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BAHNAUSBAU: Rechnet Bundesamt Alternativen teuer?

Pro Bahn Zentralschweiz hat dem Bundesamt für Verkehr klare Fragen gestellt. Die Behörde antwortet zwar darauf, ohne aber einen Preis für das Projekt Zimmerberg light zu nennen.
Marco Morosoli
Das Komitee Zimmerberg light will diesen Tunnel durch einen neuen, doppelspurigen ersetzen. (Bild: Werner Schelbert)

Das Komitee Zimmerberg light will diesen Tunnel durch einen neuen, doppelspurigen ersetzen. (Bild: Werner Schelbert)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Die Methode ist bei staatlichen Infrastrukturvorhaben weit verbreitet: Um bei einem Bauprojekt der Lösung zum Durchbruch zu verhelfen, welche der Zahlende bevorzugt, werden allfällige Alternativen oft nur summarisch beurteilt. Manchmal fehlt sogar ein Preisschild, um Vergleiche anzustellen. Diese Erfahrung hat die Vereinigung Pro Bahn Zentralschweiz machen müssen. Die Lobby der Bahnfahrenden hat beim im September präsentierten Ausbauschritt 2035 (AS 2035) vor allem Fragen zur durchgehenden Doppelspur Zürich–Zug–Luzern. Diese ist Bestandteil einer Bundesvorlage, welche die Bahninfrastruktur in der Schweiz verbessern will. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) rechnet für diesen Ausbauschritt mit Kosten von rund 11,5 Milliarden Franken. Im Visier hat Pro Bahn vor all den Zimmerberg-Basistunnel II (ZBT II), der von Thalwil nach Baar Litti führen soll, und den Durchgangsbahnhof Luzern.

Der ZBT II wäre eine Weiterführung des Tunnels, der heute zwischen Zürich und Thalwil im Betrieb ist. Der Bahnhof Thalwil würde dabei umfahren. Will heissen: Ist das Projekt einmal ausgeführt, wären Reisende von Zug nach Zürich oder umgekehrt praktisch auf der ganzen Strecke in einem Tunnel unterwegs.

Pro Bahn Zentralschweiz hätte nun gerne gewusst, was die von ihr favorisierte Alternative Zimmerberg light (ZBL) kosten würde. Seit Jahren wird ein neuer, zweispuriger Zimmerbergtunnel zwischen Horgen Oberdorf und Sihlbrugg vorgeschlagen. Zudem soll der heute eingleisige Albistunnel (Sihlbrugg–Baar Litti) eine zweite Röhre bekommen. Im Weiteren müsste der Knoten Thalwil ausgebaut werden.Für Luzern braucht es den Durchgangsbahnhof, welcher im AS 2035 fehlt.

Das BAV lässt die Fragenden «enttäuscht» zurück

Die Vereinigung Pro Bahn Zen­tralschweiz hat dem BAV deshalb im Oktober einen Fragenkatalog geschickt. Die sehr konkreten Fragen haben eine klare Stossrichtung: Was würde der ZBL kosten, und wie teuer wäre ein Modul mit dem ZBL und dem Tiefbahnhof als erster Etappe des Durchgangsbahnhofes?

«Unsere zentralen Fragen sind nicht beantwortet worden: Wir wissen leider immer noch nicht, wie viel das Projekt Zimmerberg light kostet», sagt Martin Stuber enttäuscht. Er ist Vizepräsident von Pro Bahn Zentralschweiz. Auch dass das BAV bei vielen Antworten vage geblieben ist, goutiert Stuber nicht.

Aus einer Kostentabelle – das BAV hat verschiedene Varianten in Form von Modulen ­berechnet –, geht hervor, dass der Zimmerberg-Basistunnel 1,276 Milliarden Franken kosten würde. Nicht eruierbar ist allerdings, ob diese Kosten auch die Anbindung an die bestehende Strecke beinhalten würde. Da das ZBT-II-Tunnelportal in einiger Entfernung zum heutigen Portal des ­Albistunnels zu liegen käme, müssten die beiden Strecken verknüpft werden. Das einerseits in einem sensiblen Gebiet in Baar Deinikon und andererseits hochkompliziert, da ja auch noch die dort durchführende Autobahn unterfahren werden müsste.

