Kanton Zug: Ein aggressiver Baumschädling bereitet Sorgen

Ein Pilz lässt im ganzen Kanton massenhaft Eschen absterben. Auch für Menschen besteht indirekt eine Gefahr.

Andreas Faessler
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Ein befallener Eschenzweig.

Ein befallener Eschenzweig.

Bild: Pius Amrein

Seit nunmehr zehn Jahren sorgt ein ärgerlicher Schädling für die sogenannte Eschenwelke, auch bekannt als Eschentriebsterben. Er ist verantwortlich für einen dramatisch schwindenden Bestand an Eschen, die Baumart ist gar vom Aussterben bedroht. Ursache ist das Falsche Weisse Stengelbecherchen. Was irgendwie putzig klingt, ist eine aggressive Pilzart, die ursprünglich aus Ostasien eingeschleppt worden ist und erst seit 2010 als genauer analysiert gilt.

Der Befall beginnt normalerweise während der Sommerzeit, wenn durch den Wind Pilzsporen auf die Eschenblätter geraten und von dort ausgehend Blattstiele und in der Folge Zweige sowie Stamm befallen. Die Triebe oberhalb der Befallsstelle sterben ab, weil der Pilz die Wasser- und Nährstoffversorgung drosselt. Folglich stirbt der ganze Baum. Wirkungsvolle Massnahmen gegen das Eschensterben gibt es bislang nicht. Auch können befallene Exemplare nicht behandelt werden.

Gefahr durch fallende Äste und kippende Bäume

Das Eschentriebsterben ist hierzulande eine junge Krankheit. 2008 im Raum Basel zum ersten Mal festgestellt, traten bereits im Folgejahr im Kanton Zug die ersten Fälle auf. Mittlerweile hat sich hier das Eschentriebsterben in alle Kantonsteile ausgebreitet, wie das Amt für Umwelt im Amtsblatt mitteilt. Die Gemeinden am Berg sind insofern nicht so stark betroffen, als die Esche hauptsächlich in niederen Gefilden verbreitet ist. Im Kanton Zug weist vor allem der Ennetsee einen reichen Eschenbestand auf, weshalb das Amt für Wald und Wild hier besonders viel zu tun hat. Die Krankheit ist nämlich nicht nur für die Bäume gefährlich, sondern indirekt auch für Menschen: Der Pilzbefall schwächt die Bäume so weit, dass sie anfällig für weitere Schädlinge wie etwa den Hallimasch werden. In der Folge werden sie durch den Prozess des Absterbens instabil, wodurch Äste unverhofft abbrechen. Bäume, bei denen der Befall bereits an der Stammbasis angekommen ist, drohen bei Wind umzukippen. Und da vor allem entlang beliebter Spazierrouten und in Erholungsgebieten des Kantons Zug zahlreiche Eschen stehen und somit für Vorbeikommende Gefahr besteht, müssen derzeit viele befallene Bäume gefällt werden. «Wegen dieser Sicherheitsrisiken werden die Eschen entlang von Infrastrukturanlagen wie Strassen regelmässig kontrolliert und bei Krankheitssymptomen entfernt», sagt dazu Martin Ziegler, Leiter Amt für Wald und Wild, Bereich Wald und Naturgefahren. Der Forstdienst und die Werkverantwortlichen würden denn auch regelmässig Kontrollen am Eschenbestand durchführen.

Im Kanton Zug müssen wegen des Befalls jährlich um die 4000 Kubikmeter Eschenholz gefällt werden. Dies entspricht einer Menge von 200 Lastwagenladungen. Bäume im Wald, die nicht gefällt werden, sondern langsam absterben, sind nicht mit eingerechnet. Doch wird das gewonnene befallene Holz vernichtet? Martin Ziegler: «Es wird hauptsächlich als Energieholz verkauft, selten als Bauholz. Häufig ist das untere Stammstück vom Pilz verfärbt und hat keinen Wert mehr, aber der Rest des Holzes erzielt marktübliche Preise.» Dennoch verursacht die Krankheit auch wirtschaftliche Schäden: Befallene Bäume müssen deutlich früher geerntet werden, um ihr Holz noch vermarkten zu können. Doch wegen des geringeren Volumens ist folglich auch der Erlös kleiner.

Nur resistente Bäume überleben

Die Esche ist nach der Buche die zweithäufigste Laubbaumart in der Schweiz und so auch im Kanton Zug. «2010 machte die Esche knapp sieben Prozent der Bäume im Kanton aus», sagt Martin Ziegler. «Unterdessen ist der Anteil aufgrund des Eschentriebsterbens stark zurückgegangen.» Nämlich um etwa einen Drittel. Forscher gehen davon aus, dass rund fünf bis zehn Prozent der Eschen gegen das Falsche Weisse Stengelbecherchen resistent sind. «Wenn man davon ausgeht, dass nur die resistenten Eschen überleben, nimmt der Bestand massiv ab», gibt Martin Ziegler zu bedenken. «Es bleibt zu hoffen, dass sich der Bestand dank einer Vermehrung der resistenten Individuen in den nächsten Jahrzehnten wieder erholt.»