Bald soll es Deutschunterricht für 3-Jährige in Neuheim geben

Bei genügend Anmeldungen wird nach den Sportferien ein Kurs für sprachliche Frühförderung für Fremdsprachige beginnen.

Raphael Biermayr
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Frühförderung für Fremdsprachige ist auch in Neuheim gefragt.

Frühförderung für Fremdsprachige ist auch in Neuheim gefragt.

Stefan Kaiser (17. April 2019), Zuger Zeitung

Fremdsprachige Kinder in der Spielgruppe und im freiwilligen Kindergartenjahr sollen in der deutschen Sprache gefördert werden. Das hat der Neuheimer Gemeinderat um den zuständigen Sozialvorsteher Andreas Bächtold (SVP) im vergangenen Dezember beschlossen.

In Zusammenarbeit mit einer darauf spezialisierten Hünenberger Firma, die in weiteren Zuger Gemeinden tätig ist, wird die Schule ab dem 27. Februar einen Kurs anbieten. Jener umfasst 15 Lektionen à 50 Minuten und hat zum Ziel, den 3- bis 5-jährigen Kindern die Sprache auf spielerischem Weg näher zu bringen. Am Dienstag werden interessierte Eltern Details dazu erfahren (siehe Fussnote). Wer daraus ableitet, Neuheim werde von Expats oder anderen fremdsprachigen Zuzügern überrannt, der irrt. Gemäss dem Schulrektor Dominik Lehner seien anderssprachige Kinder nach wie vor die Ausnahme. «Bei uns fällt es sofort auf, wenn nur schon zwei Kinder nicht Deutsch sprechen», führt er aus. So ist auch die Mindestzahl von Teilnehmern für das Zustandekommen des Deutsch-Frühförder-Kurses mit vier Kindern überschaubar.

Auch finanziell ein Gewinn

Für seine Einführung sprechen gemäss Lehner finanzielle und soziale Gründe. Denn die Zuger Schulen müssen fremdsprachige Schüler vorschriftsgemäss ohnehin in Deutsch fördern. Das tun sie durch angestellte Lehrpersonen. «Wenn wir die Lektionen dafür dank der Frühförderung reduzieren können, rechnet sich das schnell», sagt Lehner, ohne Zahlen zu nennen. Am geplanten Kurs beteiligen sich zudem die Eltern mit 10 Franken pro Lektion, gesamthaft also mit 150 Franken.

Apropos Eltern: Auch sie sollen nach den Vorstellungen von Dominik Lehner dank der Fortschritte der Kinder ihr Deutsch verbessern. Und auch das hätte einen finanziellen Vorteil für die Schule, denn so sparte sie sich die Auslagen für Dolmetscher während Elterngespräche. Vor allem aber hätten die Erwachsenen bessere Voraussetzungen, sich in der Dorfgemeinschaft zu integrieren. Zumal die Schule ein Ort sei, wo Erwachsene verschiedener Herkunft leicht in Kontakt kommen könnten. Um die Kinder und Eltern in ihrem Lernwillen besonders zu motivieren, wurde als Kursort die Bibliothek gewählt. «Es ist ein Begegnungsort und ein Ort, an dem die Sprache im Zentrum steht», sagt der Rektor.

Der zentrale Punkt, als es darum ging, den Gemeinderat von der Deutsch-Frühförderung zu überzeugen, war gemäss Lehner:

«Die Sprache ist der Schlüssel
zum Erfolg. Wir stellen immer wieder fest, dass auch Kinder mit guter Intelligenz benachteiligt sind, wenn sie
wegen des mangelhaften Deutschverständnisses Aufgaben in anderen Fächern nicht folgen können.»

Wie steht er zur immer wieder aufflammenden Kritik, dass Kleinkinder durch zu viel Lernen überfordert werden? «Die Forschung zeigt klar, dass das optimale Lernfenster für Sprachen im Alter von drei bis fünf Jahren offen ist. Dieses wollen wir nutzen.» Zunächst sind aber die Eltern gefordert: Die Einladung zum Informationsanlass ist auf Deutsch geschrieben.

Am Dienstag, 21. Januar, findet von 17 bis 17.30 Uhr im Schulhaus Dorf I eine Informationsveranstaltung für interessierte Eltern statt.