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Zuger Kammerensemble spielt Barock zwischen Kammermusik und Orchester

Zwei Mal erklang das Barockprogramm des Zuger Kammerensembles: in Baar und Unterägeri.
Jürg Röthlisberger
Ganz besonders die Solistin verzauberte. Bild: Jan Pegoraro (Unterägeri, 2. November 2019)

Ganz besonders die Solistin verzauberte. Bild: Jan Pegoraro (Unterägeri, 2. November 2019)

Ein erfreulich zahlreiches Publikum folgte der Einladung in die Kirche St. Martin, Baar, für das Gastkonzert der spanischen Sopranistin Nuria Rial. Voll auf ihre Kosten kamen die Besucher vor allem beim «Laudate pueri» von Antonio Vivaldi, einem Werk, welches in seiner Struktur ganz auf die Solistin zugeschnitten war. Rasche Koloraturen wechselten mit getragenen Teilen. Aus dem gedanklich recht einförmigen Text hatte Vivaldi eine Solokantate mit überaus vielen und scharfen Kontrasten gemacht, für welche die Solistin insgesamt sehr beschwingte Tempi wählte. Die Singstimme kam in allen Lagen voll zur Geltung, mit kraftvoller und stets klarer Gestaltung auch der raschesten Koloraturen, mit sinngemässer Wiedergabe der mehr getragenen und der rezitativisch gefärbten Abschnitte. Dazu gesellten sich eine prägnante Aussprache und eine tadellose Intonation.

Nach ähnlichen Prinzipien interpretierte die Luzerner Oboistin Marita Kohler den Solopart des rekonstruierten Konzerts für Oboe und Streicher in d-Moll nach Johann Sebastian Bach. Die Bearbeitung (Arnold Mehl, 1981) erfolgte in grossem Wissen und Gespür um die Qualitäten des Barockmeisters und wirkte darum in allen Punkten stilgerecht. Die schnelle Tempowahl des Schlusssatzes überzeugte als Kontrast zum Adagio, dies vor allem dank der musikalischen und spieltechnischen Souveränität der Solistin. In wechselnden Besetzungen klangliches Gleichgewicht. Das Zuger Kammerensemble verfügt seit der Gründung durch den immer noch aktiven Cembalisten Werner Weiss über jahrzehntelange Erfahrung mit Barockmusik. Die 10 bis 15 Mitwirkenden spielen ohne Dirigent, was durch die personellen Wechsel fast für jedes Konzert wieder ein neues «sich Finden» verlangt. Die Zeichengebung erfolgt durch den Primgeiger und nicht durch den Spieler am Tasteninstrument, wie es zu Bachs Zeiten üblich war. Sicher und prägnant führte die Cellistin Natalia Chybak die Bassgruppe. Eine aparte Bereicherung des Continuo-Klangs bedeutete die Mitwirkung von Rosario Conte an der Theorbe.

Stimmungsvolle Streicherbegleitung

Vor allem in den Mittelstimmen wurde auf Vibrato und prägnante Einsätze verzichtet. Dies erschwerte aber das Zusammenspiel, was man vor allem bei der einleitenden Bachkantate «Ich habe genug» nicht überhören konnte. Ursprünglich hatte Johann Sebastian Bach dieses Werk für einen Bass-Bariton komponiert. Die Überarbeitung für Sopran mit teilweise veränderter Instrumentalbesetzung erfolgte sechs Jahre später.

In der ersten umfangreichen Arie überzeugte vor allem das Flötensolo von Franziska Kannewischer. Auch die Sopranistin fand eine lebendige Gestaltung eines Textes, der wohl den theologischen Vorstellungen des Komponisten entsprach, der aber in der heutigen Welt mit seiner Todessehnsucht doch eher als Fremdkörper wirkt. Einige lang gehaltene Töne in tieferen Lagen zeigten aber auch gewisse Limiten der Umarbeitung. Es erstaunt nicht, dass Bach in der letzten bekannten Fassung das Werk wieder einer Männerstimme anvertraut hat. Den langen Schlussapplaus verdankten die Mitwirkenden mit der weltbekannten Arie Lascia ch’io pianga aus «Rinaldo» von Georg Friedrich Händel.

Hier erlebte man noch einmal die Qualitäten der Sängerin in ihrem besten Stilbereich mit einer abgerundeten und stimmungsvollen Streicherbegleitung.

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