BAAR: Wenn jeder weiss, was der andere tut

Der Bautrupp für das Start- und Zielgelände der Tour de Suisse hat nur gerade ein halbes Jahr Vorlaufzeit gehabt und die an ihn gestellte Herausforderung mit Bravour gemeistert – auch weil das Kernteam als Einheit funktioniert hat.

Marco Morosoli
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Adrian Merz (von links), Edi Zumbach und Karl Bürgler auf dem Gelände neben der Brauerei Baar, auf dem sie im Juni das Tour-de-Suisse-Dörfchen aufgebaut haben. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 21. Dezember 2016))

Adrian Merz (von links), Edi Zumbach und Karl Bürgler auf dem Gelände neben der Brauerei Baar, auf dem sie im Juni das Tour-de-Suisse-Dörfchen aufgebaut haben. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 21. Dezember 2016))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Am späten Morgen des kürzesten Tages des Jahres treffen sich Karl Bürgler (39), Edi Zumbach (57) und Adrian Merz (36) wieder einmal zu einem Schwatz im Restaurant Brauerei in Baar. Die Umgebung der Lokalität kennen die drei mittlerweile wie ihre Westentasche. Im Juni 2016 ist das Gelände temporär zu ihrer zweiten Heimat geworden. Das hat seinen Grund darin, dass die Drei beim Aufbau des dortigen Start- und Zielgeländes für das erste Wochenende der diesjährigen Tour de Suisse eine gewichtige Rolle gespielt haben. Karl Bürgler ist Bauchef gewesen, Adrian Merz sein Stellvertreter und Edi Zumbach, er ist Chef des Baarer Werkhofes, hat den wichtigen Link zur Gemeinde Baar hergestellt.

Was beim Dreigestirn auffällt: Sie haben die gleiche Wellenlänge – und das trifft nicht nur auf eine Vorliebe für Fleisch allererster Güteklasse zu. «Wir haben etwas Tolles zu Wege gebracht», sagt Karl Bürgler mit der Distanz von sechs Monaten und fügt an: «Wir sind eine verschworene Einheit gewesen. In der ganzen Zeit ist nie ein böses Wort gefallen.» Bürgler betont dabei, dass die Lorbeeren auch weiteren fleissigen Händen aufs Haupt gesetzt werden müssten: «Wir hatten immer Strom und Wasser – auch noch, als es am zweiten Tag starken Niederschlag gegeben hat.»

Edi Zumbach macht hier allerdings ­einen kleinen Einschub: «Einer hat sich einmal an mich gewendet, dass er für seine Gerätschaften keinen Strom habe. Ich habe dann nachgeschaut und festgestellt: Der Frager hat schlicht vergessen, das Verlängerungskabel an die Stromquelle anzuschliessen.» Es seien alle Probleme gelöst worden, sogar diejenigen einer Hochzeitsgesellschaft in Inwil, deren Festgelände von der Prolog-Strecke der Tour faktisch eingeschlossen war. Selbst ein Helikopterlandeplatz ist innert zwei Tagen erstellt worden. So ist Baar auch noch zu einem prominenten Besuch gekommen: Bundesrat Guy Parmelin hat sich die Ehre gegeben.

Alles beginnt mit einem Forderungskatalog

Doch bis zu diesen Episoden hat das Dreigestirn viel Einsatz und Herzblut für den Baarer Tour-Event gezeigt. Karl Bürgler mag sich noch gut erinnern, als er vor einem Jahr vom Baarer Bauchef Paul Langenegger für den Job des Bauchefs für die Tour de Suisse angefragt worden war: «Ich habe mir gesagt, ich mache das. Aber ich habe die Zusage davon abhängig gemacht, dass mir gewisse Bedingungen erfüllt werden müssen. Ich hatte eine Vorstellung, wen ich im Team haben wollte.» So sollte Adrian Merz mit ins Boot geholt werden. Bürgler sitzt zusammen mit Merz in der Baarer Baukommission. Ihre Verbindung geht aber noch weiter zurück. «Wir kennen uns seit Primarschulzeiten», sagt Bürgler. Es sei ihm aber schon bei seiner Zusage klar gewesen: «Das ist ein sehr ambitionierter Zeitplan. Doch die Herausforderung hat mich gereizt.»

