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BAHNVERKEHR: Das grosse Feilschen um Minuten

Bei der geplanten Sperre am Zugersee-Ostufer muss der Fahrplan in Richtung Zürich angepasst werden. Ein Interregio von Luzern nach Zürich wird dann in Thalwil wohl nicht mehr halten.
Marco Morosoli
Für Zentralschweizer Reisende ins Bündner- und Glarnerland sind die Verbindungen nach Thalwil entscheidend. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Thalwil, 27. Juni 2016))

Für Zentralschweizer Reisende ins Bündner- und Glarnerland sind die Verbindungen nach Thalwil entscheidend. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Thalwil, 27. Juni 2016))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Auf der Webseite des Bundesamtes für Verkehr (BAV) ist das Referenzkonzept 2025 aufgeschaltet. Das umfangreiche Papier, das sich mit dem Bahnverkehr der näheren Zukunft befasst, hat bisher kaum Beachtung gefunden. Drei Zürcher Kantonsräte vom linken Zürichseeufer haben darin etwas entdeckt, das ihnen Sorge bereitet. Einer der zwei Interregio-Züge, die auf der Achse Zürich-Zug-Luzern verkehren, soll künftig in Thalwil nicht mehr halten. In einer Anfrage wollten die Parlamentarier vom Zürcher Regierungsrat wissen, ob es zutreffe.

In der Antwort bejaht der Zürcher Regierungsrat dabei deren Befürchtung. Die Zürcher Exekutive zitiert dabei aus einem Schreiben der SBB: «Ab dem Fahrplanjahr 2021 ermöglicht die Fertigstellung des Monte-Ceneri-Basistunnels ein neues Angebotskonzept auf der Nord-Süd-Achse im Fernverkehr. Dieses Konzept mit den Fixpunkten Arth-Goldau (Anschlüsse) und dem Gotthard-Basistunnel (verfügbare Trassen für den Personenverkehr) führt zu Änderungen im Abfahrtsregime der Züge ab Zürich in Richtung Luzern beziehungsweise Gotthard.»

Tausch von Abfahrtszeiten der Interregios

Um die vorgegebenen Fahrlagen zu erreichen, so ist in der Antwort der Anfrage zu lesen, müssten die Gotthardzüge früher in Zürich abfahren. Dadurch entstehe ein Konflikt mit den heutigen Abfahrtszeiten der Interregio-Züge zwischen Zürich und Zug, welche die gleiche Strecke befahren würden. Um dieses Dilemma zu lösen, wollen die SBB die Abfahrtszeiten der Interregio-Züge und der Gotthardzüge einmal in der Stunde tauschen. Demnach würde der Gotthardzug zur Stunde xy.05 in Zürich abfahren. Der Interregio um xy.10. Damit würde der Interregio nach Luzern sechs Minuten später als bisher abfahren. Um den Knoten Luzern noch rechtzeitig zu erreichen, müsste deshalb der Halt in Thalwil gestrichen werden. Das läuft darauf hinaus, dass die Züge auf der Achse Zürich-Zug-Luzern, die von und zum Flughafen fahren und weder in Baar noch in Rotkreuz halten, nach dem neuen Verkehrsregime nicht mehr in Thalwil halten würden.

Diesen Umstand betrachten die drei Zürcher Kantonsräte als ein Abhängen einer Region von immerhin 120 000 Einwohnern von der Zentralschweiz.

Auch Auswirkungen auf den Kanton Zug

Das angedachte neue Verkehrsregime hat auch Auswirkungen auf den Kanton Zug. Hans-Kaspar Weber, Leiter des Zuger Amtes für öffentlichen Verkehr, hat ebenfalls Kenntnis von den SBB-Plänen. Er versucht dabei, Reisende aus dem Kanton Zug insofern zu beruhigen, dass die Züge, die weiterhin in Thalwil halten, einen guten Anschluss an die Regional-Expresszüge nach und von Chur bieten. Dann bringt er die S24 (Zug–Zürich HB–Thayngen) ins Spiel. Diese fährt jeweils in Richtung Norden nach den beiden Schnellzügen aus Arth-Goldau und Luzern ab. In der umgekehrten Richtung ist die S24 jeweils früher als die genannten Schnellzüge in Zug.

Die S24 gibt es zu jeder halben Stunde seit Mitte 2014. Sie hat damals die S21 ersetzt, die zwischen Zug und Thalwil pendelte und jeweils – ausser zu den Stosszeiten am Morgen und am Abend – nur einmal in der Stunde fuhr. Heute verkehrt sie jeweils halbstündlich. Laut Weber hat die S24 dabei «absolut herausragend zugelegt». Die S21 hatte früher 660 000 Reisende pro Jahr. Die S24 kommt heute auf 1,6 Millionen Reisende. Trotz der stark wachsenden S24, so Hans-Kaspar Weber, hat aber auch die Zuger Stadtbahn auf dem Korridor Zug–Baar zugelegt, das «aber im normalen Rahmen von 1,3 Millionen Passagieren auf deren 1,5 Millionen». Webers Fazit: «Das enorme Wachstum der S24 stammt somit nicht von der Stadtbahn, sondern eher vom Fernverkehr von und nach Zürich.» Und was den Leiter des Amtes für öffentlichen Verkehr zusätzlich freut: «Es sind sicher auch Kunden hinzugekommen, die bisher nicht Zug gefahren sind.»

Nach Mitternacht ein Geisterzug

Hierbei sei daran erinnert, dass der Kanton Zug bei seinen auf Ende 2015 umgesetzten Sparbemühungen einmal in Erwägung gezogen hat, die S24 ab 21 Uhr zwischen Horgen Oberdorf und Zug einzustellen. Es wäre dann nur noch nach Mitternacht eine Art Geisterzug nach Zug gefahren. Von diesem Vorhaben hat der Kanton trotz der Sparmöglichkeit in der Höhe von 1,149 Millionen Franken Abstand genommen.

Das erwähnte Verkehrsregime könnte sogar schon früher umgesetzt werden. Dies dann, wenn die Strecke am Ostufer des Zugersees saniert und im Nordkopf des Bahnhofs Walchwil die Doppelspur um rund 1,7 Kilometer verlängert wird. Dieses SBB-Vorhaben liegt derzeit auf Eis, da eine Beschwerde beim Bundesgericht hängig ist. Angestrengt hat diese die Interessengemeinschaft Neat Zug. Das Bundesverwaltungsgericht hat in der Sache am 11. Januar 2017 ein Urteil gefällt. Es hat die Beschwerde vollumfänglich abgewiesen. Wann die Richter in Lausanne entscheiden werden, ist noch unklar. Um das geplante Vorhaben durchzuziehen, planen die SBB, die Strecke zwischen Zug Oberwil und Arth-Goldau für 18 Monate zu sperren. Der Nord-Süd-Verkehr müsste dann über Rotkreuz umgeleitet werden.

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