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Unterägeri: Kinderhotel-Investor in Erklärungsnot

Hat der Investor zum Scheitern des «Babalou»-Projekts falsche Angaben gemacht? Aussagen einer Projektbeteiligten legen dies nahe.
Christopher Gilb
Für Haus G, das grösste Haus der Überbauung am Baumgarten, gilt auch heute noch ein Baustopp. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 22. Oktober 2018))

Für Haus G, das grösste Haus der Überbauung am Baumgarten, gilt auch heute noch ein Baustopp. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 22. Oktober 2018))

Der Verein intensiv-kids war eines der Hilfswerke, die eingeladen wurden, sich an der Planung eines Hotels für Eltern und deren pflegebedürftigen Kinder in Unterägeri zu beteiligen. «Wir waren begeistert, in der Schweiz gibt es nichts Vergleichbares», erinnert sich die Präsidentin des Vereins Sibylla Kämpf – selbst Mutter einer Tochter mit langer Krankheitsgeschichte. Der Verein bietet Eltern von Kindern mit komplexen Krankheiten Hilfe zur Selbsthilfe. Drei Jahre hätten sie ehrenamtlich an der Planung des Hotels Babalou mitgearbeitet und Ideen eingebracht: ein Bastelzimmer mit Aufenthaltsraum, eine Bibliothek mit elektronischen Hörbüchern. Das Geld sei nie ein Problem gewesen, es habe immer geheissen, das Projekt würde durch die anderen Mieteinnahmen querfinanziert werden, berichtet Kämpf in einem Videointerview auf der Website des Vereins Pro Sankt Anna. Der Verein hat zum Ziel, zu verhindern, dass statt einem Kinderhotel nun sogenannte Residenzwohnungen für eher ältere Bewohner entstehen. Derzeit ist ein Rekurs gegen das Nutzungsänderungsgesuch beim Regierungsrat hängig.

Der Investor, die Bonainvest AG, hatte den Kurswechsel damit begründet, dass sich durch eine externe Expertise und Gespräche mit Betroffenen gezeigt habe, dass die Nachfrage nach einem Kinderhotel kleiner als erwartet sei. Und deshalb die Einnahmen deutlich tiefer ausfallen würden. Auch wurde gesagt, dass es teuer geworden wäre, für alle das passende Pflegeangebot zu haben. «Ich habe zu lange vertraut und mich zu wenig um die Details gekümmert», sagte Bonainvest Chef Ivo Bracher im August 2018 in Unterägeri – rund neun Monate nach dem Spatenstich.

Bedarf sei gross

Der Verein Pro Sankt Anna jedoch hat zusammengefasst den Verdacht, dass das Kinderhotel nur eine Finte eines Spekulanten war, um die Bevölkerung dazu zu verleiten, einer höheren Ausnützungsziffer und besseren Konditionen beim Grundstücksverkauf zuzustimmen. Sibylla Kämpf ist ihre Kronzeugin. «Das es keinen Bedarf gibt, stimmt nicht», sagt sie. Gerade nach einem längeren Spitalaufenthalt sei es für die Familie schön, gemeinsam mit dem Kind in der Nähe kuren zu können. «Es ist ein grosser Bedarf da, Eltern fahren mit ihren Kindern ins Ausland, weil es hier nichts Vergleichbares zur Regeneration gibt.» Dabei sei ein langer Anfahrtsweg für die Kinder strapaziös. Und auf Nachfrage ergänzt Kämpf: «Es hiess ja, es kommen ein Kinderarzt und eine Physiotherapie ins Haus, und um die Pflege hätte sich die Kinderspitex kümmern können. Dies hätte ausgereicht – bei grösseren Leiden hätten die Kinder sowieso ins Spital gemusst.» Es habe dann geheissen, es werde eine Online-Umfrage gemacht, ob die Leute zur Kur ins «Babalou» kommen würden, die Auswertung habe sie aber nie erhalten. «Von den Eltern, die ich kenne, wurde jedenfalls niemand gefragt, die würden sich über so ein Angebot freuen.» Als die Baueingabe dann eingereicht worden sei, hätten sie von den Projektverantwortlichen nichts mehr gehört. «Den Grund erfuhren wir leider erst aus den Medien. Es ging doch nur ums Geld und das neue Projekt rentiert vermutlich einfach mehr.»

Auf Anfrage schreibt die Bonainvest, dass sie sich «aufgrund der Fehlinformationen» im Video und auf der Website des Vereins nicht via Medien, sondern «mit adäquaten Mitteln» äussern wolle.

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