BAAR: Zuger Landwirt im Ausland abgetaucht

Ein Bauer hat sein Leben hinter sich gelassen und sich nach Frankreich abgesetzt. Weil er sich nicht mehr um seinen Hof kümmert, wird er nun enteignet.

Charly Keiser
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Auf der Wiese im Vordergrund des Grossacherhofs fahren dereinst die Fahrzeuge auf der Tangente Zug/Baar. (Bild Stefan Kaiser)

Auf der Wiese im Vordergrund des Grossacherhofs fahren dereinst die Fahrzeuge auf der Tangente Zug/Baar. (Bild Stefan Kaiser)

Für den Bau der Tangente Zug/Baar braucht der Kanton Zug Land. Einige Landwirte sträubten sich gegen den Verkauf ihres Bodens. Der Kanton konnte sich aber letztlich mit allen Beteiligten einigen. So auch mit dem Besitzer des Gross­achers. «Er hat den Vertrag mit dem Kanton unterschrieben», bestätigt Baudirektor Heinz Tännler und ergänzt: «Und er hat bei der Auflage auch keine Einsprache gemacht.»

Bach muss verlegt werden

Doch wie dem aktuellen Zuger Amtsblatt zu entnehmen ist, wird der Mann nun enteignet. Dies sogar in zwei Fällen. Beim Fall, der jetzt publiziert ist, geht es um die formelle Enteignung, kombiniert mit einem Projekt. Der Margelbach, der durch den Grossacherhof fliesst, muss nämlich für den Bau der Tangente fit gegen Hochwasser gemacht werden. Der Bach wird verlegt und mit einem Geschiebesammler ausgerüstet. Das Projekt kostet rund 700 000 Franken und garantiert den Abfluss des Wassers. So kann sich bei Hochwasser in der westlichen Geländemulde des Hofs künftig kein Wasser mehr sammeln und womöglich die Strassen und das Ackerland überfluten. Zur Realisierung der Verlegung braucht der Kanton das Recht, die Arbeiten auf dem entsprechenden Land vornehmen zu dürfen. Und dieses Recht wird nun per Enteignung gesichert. Nach dem Bau ist der Bach verlegt und das Land gehört wieder ganz und gar dem Grossacherbauer.

Im zweiten Fall geht es um das Land, das der Landwirt dem Kanton zu verkaufen gewillt ist – und sich per Vertrag dafür ausgesprochen hat. Doch wie im Falle des Bachs besteht da das gleiche Problem. Der Mann ist seit Monaten für niemanden zu sprechen. Er soll zwei bis drei Polen angestellt haben, die seinen Hof «mehr schlecht als recht» bewirtschaften, heisst es.

Tännler vor verschlossenen Türen

Die Nachforschungen hätten ergeben, dass er in Frankreich in einem Kloster sei, sagt Baudirektor Tännler. Doch nähere Einzelheiten seien nicht zu erfahren. Baars Bauchef Paul Langenegger kennt den Mann gut. «Ich war mit ihm zusammen in der Feuerwehr», sagt der Bauchef und fügt an: «Er ist ein ganz liebenswürdiger Kerl.» Er habe mehrmals versucht, den Grossacherbauer zu erreichen, sagt Langenegger und betont: «Ich habe ihm mehrfach geschrieben und ihn unzählige Male angerufen. Vor nicht allzu langer Zeit habe der Mann der Gemeinde einen ansehnliches Stück Bauland verkauft», ergänzt er. Damit könne man gut irgendwo sein Leben geniessen. Heinz Tännler und er hätten einmal einen Termin mit dem Mann vereinbart, erzählt Langenegger. Doch sie seien vor verschlossenen Türen gestanden. «Wir hatten das Gefühl, als würden wir von jemandem hinter einem Fenster und Vorhang beobachtet.»

Das alles sei nicht völlig aussergewöhnlich, das ist schon mehrmals vorgekommen, relativiert Tännler. Es gebe halt Leute, die nach der Zusage für einen Verkauf vom Ganzen nichts mehr wissen wollten und es dann versäumten, die letzte nötige Unterschrift bei der Handänderung zu leisten.

Wie dem auch sei. In dreissig Tagen werden die Enteignungen vollzogen sein. Der Kanton wird die Umlegung und den Hochwasserschutz des Margelbachs vornehmen. Womöglich kommt dann ja der Grossacherbauer zurück.