BAHNVERKEHR: Doppelspurausbau im Richtplan verankert

Der SBB-Doppelspurausbau in Walchwil am Ostufer des Zugersees ist einen Schritt weiter: Der Zuger Kantonsrat hat den geplanten Ausbau am Donnerstag im Richtplan verankert. Das Geschäft war jedoch umstritten.

Drucken
Teilen
Die doppelspurige Geleisführung bei der Einfahrt in den Bahnhof Walchwil von Zug her darf nun verlängert werden. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die doppelspurige Geleisführung bei der Einfahrt in den Bahnhof Walchwil von Zug her darf nun verlängert werden. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der Entscheid, die 1,7 Kilometer lange Kreuzungsstelle im Richtplan zu verankern, fiel deutlich mit 51 zu 8 Stimmen. Die zahlreichen Anträge der Opposition, einen anderen Standort für die Ausweichstelle ins Auge zu fassen, eine unabhängige Expertise einzuholen oder die Vorlage gar komplett an die Regierung zurückzuweisen, hatten keinen Erfolg.

Die Opposition argumentierte vergeblich, dass die Doppelspur die Anwohner in Walchwil belasten werde. Sie forderte eine Ausweichstelle im kaum besiedelten Gebiet Murpfli. Ein Kreuzungspunkt an diesem Ort hätte ihrer Meinung nach zudem – im Gegensatz zur Doppelspur in Walchwil – während des laufenden Bahnbetriebes gebaut werden können.

Der Rat folgte jedoch grossmehrheitlich dem Regierungsrat und damit den Plänen der SBB, welche den Standort Murpfli als ungeeignet erachtet und die Doppelspur zur Kapazitätserhöhung in Walchwil bauen will.

Zugersee Ost während 1,5 Jahren gesperrt

Gebaut werden soll die Ausweichstrecke Walchwil ab 2016, wenn die Strecke entlang des Sees ohnehin umfassend saniert und für Doppelstockzüge tauglich gemacht wird. Wegen der Bauarbeiten wird dieser Abschnitt während 1,5 Jahren komplett gesperrt. In dieser Zeit werden die Züge von und nach Zürich über Rotkreuz ZG umgeleitet – mit einem Zeitverlust von 20 Minuten.

Aus der grossen Zeitersparnis durch den Gotthard-Basistunnel, der genau am Tag der Zugersee-Sperrung in Betrieb genommen wird, wird vorerst also nichts. Die Passagiere sparen vom oder auf dem Weg in den Süden nur 20 Minuten, nicht wie vorgesehen 40.

Baudirektor Heinz Tännler (SVP) erinnerte die Parlamentarierinnen und Parlamentarier während der hitzigen Debatte daran, dass es sich bei der Strecke Zugersee Ost um eine Strecke von nationaler Bedeutung handelt. «SBB und der Bund haben einen kleinen Spielraum, unsere Interessen zu berücksichtigen», sagte er. Zu Deutsch: Die SBB kann die Doppelspur theoretisch auch ohne Zustimmung aus Zug bauen. Oder wie es ein SVP-Vertreter ausdrückte: «Wir sind nur ein Durchgangskantönli.»

Ein Referendum gegen diesen Richtplaneintrag ist nicht möglich. Allerdings könnte es noch zu Einsprachen von Anwohnern kommen, welche das Projekt verzögern würden .

sda