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BAAR: Zustände wie in einem Kuhmagen

Die Kompost- und Ökostromanlage Allmig feiert das 30-Jahr-Jubiläum. Sie verarbeitet jährlich rund 25 000 Tonnen Grüngut zu Strom und nährstoffreicher Erde – auf den Spuren des organischen Abfalls.
Andrea Muff
Von Hand und mit einem Rechen sortiert ein Mitarbeiter der Allmig die Grünabfälle (grosses Bild). Am Schluss des Kreislaufes entsteht fertige, frische Gartenerde (Bild rechts oben). Thomas Meierhans (links), Leiter der Allmig, und Michael Müller (rechts), Mitglied der Geschäftsleitung der Alfred Müller AG, erklären den Ablauf der Anlage (Bild rechts unten). (Bilder: Werner Schelbert (Baar, 21. April 2017))

Von Hand und mit einem Rechen sortiert ein Mitarbeiter der Allmig die Grünabfälle (grosses Bild). Am Schluss des Kreislaufes entsteht fertige, frische Gartenerde (Bild rechts oben). Thomas Meierhans (links), Leiter der Allmig, und Michael Müller (rechts), Mitglied der Geschäftsleitung der Alfred Müller AG, erklären den Ablauf der Anlage (Bild rechts unten). (Bilder: Werner Schelbert (Baar, 21. April 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Beim Kochen und nach dem Essen wird er gefüllt: der grüne Kübel. Im Kanton Zug wird dieser Haushaltskompost vom Zeba (Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen) abgeholt und in den Baarer Ortsteil Blickensdorf zur Allmig gebracht. Oder wie es Thomas Meierhans, Leiter der Allmig, auf den Punkt bringt: «Der Prozess fängt zu Hause an.» Bis zu 14 000 Tonnen biogene Abfälle kommen auf diesem Weg pro Jahr zusammen. Gartenbau- und Industriebetriebe liefern jährlich gut 11 000 Tonnen organische Abfälle dazu. Insgesamt verarbeitet die Allmig bis zu 25 000 Tonnen Grüngut pro Jahr – und zwar zu Erde für den Garten. Bei der Vergärung des Grünguts entsteht Biogas, aus dem die Anlage Strom erzeugt, welcher ins Netz der Wasserwerke Zug (WWZ) fliesst. Nun feiert der Betrieb, der zur Alfred Müller AG gehört, sein 30-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass finden nächstens öffentliche Führungen statt. Thomas Meierhans und Michael Müller, Mitglied der Geschäftsleitung der Alfred Müller AG, liessen unsere Zeitung schon vorher hinter die Kulissen blicken.

Auf dem Gelände der Allmig riecht es nicht etwa nach Abfall oder vergärten Essensresten, sondern angenehm nach Gras, Heu und Erde. Die Führung und mit ihr der ökologische Kreislauf beginnt bei der Annahme: Dort wird die grüne Fracht der Last- und Lieferwagen mittels einer 20-Tonnen-Waage gewogen. Von da führt der Weg weiter zur sogenannten Kippstelle. Der Haushaltskompost und die biogenen Abfälle aus Industrie und Landwirtschaft werden getrennt voneinander abgeliefert: «Die Abfälle aus den Haushalten sind meist nicht so ‹sauber› wie diejenigen aus der Landwirtschaft», erklärt Thomas Meierhans. Oft würden sich darin Fremdstoffe befinden, wie Plastik oder Metalle: «Je städtischer die Gegend, aus der das Grüngut stammt, desto mehr Mitarbeiter kümmern sich um die Bereinigung.» Die Mitarbeiter der Allmig sortieren die groben Fremdstoffe von Hand aus den organischen Abfällen.

Ein Bagger sorgt für die richtige Mischung

Danach kommt das grob sortierte Grüngut auf ein Fliessband. Der organische Abfall aus Landwirtschaft und Industrie wird direkt von einem Bagger darauf geladen. «So können wir auch für die richtige Mischung sorgen», erzählt der Leiter der Allmig. Der gelbe Bagger wechselt zwischen den Haufen aus Reisig, Ästen, Pflanzen und Essensresten ab. Mit einem Rechen oder von Hand pflückt ein Mitarbeiter ab und an ein Stück Plastik aus dem organischen Abfall. So zieht eine bunte Auswahl an Früchten, Pflanzenblätter, Ästen und Fischresten langsam Richtung nächster Station: Dort wird das Gut zerkleinert und automatisch von jeglichen Fremdkörpern befreit. Dass es am Sortierband an wärmeren Tagen eher unangenehm riechen könnte, liegt nahe, da es bereits jetzt nach vergärten Essensresten duftet.

Der zerkleinerte Abfall wird in einer grossen Halle zwischengelagert bevor er in Boxen gefüllt und für drei Wochen luftdicht verschlossen wird. Es sind sechs Autogarage-grosse Boxen, worin ungefähr 800 Kubikmeter Material Platz findet.

