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BAAR: «Wir haben Leute bei uns im Laden, die weinen»

Ein weiterer kleinerer Betrieb – die Konditorei Fürst – macht dicht. Ein Zuger Grossbetrieb führt die Firma künftig weiter.
Wolfgang Holz
Mitten im Dorf: Die Konditorei Confiserie Fürst in Baar wird Ende Juni von der Zuger Firma Speck übernommen. (Bild Stefan Kaiser)

Mitten im Dorf: Die Konditorei Confiserie Fürst in Baar wird Ende Juni von der Zuger Firma Speck übernommen. (Bild Stefan Kaiser)

Das Bäckerei- und Konditoreigewerbe im Kanton Zug erlebt eine weitere Konzentration. Die Zuger Confiserie Speck übernimmt ab 27. Juni die Leitung der Konditorei Confiserie Fürst in Baar. «Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihr Vertrauen und für Ihre Unterstützung während der letzten 16 Jahre und hoffen, dass Sie dem neuen Geschäftsführer genauso viel Vertrauen wie uns entgegenbringen», ist auf einem Flyer zu lesen, der für die Kunden des Geschäfts in der Dorfstrasse 1 aufliegt. «Wir hoffen, wir konnten Ihnen das Leben im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig versüssen.»

Irgendwie hat diese Botschaft einen bitteren Beigeschmack. Denn damit hört ein weiterer kleiner, unabhängiger Backbetrieb im Kanton Zug auf. Der Kuchen, den sich die grossen Bäckereien und Konditoreien damit unter sich aufteilen, wird noch grösser. Und die Confiserie Speck rückt mit der Übernahme von Fürst in Baar mit künftig sechs Filialen auf Platz zwei der grössten «Brötchengeber» vor – hat sie doch neulich auch den Zuspruch der Stadt Zug für den Neubau im Kolingeviert erhalten. Die Poleposition mit den meisten Filialen hat die Bäckerei Konditorei Nussbaumer in Cham mit acht Niederlassungen inne (siehe Box).

«Heutzutage schwierig geworden»

«Wir haben Leute bei uns im Laden, die weinen, weil wir aufhören», sagt Clemens Räbsamen, der die Konditorei Fürst zusammen mit seiner Frau Heidi und sieben Angestellten geleitet hat. Für ihn ist die Aufgabe des Bäckereibetriebs mit «Wehmut» verbunden. Denn einerseits hat der 48-jährige Familienvater von drei Kindern noch keinerlei neue Stelle in Aussicht. Andererseits will der gebürtige Ostschweizer die immer grösser gewordene Arbeitsbelastung, die kaum Freizeit ermögliche, nicht weiter in Kauf nehmen. «Es ist sehr schwierig geworden, heute als kleiner Betrieb zu bestehen», erklärt Räbsamen. Nicht zuletzt, weil sich das Kundenverhalten heutzutage verändert habe. «Gerade um solche Brückentage herum wie gerade jüngst im Mai oder auch über Weihnachten sind viele Leute immer häufiger einfach weg – das bedeutet bis zu 30 Prozent weniger Kunden übers Jahr gerechnet.» Ausserdem habe man es als Betrieb in veraltetem baulichen Zustand schwer. «Nicht zuletzt ist der Mietvertrag ausgelaufen – da habe ich mich entschieden, obwohl wir die Umsätze gut gehalten haben, unser Geschäft zu liquidieren und mich persönlich nach einer neuen Herausforderung umzusehen», so Räbsamen.

«Schnell, schnell ans warme Brot»

Andere Kleinbäcker im Kanton Zug, wie Kurt Staub in Neuheim, der schon seit 34 Jahren seinen Beruf ausübt, können den Schritt Räbsamens verstehen. «Es ist heute tatsächlich schwierig, sich als Kleiner zu behaupten – zumal Kunden verlangen, dass kleine Bäckereien das gleiche Sortiment aufweisen wie die grossen.» Ausserdem seien die vielen Tankstellenshops eine riesige Konkurrenz. «Weil viele Leute nur noch schnell, schnell zu warmen Brötli frisch aus dem Ofen kommen wollen und weniger auf die Qualität und Haltbarkeit von Backwaren achten.» Er selber hat 12 Mitarbeiter und steht pro Woche 60 bis 70 Stunden im Betrieb. «Man muss einfach viel arbeiten», so Staub ernüchternd – wobei der Neuheimer Bäcker noch zusätzliche «Brötchen» mit seinem Znüni-Lieferservice an Firmen verdient.

Wie Peter Speck von der gleichnamigen Zuger Confiserie betont, übernehme man die Konditorei Fürst in Baar auf Anfrage. «Gross schluckt Klein – das trifft hier also nicht zu.» Er sei von Clemens Räbsamen kontaktiert worden, ob Speck den Betrieb weiterführen wolle, stellt er klar. Dabei übernimmt Speck nicht nur die Geschäftsführung der neuen Konditorei Fürst, sondern auch deren sieben bisherige Mitarbeiter. Die Zuger Confiserie selbst zählt derzeit schon 60 bis 70 Mitarbeiter. «Ohne eine gewisse Grösse ist es heutzutage natürlich schwierig, rentabel zu bleiben», räumt Peter Speck ein. Vor allem könne man eben in der Produktion durch die Erhöhung der Stückzahlen Kosten sparen. «Wir wollen selbstverständlich das Angebot in Baar aufrechterhalten und dort weiterhin qualitätsvolle Confiserie offerieren.»

Wolfgang Holz

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Die Grössten in Zug

Bäckereien wh. Sechs Firmen dominieren den Markt in Zug. Die Bäckerei Konditorei Nussbaumer in Cham verfügt dabei künftig über acht Standorte in Zug und Umgebung, gefolgt von der Zuger Confiserie Speck (6), der Chamer Konditorei von Rotz (6), der Zuger Bäckerei Bossard (5), der Bäckerei Confiserie Zumbach in Unterägeri (5) sowie von der Bäckerei Konditorei Hotz Rust in Baar (4). Allerdings gibt Hotz Rust nach den Sommerferien die Kleinfiliale in der Zuger Kirchenstrasse auf. Grund: Speck zieht ins Kolingeviert.

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