BAAR: Wegen Glencore: Zug rechnet mit tieferen Steuererträgen

Glencore ist wegen seiner hohen Verschuldung in Schieflage geraten und muss drastisch sparen. Auch die Region Zug wird das zu spüren bekommen.

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«Für 2016 haben wir die Erwartungen im Vergleich zu früheren Annahmen reduziert.» Peter Hegglin, Zuger Finanzdirektor (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Für 2016 haben wir die Erwartungen im Vergleich zu früheren Annahmen reduziert.» Peter Hegglin, Zuger Finanzdirektor (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Aussage sorgte vor zwei Jahren für Kritik von linker Seite. «Glencore ist eine volkswirtschaftliche Perle», erklärte der Leiter Finanzen und Wirtschaft der Gemeinde Baar unserer Zeitung. Damit machte er klar, dass der Rohstoffkonzern trotz seiner umstrittenen Steuerpraxis ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler für die Region ist.

Glasenberg hat sich verspekuliert

Derzeit bläst Glencore, die am Hauptsitz an der Baarermattstrasse in Baar gegen 800 Mitarbeiter beschäftigt, ein eisiger Wind entgegen. Zum einen verharren die Rohstoffpreise im Keller – vor allem die für Glencore wichtigen Marktpreise für Kohle und Kupfer haben deutlich nachgegeben. Weiter hat sich Glencore-Chef Ivan Glasenberg verspekuliert. Er bezahlte 2013 für die Übernahme von Xstrata einen zu hohen Preis. Sein Konzern ist zu stark mit Fremdkapital finanziert (wir berichteten).

Falls Ratingagenturen die Zahlungsfähigkeit von Glencore tiefer benoten, muss das Unternehmen künftig höhere Zinsen zahlen. Für die Aktie würde es an der Börse noch ungemütlicher. Bereits haben die Titel seit dem Börsengang vom Mai 2011 mehr als drei Viertel an Wert eingebüsst.

Personalabbau in Baar möglich

Ivan Glasenberg hat den Ernst der Lage erkannt. Als vor zwei Wochen erste Spekulationen über eine mögliche Pleite von Glencore auftauchten, startete der sonst verschwiegene CEO eine regelrechte Kommunikationsoffensive. Er kündigte an, dass er die Verschuldung von derzeit 30 Milliarden Franken um 10 Milliarden senken werde. Seinen Mitarbeitern eröffnete er in einem E-Mail, dass für das Budget 2016 zusätzliche Kürzungen bei den Betriebs- und Investitionsausgaben vorgenommen werden.

In der Branche kursieren dazu wilde Spekulationen. Wahrscheinlich ist derzeit, dass Glencore das Agrargeschäft verkauft sowie unrentable Minen schliesst. Damit würde der Grossteil der Sparmassnahmen, die über 170 000 Mitarbeiter im Ausland treffen. Doch auch in der Zentrale in Baar käme es zu personellen Anpassungen.

Am Freitag gab Ivan Glasenberg erste konkrete Sparmassnahmen bekannt: Die Zinnproduktion wird runtergefahren, 540 Mitarbeiter in Australien und 1000 in Südafrika verlieren ihren Job.

Dividende gestrichen

Fest steht heute schon, dass Glencores Probleme zu Steuerausfällen in Zug führen. Obwohl der Konzern in den vergangenen Jahren häufig keine Gewinnsteuern im Kanton bezahlte, weil man hohe Abschreibungen geltend machen konnte, so gilt der Rohstoffmulti als Garant für wichtige Millionen zu Gunsten der Zuger Staatskasse. So zahlt Glencore jährlich Kapitalsteuern, gleichzeitig wohnen etliche Firmenangestellte im Kanton Zug und entrichten dem Fiskus die obligaten Abgaben auf ihrem Einkommen und Vermögen. Allein die Wertvernichtung durch den tiefen Börsenkurs sowie die künftig wegfallende Dividende bewirken bei den Glencore-Teilhabern einen deutlich tieferen Vermögenssteuerwert. Glasenberg alleine erhielt 2014 Dividenden von rund 200 Millionen Franken.

Bei den Zuger Behörden ist man sich der Auswirkungen bewusst. Finanzdirektor Peter Hegglin rechnet mit merkbar tieferen Glencore-Steuererträgen, wie er auf Anfrage sagt. «Für das Budget 2016 haben wir die Erwartungen im Vergleich zu den Annahmen im letzten Jahr reduziert», sagt er. Wie hoch die Ausfälle bei Glencore zu stehen kommen, könne er aber nicht sagen. «Das wäre zu früh, das wäre Kaffeesatzlesen», sagt der Regierungsrat und fügt an: «Massgebend für die Vermögenssteuern ist der Verkehrswert des Vermögens Ende Jahr.» Bis dahin könne an den Börsen noch viel geschehen. Auch eine Erholung der Glencore-Aktie ist also nicht ausgeschlossen.

«Keine Euphorie in der Branche»

Laut Angaben der Regierung von 2013 erhält Zug jährlich rund 200 Millionen Franken Steuereinnahmen von der Rohstoffbranche. Diese zählt im Kanton rund 100 Firmen – neben Glencore Unternehmen wie Shell und BP, aber auch unbekannte kleinere Firmen mit nur einer Hand voll Mitarbeiter. Gemäss Martin Fasser, Präsident des Zuger Rohstoffverbandes, könne man die Probleme von Glencore nicht auf die Branche beziehen. «Bei den hiesigen Rohstofffirmen herrscht keine Euphorie, die Situation ist aber zufriedenstellend», sagt Fasser.

Ernst Meier

Der Hauptsitz der Glencore in Baar. (Bild: Keystone)

Der Hauptsitz der Glencore in Baar. (Bild: Keystone)