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BAAR/KANTON ZUG: Pfingstmontag nun Shopping-Tag?

Eigentlich ist der Pfingstmontag ein Feiertag. Und alle Geschäfte sind geschlossen. Eigentlich. Neulich war das nicht so. Das gefällt nicht allen.
Wolfgang Holz
Der neu umgebaute Coop im Baarer Gotthard-Center hatte am Pfingstmontag erstmals auf – die Migros gleich nebenan gönnte ihren Angestellten den Ruhetag. (Bild Stefan Kaiser)

Der neu umgebaute Coop im Baarer Gotthard-Center hatte am Pfingstmontag erstmals auf – die Migros gleich nebenan gönnte ihren Angestellten den Ruhetag. (Bild Stefan Kaiser)

Wolfgang holz

Kurios. Keine hundert Meter Luftlinie liegen die beiden Grossverteiler in Baar voneinander entfernt: Coop und Migros. Doch während der eine – die Migros – wie immer am Pfingstmontag geschlossen hatte, öffnete der Coop erstmals seine Pforten. Und das auch anderswo im ganzen Kanton Zug. Denn auch im Chamer Seedorf-Center etwa konnten Kunden einkaufen ebenso wie im Zuger Neustadt-Center, in Rotkreuz und in Unterägeri. In anderen grossen Einkaufszentren wie im Metalli und im Zugerland herrschte dagegen feiertägliche Ruhe. «Der Verkauf ist überraschend gut gewesen, wir haben auch schon am Ostermontag aufgehabt», gibt eine Coop-Verkäuferin im Baarer Gotthard-Center Auskunft. Während sie von 6.30 bis 19 Uhr arbeiten musste, konnten sich die Mitarbeiter von der Migros dagegen ausruhen.

Gesetzlich erlaubt

Ums vorwegzunehmen: Grundsätzlich erlaubt es das Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz im Kanton Zug, am Pfingstmontag die Ladentüren zu öffnen. Denn der Pfingstmontag ist hierzulande kein gesetzlicher Ruhetag wie ein Sonntag oder wie Neujahr, Karfreitag, Auffahrt, Fronleichnam, der 1. August, Allerheiligen, Maria Himmelfahrt und Weihnachten. An all diesen Tagen müssen die Geschäfte geschlossen bleiben.

Die andere Frage ist, wie Fachleute dieses neue Phänomen beurteilen, am Pfingstmontag plötzlich die Kassen klingeln zu lassen. Geht es nämlich etwa nach der Vereinigung Pro Zug, so wird allen Ladenbetreibern, die Mitglied sind, empfohlen, am Pfingstmontag die Geschäfte in Zug geschlossen zu halten. Und auch André Odermatt, neuer Präsident von Pro Zug und Inhaber eines Lederwarengeschäfts, ist gar kein Freund von solch einem Pfingstmontag-Tabubruch.

Pro Zug schliesst an Pfingstmontag

«Wir als KMU sind absolut gegen diese Entwicklung. Ich bin deshalb kein Fan von dem, was Coop da macht.» Aus seiner Sicht besteht an diesem Tag kein grösseres Kundenbedürfnis, um einkaufen zu gehen. Odermatt fürchtet auch, dass in Zug bald Zürcher Verhältnisse einziehen, weil die «Kleinen» im Einzelhandel bei den Geschäftsrahmenbedingungen der «Grossen» nicht mehr mitzuhalten vermögen. «Dabei hören wir immer wieder Klagen von Kunden in Zürich, dass es dort keine Vielfalt mehr gibt.» Odermatt will deshalb übrigens künftig auch von einem zweiten verkaufsoffenen Sonntag in Zug im Dezember absehen – um die kleinen Geschäfte und ihre Mitarbeiter nicht überzustrapazieren.

«Nicht verteufeln»

Auch Arno Matter, Präsident des Gewerbevereins Baar, bräuchte es persönlich nicht, dass Geschäfte nun auch noch am Pfingstmontag öffnen. «Ich finde dies unnötig. Man sollte es allerdings nicht verteufeln, denn aus meiner Sicht befindet schlussendlich der Markt darüber, ob sich solche neuen Öffnungszeiten lohnen und von den Kunden angenommen werden oder nicht.» Je nachdem, wie die Nachfrage dann ausfalle, würden solche Öffnungszeiten dann eben weitergeführt oder wieder gestoppt werden.

Für Coop selbst ist der Grund, warum man nun im Kanton Zug plötzlich erstmals fünf Supermärkte am Pfingstmontag geöffnet hat, einfach «eine Einkaufsmöglichkeit, die man dem Kunden anbieten wolle», so Markus Eugster, Leiter Kommunikation Coop Nordwestscheiz-Zentralschweiz-Zürich. Die Gesellschaft ändere sich und damit auch die Konsum- und Einkaufsgewohnheiten. Daher würde auch ein Kundenbedürfnis bestehen, am Pfingstmontag im Supermarkt einzukaufen.

Aber lohnt sich dieses Pfingstmontagsgeschäft überhaupt für Coop – und was sagt man den Coop-Mitarbeitern, wenn gleichzeitig alle Migros-Angestellten im Kanton Zug am selben Tag die Beine hochlegen? Eugster: «Wir sind grundsätzlich zufrieden mit dem Geschäft. Und was die Arbeitszeit unserer Angestellten betrifft, wird diese aufgrund dieser Pfingstmontag-Einsätze insgesamt ja nicht überschritten.»

«Wir entscheiden von Fall zu Fall»

So gross können die Umsätze am Pfingstmontag in Zug wohl nicht sein. Sonst würde sich die Migros dieses Geschäft nicht durch die Lappen gehen lassen. Denn, wie gesagt, weder das Zugerland noch das Metalli-Center hatten auf. «Wir hatten keine Standorte im Kanton Zug geöffnet», bestätigt Rahel Kissel, Mediensprecherin der Genossenschaft Migros Luzern.

Am vergangenen Pfingstmontag habe man aber einzelne Standorte innerhalb grösserer Center geöffnet wie etwa im Länderpark in Stans, im MParc in Ebikon, im Wohncenter in Emmen, bei Melectronics in Rothenburg sowie im Luzerner Bahnhof MExpress und im Migros-Partner Weggis. Rahel Kissel sagt dazu: «Wir entscheiden von Fall zu Fall, welche Standorte wir an einem Pfingstmontag öffnen. Den Rahmen gibt das Ladenöffnungsgesetz des jeweiligen Kantons. Unsere aktuelle Erfahrung ist es, dass es vor allem Center-Standorte sind, die an einem Pfingstmontag aufgesucht werden.»

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