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BAAR: «Wir sind allen Aktionären verpflichtet»

Paul Hälg führt den Widerstand gegen die Sika-Übernahme durch Saint- Gobain an. Er sieht den Erfolg des Unternehmens in Gefahr.
Paul Hälg (60) leitet seit 2011 den Verwaltungsrat von Sika. Der studierte Chemiker ETH mit Doktortitel ist zudem CEO der Altdorfer Dätwyler-Gruppe. (Bild Dominik Hodel)

Paul Hälg (60) leitet seit 2011 den Verwaltungsrat von Sika. Der studierte Chemiker ETH mit Doktortitel ist zudem CEO der Altdorfer Dätwyler-Gruppe. (Bild Dominik Hodel)

Interview Ernst Meier

Sika ist eine wahre Akquisitions-Meisterin. In den letzten 12 Jahren haben Sie 54 Firmen übernommen. Nun soll Sika von Saint-Gobain geschluckt werden, doch Sie wehren sich.

Paul Hälg*: Alle Übernahmen, die wir getätigt haben, waren freundlich. Zudem haben wir die Firmen immer vollständig übernommen und in die Sika integriert. Bei der drohenden Übernahme von Sika durch Saint-Gobain sind die Voraussetzungen ganz anders. Zwei sich konkurrierende Unternehmen gehen zusammen und das in unterschiedlichen Besitzverhältnissen. Unser Verwaltungsrat würde nie Ja sagen zu solch einer Übernahme mit dieser Konkurrenzsituation. Das ist zum Nachteil aller Publikumsaktionäre.

In der NZZ äusserte sich Saint-Gobain-Chef Pierre-André de Chalendar letzte Woche versöhnlich. Er sichert Ihnen «viel Autonomie» zu.

Hälg: Das sind nur Worte. Ich glaube nicht, dass er die mündlich zugesicherte Autonomie von Sika wirklich garantieren kann. Das französische Unternehmen zahlt mit 2,75 Milliarden Franken einen sehr hohen Preis für die 16-Prozent-Beteiligung an Sika. Pierre-André de Chalendar wird als CEO und VR-Präsident die teure Akquisition gegenüber seinen Aktionären rechtfertigen müssen. Darum wird er starkes Gewicht auf das Erreichen der Synergien legen müssen. Das wird mit hoher Autonomie nicht vereinbar sein.

De Chalendar verweist auf hiesige Firmen wie Sanitas Troesch oder Weber-Marmoran, die seit Jahren zu Saint-Gobain gehören und sich erfolgreich weiterentwickelten.

Hälg: Wie erfolgreich die Schweizer Tochterfirmen von Saint Gobain arbeiten, kann ich nicht beurteilen. Im Unterschied zur geplanten Sika-Übernahme sind sie zu 100 Prozent im Besitz von Saint-­Gobain und konkurrieren mit ihren Geschäften andere Konzerneinheiten nicht. Sika und Saint-Gobain sind hingegen Konkurrenten. Es ist daher weltfremd, anzunehmen, dass Pierre-André de Chalendar nicht jenes Unternehmen im Konzern bevorzugen wird, bei dem er zu 100 Prozent am Gewinn beteiligt ist. Nehmen Sie das Beispiel von Spanien: Dort hat Saint-Gobain mit Maxit einen direkten Konkurrenten im Mörtelbereich akquiriert. Innert Jahresfrist wurden alle fünf Maxit-Fabriken in Spanien geschlossen; Aufträge von Saint-Gobain übernommen.

Was wäre Ihr Lösungsvorschlag?

Hälg: Im Dezember haben wir drei konkrete Vorschläge gemacht. Einer sieht vor, dass das Mörtelgeschäft von Saint-Gobain in unseres integriert wird. Dadurch würde der Konkurrenzkonflikt wegfallen. Saint-Gobain könnte zum Beispiel ihr Mörtelgeschäft als Kapitalerhöhung in die Sika einbringen und so ihren Anteil an Sika auf 30 bis 40 Prozent erhöhen. Dadurch wäre Saint-Gobain auch stärker am Sika-Gewinn beteiligt. Es ist unbestritten, auch seitens Saint-Gobain, dass dieses Szenario für die Bewertung beider Unternehmen positiv wäre.

Warum ist man auf Ihren Vorschlag nicht eingegangen?

Hälg: Am Treffen war Pierre-André de Chalendar nicht anwesend. Es kamen sein Finanzchef und zwei weitere Manager. Sie lehnten unseren Vorschlag ab mit der Begründung, der Cashflow würde dadurch in die Sika fliessen. Man muss wissen: Saint-Gobain ist im Gegensatz zu Sika stark verschuldet. Entsprechend ist man in Frankreich auf einen hohen Geldzufluss angewiesen. Hier zeigt sich schon ein erster deutlicher Interessenkonflikt, der zu Gunsten von Saint-Gobain entschieden werden soll.

Die Fronten haben sich seither verhärtet. Sie haben eine breite Schar an Publikumsaktionären für sich gewonnen; darunter die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates. Erhalten Sie weitere Unterstützung?

