Leserbrief

Baarer Pfarreiheim: Ein Riegel an Stelle von Beton

«Pfarreiheim wird nun doch erneuert», Ausgabe vom 10. Dezember

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Just auf die letzte Kirchgemeindeversammlung der Katholiken in Baar hin, wurden auf die Betonfassade des Pfarreiheims riegelähnliche Gebilde montiert. Da das letzte Traktandum die Orientierung über den weiteren Verlauf des Pfarreiheim-Umbaus beinhaltete, konnte man annehmen, dass etwas über die Riegelmuster auf der Fassade erzählt würde.

Doch kein Mucks war darüber zu hören. Wollte man keinen toten Hasen aufscheuchen oder war man auch im Baarer Kirchenrat skeptisch gegenüber einer Knusperhäuschenfassade? Die Architektur des Pfarreiheims wurde in den 1960er-Jahren von August Bart in einer Wettbewerbsausscheidung gewonnen. Es stellte eine schlichte, klarlinige Fassade dar, welche auf keine Art und Weise versuchte zu dominieren und die nebenstehende alte Kirche oder alte Häuser zu konkurrenzieren. Eigentlich heute ein schützenswertes Gebäude aus den 1960er-Jahren.

Für den Um- und Aufbau wurde vor zwei Jahren ein Wettbewerb ausgeschrieben, woraus einem einheimischen Büro der 1. Preis zugesprochen wurde. Der Ausschlag gab vor allem die ausgezeichnete Organisation der Grundrisse. Die Riegelfassade war eher umstritten. Im Dorfkern von Baar, nicht ersichtlich vom Pfarreiheim aus, gibt es nur weit oben das Rathaus, welches in den oberen Stockwerken einen Sichtriegel erhielt. Die Riegel unter dem Dach des Restaurants Sunshine wurden irgendwann als Bretter mit Putzausfachung erstellt und sind sehr schmucklos gehalten.

Ansonsten sind viele alte Häuser im Dorfzentrum mit einer Holzriegelkonstruktion und Backsteinausfachung gebaut. Darüber sind die meisten Fassaden verputzt oder erhielten einen Holzschindelmantel. So auch hinter dem Pfarreiheim das Schmidenhaus mit gestrichenen grauen Holzschindeln oder links und rechts davon zwei der Kirchgemeinde gehörende Häuser mit dunkelbraunen Schindeln.

Eigentlich würde es viel näher liegen, das Parterre und den Aufbau mit einer grauen Holzschindelfassade zu versehen, um so eine Beziehung zu Nachbarhäusern und eine homogene Zweigeschosslösung zu finden. Doch scheinbar kommt man von der Knusperhäuschenkulisse nicht mehr weg. Bedauerlicherweise wird diese Kitschlösung aus Blechriegeln von der Gemeinde und gar vom Denkmalschutz unterstützt. Ich hoffe, dass die Kirchgemeinde als Bauherr ein Machtwort spricht und eine «unkitschige» Lösung anstrebt. Immerhin darf man das wieder ein paar Jahrzehnte anschauen. Ich denke, an der Marktgasse wurde und wird genug ortsplanerisches Geschirr zerschlagen, sodass es nicht notwendig ist, dies im Unterdorf fortzusetzen.

René Bigliotti, Baar