Hier beginnt die Vergärung und damit die Arbeit der mesophilen Bakterien: Es herrschen konstante 42 Grad Celsius. Die Grünabfälle werden zwei Wochen lang immer wieder mit ihrem eigenen Saft geduscht. In diesem leben die besagten Mikroorganismen. «Einfach erklärt: Die Bakterien essen die Abfälle, haben Blähungen und furzen Methangas», fasst Meierhans das Geschehen anschaulich zusammen und ergänzt: «Wir schaffen die gleichen Bedingungen wie in einem Kuhmagen.»

Ein Blockheizkraftwerk gewinnt aus dem freigesetzten Biogas Strom – im Jahr produziert es rund 3,5 Millionen Kilowattstunden, was dem Bedarf von ungefähr 1000 Haushaltungen entspricht. Die Abwärme, welche bei der Stromproduktion im Blockheizkraftwerk anfällt, nutzt die Allmig neu für die Trocknung von Holzschnitzeln. Das heisst, Landwirte können Mulden gefüllt mit Holzschnitzeln an eine der vier Dockingstationen anschliessen. Durch die Trocknung könne der Heizwert der Schnitzel um zirka einen Drittel gesteigert werden, gibt Meierhans Auskunft. Die Allmig erzeugt aber auch noch auf eine weitere Weise Strom: mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach. «Diese ergibt nochmals Strom für 300 Haushalte», erläutert Michael Müller von der Alfred Müller AG.

Mit stetiger Luftzufuhr verrotten die Grünabfälle

Doch zurück zum Weg des Komposts und zu den Bedingungen «wie in einem Kuhmagen». Der Vorgang zur Gewinnung des Biogases nennt sich Trockenvergärung. Um das Grüngut nach drei Wochen gefahrlos wieder aus den Boxen zu holen, wird zwei Stunden vor Öffnung Kohlenstoffdioxid hineingelassen. «Das mögen die Bakterien nicht, und so werden sie inaktiv», sagt Thomas Meierhans, und Michael Müller präzisiert: «Wir waren eine der ersten Anlagen, die auf die Technik der Trockenvergärung setzten.»

Danach wird das Kompostmaterial in ein geschlossenes System gebracht. Mit stetiger Luftzufuhr verrotten die Grünabfälle. Thomas Meierhans erklärt den Ablauf anhand eines Beispiels: «Wenn wir Sport machen, dann schwitzen wir. Das ist bei diesem Vorgang nicht anders – der Komposthaufen erwärmt sich selber auf ungefähr 80 Grad Celsius.» Im Innern der Halle ist es feucht, die Haufen in den 14 Boxen dampfen und – es liegt ein bissiger Geruch in der Luft. «Wenn man schwitzt, schweisselt man – das ist hier nicht anders», sagt Meierhans mit einem verschmitzten Lächeln. So werde stets mehr Luft abgesaugt, als in die Halle gepumpt.

Einer stetigen Qualitätskontrolle unterzogen

Nach drei Wochen verlässt das Material mittels einer Spirale die Boxen. Die Spirale bringt den Kompost zu einem Sternsieb: Dieses befreit den Kompost nochmals von Fremdstoffen, trennt ihn in grob und fein und mischt den Erdsubstraten verschiedene Komponenten hinzu. Thomas Meierhans sagt: «Am Schluss ist die Erde hygienisiert. Während des Prozesses wird sie analysiert und einer Qualitätskontrolle unterzogen.»

Die fertige Gartenerde bietet die Allmig zum Verkauf an. Betriebe, aber auch Privatpersonen, können die verschiedenen Mischungen direkt auf dem Gelände kaufen. So endet der Kreislauf dort, wo er begann: bei der 20-Tonnen-Waage.

Hinweis

Die Allmig öffnet am 6. und 20. Mai ihre Türen. Von 9.30 bis 12.30 finden die Führungen, inklusive Apéro riche, statt. Eine Anmeldung mit Talon oder per Mail an fuehrungen@allmig.ch bis spätestens 30. April ist obligatorisch.

Am Schluss des Kreislaufes entsteht fertige, frische Gartenerde. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 21. April 2017))

Am Schluss des Kreislaufes entsteht fertige, frische Gartenerde. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 21. April 2017))

Thomas Meierhans (links), Leiter der Allmig, und Michael Müller (rechts), Mitglied der Geschäftsleitung der Alfred Müller AG, erklären den Ablauf der Anlage. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 21. April 2017))

Thomas Meierhans (links), Leiter der Allmig, und Michael Müller (rechts), Mitglied der Geschäftsleitung der Alfred Müller AG, erklären den Ablauf der Anlage. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 21. April 2017))

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