Dagegen ist zum Beispiel die am 10. Dezember 2017 in Betrieb gehende Schnellfahrstrecke von Nürnberg nach Berlin, die ebenfalls an eine bereits bestehende Strecke angebunden werden musste, geradezu ein Kinderspiel gewesen. Der Grund: Die Verbindung der beiden Strecken erfolgt praktisch auf dem freien Feld. Trotzdem hat der ganze Bahn­verkehr auf einem längeren Abschnitt nördlich von Bamberg im Jahr 2016 rund ein halbes Jahr lang keinen einzigen Zug mehr gesehen. Mit dem Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 sind die schnellsten Züge zwischen München und Berlin nur noch 3 Stunden und 55 Minuten unterwegs.

Dasselbe bei einer so stark genutzten SBB-Strecke zu vollführen, erscheint da ziemlich ambitioniert. Wohl stünde noch die S-Bahn-Strecke über das Säuliamt zur Verfügung, aber die ist ja ebenfalls noch nicht durchgehend zweigleisig trassiert. Der Bau des ZBT II würde die Fahrt zwischen Zug und Zürich hingegen nur um wenige Minuten verkürzen.

Das BAV lässt in der Antwort an Pro Bahn verlauten, dass die Variante Zimmerberg light rund 1,850 Milliarden Franken kosten würde. Wobei zu bemerken ist, dass in diesem Vorhaben noch der sogenannte Meilibachtunnel eingerechnet worden ist. Dieser soll dereinst weiter südlich zwischen Horgen und Wädenswil in die Strecke nach Chur einmünden. Was Stuber stutzig macht: «Beim ZBT II wird der Meilibach nicht in die Kosten eingerechnet, beim Projekt ZBL hingegen schon.» Die Frage von Pro Bahn, was das Projekt ZBL ohne diesen Meilibachtunnel kostet, hat das BAV nicht beantwortet. Erwähnenswert ist hierbei auch, dass der Meilibachtunnel in dem zu beurteilenden geplanten Ausbauschritt gar kein Thema ist. Stuber hat diesbezüglich eine Vermutung: «Der ZBL wird offensichtlich künstlich teuer gerechnet.»

Die bestehende Strecke wird nur am Rande erwähnt

Dem BAV-Papier fehlt aber noch eine andere Kostennote. Da ja die heute bestehende Bahnstrecke durch die beiden einspurigen Tunnel zwischen Baar Litti und Horgen Oberdorf weiterhin betrieben werden soll, denn nur so kann Thalwil noch erreicht werden, muss diese notgedrungen auch unterhalten und wohl umfassend saniert werden, nachdem ein allfälliger ZBT II in Betrieb wäre.

Dafür findet sich in der BAV-Vorlage eine Aufstellung der ­Kosten für eine Haltestelle Baar Sennweid. Diese ist im aktuellen Zuger Richtplan noch fixiert. Im Modul zu diesem Projekt werden Kosten von 146 Millionen Franken ausgewiesen. Um diese Stadtbahnhaltestelle betreiben zu ­können, müsste im Bereich Litti eine Wendeanlage gebaut werden. Die geht ins Geld: 32,7 Millionen Franken.

Erstaunlich dabei: In einer anderen Modellrechnung zum ZBT II werden für die genau gleiche Wendeanlage Kosten von 24,8 Millionen Franken ausgewiesen. Ein Schreibfehler oder aber eine abgespeckte Variante? Im begleitenden Bericht des BAV wird das Rätsel nicht aufgelöst.

Hinweis

Das Bundesamt für Verkehr (www.bav.admin.ch) hat umfangreiche Berichte und Pläne zum Ausbauschritt 2035 online veröffentlicht. Die Vernehmlassung dauert bis am 15. Januar 2018. Jeder kann sich dazu äussern.

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