für 20 Franken tankten.» Diese Zeiten sind momentan Gott sei Dank nicht angesagt. Autofahrer können über die tiefen Benzinpreise aufgrund des weltweiten Rohölüberangebots derzeit nicht klagen und freuen sich. «Wenigstens die Benzinpreise entlasten derzeit das Familienbudget», sagt ein Baarer Autofahrer an der Coop-Tankstelle.

«Stillhalteabkommen»

Aber warum geben Tankstellen nicht grundsätzlich flexibler ihre Preise an die Konsumenten weiter? Konsumentenschützerin Sara Stalder in Bern ist dieses Verhalten von Tankstellen bekannt. «Das ist ein Marktphänomen: Es ist klar, dass drei verschiedene Anbieter an einem Standort auf Dauer keine unterschiedlichen Preise verlangen können – sie würden sich sonst zu Tode konkurrenzieren.» Auch in anderen Branchen gebe es solche «Stillhalteabkommen», die letztendlich für den Konsumenten aber zu höheren Preisen führen würden. «Wer in einer solchen Situation bei Tankstellen letztendlich den Preis vorgibt, sprich: ob morgens alle drei zum Fenster rausschauen und dann jeweils reagieren, oder ob man miteinander in Kontakt ist – das könnte höchstens die Wettbewerbskommission überprüfen», sagt die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.

«Wir reagieren umgehend»

«Preisabsprachen sind streng verboten, und wir halten uns immer daran», versichert Mediensprecherin Sabine Schenker von der Coop Mineralöl AG. «Nebst der Berücksichtigung der täglichen Veränderung der Einkaufs- und Logistikpreise beobachten wir auch laufend unsere Konkurrenz sehr genau und richten uns am lokalen Markt aus», so Schenker. «Das heisst, dass wir bei Preisveränderungen unserer Konkurrenz in der Regel umgehend reagieren.» 2015 sei es zu 17 Preissenkungen und 12 -erhöhungen gekommen, in diesem Jahr bisher zu drei Preissenkungen.

Laut Unternehmensleiter Daniel Hofer von Migrol, wo es 2015 zu 31 Preisänderungen kam, «ist insbesondere der Wettbewerb auf lokaler Ebene das ausschlaggebende Element für die Preisbildung. Je mehr Tankstellen an einer Strasse vorhanden sind, umso stärker wird mit dem Preis um jeden Kunden gekämpft.» Dies führe dazu, dass an Orten mit hoher Tankstellendichte die Treibstoffpreise normalerweise niedriger sind als dort, wo die Tankstellen breiter gestreut sind. Doch dies stimmt eben nur bedingt: Beispiel BP-Tankstelle in Hagendorn. Mitten in der Zuger Pampa. Dort kostet Benzin bleifrei aktuell 1.28 Franken. Grund: 2 Kilometer weiter, im aargauischen Sins, lockt die noch billigere Shell-Tankstelle Autofahrer an.

Wolfgang Holz