Hälg: Ja, es stellen sich laufend neue Publikumsaktionäre auf unsere Seite. Ich gehe davon aus, dass wir bald die 50-Prozent-Marke überschreiten. Von den 84 Prozent der Sika-Aktien, die nicht im Besitze der Familie Burkard sind, unterstützen uns bereits mehr als die Hälfte.

Die Gegenseite kritisiert Sie, weil Sie sich mit Händen und Füssen gegen die Übernahme wehren. Man wirft Ihnen vor, Sie würden sich benehmen, als gehöre ­Ihnen die Sika.

Hälg: Als Verwaltungsrat sind wir dem Wohl des ganzen Unternehmens und aller Aktionäre verpflichtet nicht nur der Mehrheitsaktionärin, der Schenker-Winkler-Holding. Wir setzen uns auch für die Publikumsaktionäre ein. Wenn ich von «wir» spreche, dann meine ich alle sechs von der Familie Burkard unabhängigen Verwaltungsräte. Alle bisherigen Entscheide sind einstimmig gefallen. Bestätigt werden wir von den immer zahlreicher werdenden Publikumsaktionären, die uns unterstützen.

Ende Januar haben Sie bekannt gegeben, dass Sie die bisherige Stimmenmehrheit der Familie Burkard auf 5 Prozent beschränken. Ein von Ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten sieht dies als gegeben, weil die Burkards und Saint-Gobain als Gruppe agieren.

Hälg: Die Vinkulierung ist in den Sika-Statuten festgelegt und erlaubt es dem Verwaltungsrat, die Stimmrechte der Namenaktionäre zum Schutze der Interessen der Firma und der Publikumsaktionäre zu beschränken. Für die Familie galt die Vinkulierung bisher nicht, da sie seit der Gründung mit Sika verbunden ist. Weil es neu zu einer Gruppenbildung mit Saint-Gobain gekommen ist, kann der Verwaltungsrat gemäss einem Gutachten von Prof. Nobel die Vinkulierung anwenden.

Die Familie spricht von einem eigenen Gutachten, das Ihrer Argumentation widerspricht. Wer hat Recht?

Hälg: Wir haben bisher kein Gutachten der Familie Burkard zu Gesicht bekommen. Die Erben haben ein Verfahren beim Handelsgericht Zug angestrengt. Nun warten wir auf den Entscheid. Die Familie Burkard hat die Vinkulierung selbst eingeführt und immer daran festgehalten. Obwohl man dank Stimmrechtsaktien die Mehrheit am Unternehmen hat, wurde nie eine Auflösung der Vinkulierung beantragt. Auch die Publikumsaktionäre kannten die Vinkulierung und haben sie als Schutz ihrer Interessen gesehen.

Die Familie hat eine ausserordentliche GV beantragt. Auch hier wartet man auf einen Gerichtsentscheid. Am 14. April findet die ordentliche GV statt. Macht es noch Sinn, kurz zuvor die ausserordentliche GV abzuhalten?

Hälg: Es kommt darauf an, wie nun die Gerichte entscheiden. Es kann sein, dass es knapp wird und es keinen Sinn mehr macht, vor dem 14. April eine ausserordentliche GV durchzuführen.

Wie ist die Stimmung in der Belegschaft?

Hälg: Es bestand anfänglich eine hohe Unsicherheit im Unternehmen, weil man nicht wusste, wie es nun weitergeht. Seit die Mitarbeiter aber sehen, dass sich der Verwaltungsrat und die Konzernleitung so stark für Sika einsetzen, hat sich dies wieder beruhigt. Es entsteht derzeit sogar ein Zusammenstehen und eine neue Dynamik. So haben sich mehr als 100 Senior Manager in einem öffentlichen Brief an Saint-Gobain hinter Verwaltungsrat und Management gestellt.

Wie wirkt sich der Übernahmestreit auf das Tagesgeschäft aus?

Hälg: Bei den Geschäftstätigkeiten sehen wir keinen negativen Einfluss. Wir sind erfolgreich unterwegs. An unserer Wachstumsstrategie ändert sich nichts. Vor kurzem haben wir eine Firma in Mosambik übernommen, an einer Akquisition in Frankreich sind wir noch dran. Es läuft alles normal weiter.

Nehmen wir an, Saint-Gobain zieht sich zurück. Was passiert dann?

Hälg: Wir haben bisher immer nur unternehmerische Lösungen für den Zusammenschluss mit Saint-Gobain vorgeschlagen. Wenn man die Eigenständigkeit als Alternative in Betracht zieht, dann wäre eine Lösung, wie sie bei Conzzetta vonstatten ging, denkbar. Sika braucht für ihre während Jahren erfolgreiche Strategie keinen industriellen Partner. Das haben wir immer bewiesen. Unser Geschäft ist nicht stark investitionslastig, es lebt vor allem von den Mitarbeitern.

Hinweis

* Paul Hälg (60) leitet seit 2011 den Verwaltungsrat von Sika. Der studierte Chemiker ETH mit Doktortitel ist zudem CEO der Altdorfer Dätwyler-Gruppe.

Kurs der Sika-Aktie. (Bild: Grafik: Loris Succo, Quelle: SIX)

Kurs der Sika-Aktie. (Bild: Grafik: Loris Succo, Quelle: SIX)

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