Schon drei Monate vorher ist Edi Zumbach erstmals mit der Tour de ­Suisse in Berührung gekommen. Sozusagen von Amtes wegen, aber wie die anderen Mitstreiter mit einer gehörigen Portion Herzblut bestückt. Zumbach ist schon vor 15 Jahren dabei gewesen, als die Tour letztmals in Baar haltmachte: «Die damalige Veranstaltung ist aber ein paar Schuhnummern kleiner gewesen, weil der Tross der Tour nur kurz vorbeikam.» Zumbach hat die Aufgabe gehabt, eine Streckenführung zu finden, welche die Wünsche der Tour-Organisatoren mitberücksichtigte. Ab Neujahr 2016 war Zumbach dann in den Bautrupp der Tour-de-Suisse-Ankunft Baar integriert worden, der sich aus zehn Leuten mit klar verteilten Chargen zusammensetzte.

Bürgler hat die Zeit in bester Erinnerung: «Wir haben als Team funktioniert. Hierarchiestufen hat es nicht gegeben.» Den Vorlauf von knapp einem halben Jahr für das Projekt bezeichnet der im Baumanagement tätige Adrian Merz als «sportlich». Aber auch bei einer Zeitspanne von zwei Jahren vom Auftrag bis zur Ausführung «wird es am Schluss immer eng». Stolz ergänzt Bürgler: «Unser Ziel war es, am Freitag vor der Fahrerpräsentation um 16 Uhr mit allen Arbeiten fertig zu sein, um auf den Anlass anstossen zu können. Das haben wir geschafft.» Bürgler hat dabei selber auch etwas für seine Fitness getan: «Ich habe pro Tag rund 30000 Schritte auf dem Gelände gemacht.» Zusammen mit ­seinem Vize Adrian Merz ist er beim Auf- und Abbau von 6.30 Uhr bis 21 Uhr auf dem Platz gestanden. Und das notabene «für Gottes Lohn». Doch Bürgler, der als Bauingenieur in der Gemeinde tätig ist, hat sein Engagement als eine Art Weiterbildung aufgefasst. Mit einer Pause während des eigentlichen Anlasses, den er nach eigenem Bekunden wie seine Mithelfer «geniessen» konnte. Es ist aber nicht nur ums Bauen gegangen. Um die Arbeiten fristgerecht erledigen zu können, haben auch Zivilschützer, Armeeangehörige und Werkhofmitarbeiter tatkräftig mitgewirkt. An manchen Tagen sind bis zu 100 Personen vor Ort gewesen, die zu Arbeiten eingeteilt aber auch verköstigt werden mussten. «Aber wir haben auch das gemanagt», sagt Karl Bürgler.

Es war eine einmalige Sache

Einen Teil des Lohnes haben Bürgler und sein Team schon am Rennwochenende erhalten: «Der Anblick aus der ­Vogelperspektive auf unser Dörfchen bei der Live-Berichterstattung im Fernsehen war schlicht sensationell.» Und die «emsigen Drei» standen beim Prolog nicht nur am Strassenrand, sondern sie waren für einmal mittendrin. Edi Zumbach kommt noch heute ins Schwärmen: «Wir sind in einem Tross-Auto durch Baar gerast.»

Ein «Bestandteil» seines Entgeltes sieht Bürgler auch in der ihnen zugetragenen Wertschätzung und Dankbarkeit. Edi Zumbach sagt, dass Baar die «Chance genutzt hat, sich als wunderbarer Ort zu präsentieren». Er lobt auch den ideellen und logistischen Beitrag der Gemeinde, «die uns nie einen Stein in den Weg gelegt hat». Das sei fürs Gelingen des Anlasses sehr wichtig gewesen.

Aber eines ist für Karl Bürgler klar: «Es ist für mich eine einmalige Sache gewesen, die nur schwer zu toppen sein wird.» Bürgler wie auch seine zwei Kollegen freuen sich derweil schon auf den Besuch des Tour-de-Suisse-Hubs in Cham im kommenden Jahr, der vom 9. bis zum 11. Juni wiederum viele Radsportfans anziehen wird. Sie werden es sich wohl nicht nehmen lassen, entspannt durch das dortige Dörfchen zu laufen. Und sie versprechen unisono, dass sie hinterher nicht an diesem herummäkeln wollen.

Hinweis

In unserer Serie «Menschen hinter den Geschichten» zum Jahreswechsel lassen wir Menschen zu Wort kommen, die Teil eines schlagzeilenträchtigen Ereignisses im Jahr 2016 waren, dabei jedoch eher im Hintergrund blieben.