Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BAUGESUCH: Aufstand am Zugerberg wegen einer Antenne

Auf einem Wohnhaus an der Waldheimstrasse 6 plant die Swisscom eine Mobilfunkantenne, was mehrere Anwohner erbost. Und auch die Verwaltung des Hauses selbst hadert nun mit dem Entscheid.
Christopher Gilb
Anwohner kritisieren die geplante Antenne auf der Liegenschaft Waldheimstrasse 6 (Haus ganz links). (Bild: Maria Schmid (Zug, 30. August 2017))

Anwohner kritisieren die geplante Antenne auf der Liegenschaft Waldheimstrasse 6 (Haus ganz links). (Bild: Maria Schmid (Zug, 30. August 2017))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerberg.ch

Es könnte alles so schön sein an diesem Mittwoch in der Waldheimstrasse am Zugerberg: Kein störender Lärm ist zu hören, die Sonne scheint, und die Aussicht auf das blaue Wasser im Tal ist grandios. Doch den rund zehn Personen verschiedenen Alters, die sich gegenüber dem dreistöckigen Wohnhaus an der Waldheimstrasse 6 versammelt haben, ist nicht nach Geniessen zu Mute.

«Erst dachte ich, das sei ein Fahnenmast, als mich dann einer Bewohnerin des Hauses aufklärte, dass da eine Antenne ausgesteckt sei, dachte ich, ich sehe nicht recht», sagt die Frau mittleren Alters, die wie alle anderen in direkter Nachbarschaft der Waldheimstrasse 6 lebt. «Das ist eine Entwertung unserer Heimat», sagt einer der zwei Männer in der Runde. «Es ist ja kein Zufall, dass die Antenne auf diesem Haus gebaut wird. Die Verwaltung sitzt in Zürich, und es sind Mietwohnungen, sodass die Bewohner ständig wechseln, und wir Eigentümer in der Nachbarschaft haben dann den Schaden», ergänzt die Frau.

Angst vor Wertverlust aber auch vor den Strahlen

Die Swisscom-Mobilfunkantenne, die auf dem Dach geplant ist, wird über fünf Meter hoch und mit den Aufbauten teilweise über einen Meter breit. 16 Einsprachen sind gegen das Baugesuch eingegangen, hinter vielen stehen mehrere Personen, auch Bewohner des Hauses sind dabei.

Die Gründe, welche vorgebracht werden, sind mannigfaltig. Es geht um die Entwertung: «Rund 25 Prozent verliert unser Eigentum an Wert», heisst es in der Runde. Um die Sicht: «Diese überdimensionierte An­tenne verbaut die ganze Aussicht.» Aber auch um die Gesundheit. Einer der Einsprecher ist der 71-jährige ehemalige Lehrer Franz Spörri, der in der Waldheimstrasse 5 wohnt. «In dieses Quartier sind in den letzten Jahren viele Familien mit Kindern gezogen.» Zudem liege der Standort in der Nähe mehrerer Bildungseinrichtungen. So sei beispielsweise die Tagesschule nur 150 Meter entfernt. «Das ist für mich das Entscheidende, ich bin schon älter und wohne vielleicht nicht mehr so lange hier, aber die jungen Familien müssen noch lange mit dieser Antenne leben und unter der Dauerbelastung leiden.» Er beruft sich dabei auf mehrere Studien der letzten Jahre, die ergeben hätten, dass vor allem Kinder und Jugendliche unter der Strahlung leiden würden. Eine junge Mutter in der Runde teilt Spörris Sorge. «Wir machen uns Sorgen, mein Mann ist schon auf Wohnungssuche.»

Chefwechsel bei der Verwaltung

Auf rund 22 Seiten hat die Swisscom zu den Einsprachen Stellung genommen. Sie hält unter anderem fest, dass es zur Frage des Einflusses auf die Gesundheit mehrere Studien gebe, wie dies auch die Einsprechenden festhalten würden. Und die erst kürzlich gemachte Einschätzung der EU komme etwa zum Schluss, dass es «keine offensichtlichen gesundheitsschädigenden Wirkungen gibt, wenn die Exposition unter den Werten bleibt, die von den derzeitigen Normen festgelegt sind». Unterstützung erhalten die Einsprecher von der ­Careal Immobilien AG, der Verwaltung der Waldheimstrasse 6. «Bei der Verwaltung fand ein Chefwechsel statt, und man ist nun der Meinung, dass die Antenne überdimensioniert und der Standort der falsche ist», heisst es bei der Verit Immobilien AG, die für die Careal die Im­mo­bilienbewirtschaftung übernimmt. Doch die Verträge sind un­ter­zeichnet, nun wird auf den Er­­­­­folg der Einsprachen gehofft. Die Swisscom dazu: «Uns liegen keine Informationen vor, dass der Immobilienbesitzer nicht mehr mit dem Bau der Antenne einverstanden ist.» Ob diese bewilligt wird oder nicht, entscheidet der Stadtrat in der Frist von 3 Monaten. Ausschlaggebend sei die Einhaltung der NISV-Verordnung, die den Schutz für nichtionisierende Strahlung regelt. «Wenn die gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind, besteht ein Anspruch auf eine Bewilligung. Die Mobilfunkbetreiber kennen diese Grundlagen und erfüllen diese in der Regel, andernfalls passen sie das Gesuch an», so Nicole Nussberger, Departementssekretärin des zuständigen Baudepartements.

Frage nach dem richtigen Standort

Sie alle hätten ja Verständnis, dass es für eine flächendeckende Versorgung Antennen brauche, so die Einsprechenden. Doch wieso könne diese nicht ausserhalb eines Wohngebiets gebaut werden? Im Rahmen des im Kanton Zug angewendeten Dialogmodells (siehe Kasten) sei die Stadt Zug ja frühzeitig über die Pläne der Swisscom informiert worden. Christian Weber, Leiter der Abteilung Immobilien der Stadt, bestätigt dies. «Aus unserer Sicht gab es aber keine Alternativstandorte.» Ein Standort ausserhalb des Gebiets, das versorgt werden soll, komme zudem nicht in Frage, da mit zunehmender Distanz die Strahlen stärker würden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.